Nahost »Jeder definiert Frieden anders«Seite 4/4

Aschrawi: Die drei wichtigen Punkte sind nach wie vor: die Grenzen, inklusive der Siedlungen, Jerusalem als Hauptstadt und das Rückkehrrecht der Flüchtlinge. Wenn Israel glaubt, es könne einseitig über diese Punkte entscheiden und das Ergebnis dann Frieden nennen – dann gibt es keinen Frieden. Aber jetzt gibt es immerhin die Friedensinitiative der Arabischen Liga. Diese Initiative gibt Israel die Möglichkeit der Anerkennung, der Legitimierung und der Normalisierung der Beziehungen zu seinen arabischen Nachbarn - wenn es sich in die Grenzen von 1967 zurückzieht.

ZEIT Online: Das strittigste Element dieser Initiative ist vor allem die Flüchtlingsfrage. Wie kann dieses Problem gelöst werden?

Aschrawi: Mir scheint es, dass man nicht über das Recht oder das Gesetz verhandelt, sondern über die Umsetzung. In dem Moment, in dem man das Schicksal der Flüchtlinge und die Verantwortung Israels in diesem Zusammenhang anerkennt und gleichzeitig das Rückkehrrecht an sich anerkennt, dann kann man über die Umsetzung und die Möglichkeiten sprechen.

ZEIT Online: Israel hat im Zuge der jüngsten Entwicklungen die gezielte Tötung von Premierminister Hanija nicht ausgeschlossen.

Aschrawi: Die Israelis haben in der Vergangenheit Führer aller palästinensischen Fraktionen durch gezielte Tötungen eliminiert. Sie haben PLO-Führer getötet, Fatah-Führer, PFLP-Führer und Hamas-Führer. Dadurch haben sie keine Verbesserung der Sicherheitslage erreicht. Im Gegenteil, sie haben den Konflikt weiter angeheizt. Es ist eine fehlgeschlagene und unmoralische Politik. Wenn sie damit weitermachen wird das nur zu mehr Gewalt führen.

ZEIT Online: Was denken sie über die derzeitigen Kämpfe im Libanon?

Aschrawi: Vor allem externe Akteure sind daran beteiligt. Tragischerweise ist der Libanon erneut zum Schlachtfeld anderer geworden und die Libanesen und nun auch die Palästinenser zahlen wieder einmal den Preis dafür. Diese extremistische Organisation (Fatah al-Islam) wurde sowohl in den Libanon als auch in die palästinensischen Flüchtlingslager importiert und muss bekämpft werden. Es handelt sich um Kräfte von außen, die weder etwas mit Palästina, noch mit dem Libanon zu tun haben. Auf keinen Fall darf ein neuerlicher Konflikt zwischen palästinensischen Flüchtlingen und den Libanesen zugelassen werden.

Die Fragen stellte Wiebke Fleig

 
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