Rico Gulda Kunst kommt von Müssen

Die Söhne Friedrich Guldas geben keine gemeinsamen Interviews. Deshalb haben wir sie einzeln besucht. Der Musiker und Manager Rico Gulda erzählt von der Kindheit an der Seite eines Klaviergenies und dem langen Schatten des Vaters

Rico Gulda , dritter Sohn des Pianisten und Komponisten Friedrich Gulda aus der Ehe mit Yuko Wakiyama, wurde 1968 in Zürich geboren und wuchs in München auf. Ab dem Alter von fünf Jahren erhielt er Klavierunterricht, in Meisterkursen bei Dimitri Baschkirov, Oleg Maisenberg und in der Arbeit mit seinem Vater vervollständigte er seine Ausbildung. Rico Gulda konzertierte sowohl als Solist, als Kammermusiker und mit großen Orchestern wie den Wiener Philharmonikern, dem Mozarteum Orchester Salzburg, und dem Orchestre National de Belgique. Eine intensive musikalische Allianz verbindet ihn mit dem Bariton Florian Prey, mit dem er den Schubert-Liederzyklus "Die schöne Müllerin" aufgenommen hat.

Neben Standards des Piano-Repertoires – seine erste CD von 1997 präsentierte ausschließlich Werke von Schubert – bemühte er sich, ganz "guldaesk", immer wieder um Raritäten und vergessene Klänge. Er nahm Musik des im KZ verstorbenen Komponisten Erwin Schulhoff auf und initiierte 2004 das Projekt "Musik zu Sisi`s Hochzeit", das bisher nicht aufgeführte Werke aus der "Huldigungskassette" aller Wiener Meister für die Kaiserin aus dem Hochzeitsjahr 1854 zu Gehör brachte.

Neben seiner Karriere als ausübender Musiker arbeitet Rico Gulda auch als Manager, etwa für den Pianisten Stefan Vladar , das New Yorker Ensemble Absolute und das Klavierduo Önder , mit dem er die "Vivaldi Reflections" erarbeitete, die mit dem Echo Klassik ausgezeichnet wurden. Außerdem betreut Rico Gulda als künstlerischer Leiter den Musiksommer Klaus

ZEIT Online: Herr Gulda, Ihr Bruder Paul war stark in die Wiederveröffentlichung von Friedrich Guldas Einspielung der Debussy- Préludes aus dem Jahr 1969 eingebunden . Sie selbst hatten damit nichts zu tun?

Rico Gulda: An diesem Projekt war ich unmittelbar nicht beteiligt. Aber ich habe über meine Mutter rege Erinnerungen an Friedrich Guldas MPS -Zeit. Das fiel ja in die Zeit dieser Ehe. Danach hat er auf diesem Label, das hauptsächlich Jazz produzierte, auch noch die Bach- Präludien und Fugen herausgebracht.

Anzeige

ZEIT Online: Wie läuft das derzeit überhaupt mit der Auswertung von Friedrich Guldas Back Catalogue , wie man in der Sprache der Popmusik sagen würde?

Gulda: Wie Sie vielleicht wissen, hat ja Universal die Rechte an MPS, dem Label des verstorbenen Musikliebhabers Hans Georg Brunner-Schwer gekauft. Und da scheint es wirklich großes Interesse an regelmäßigen Wiederveröffentlichungen zu geben. Das Label hat ja nun wirklich lange genug vor sich hin geschlummert.

ZEIT Online: Warum hat Ihr Vater wohl bei einer Firma, die gegründet wurde, um den Jazzer Oscar Peterson zu feiern, als erste Platte eine Klassikaufnahme gemacht?

Gulda: Das ist ein typisch Friedrich Guldascher Schachzug gewesen. Er stand ja mit seinem ganzen künstlerischen Potential dafür ein, Grenzen zu überwinden. Das Querdenken im frischen, im öffnenden Sinne war ja immer ein Merkmal meines Vaters. Warum er gerade die Préludes machen wollte, weiß ich nicht. Mir ist nur insgesamt aufgefallen, dass alle Aufnahmen Friedrich Guldas für MPS sich klanglich stark von den früheren Veröffentlichungen unterscheiden. Das Spiel selbst, aber auch die Klangvorstellung hatten sich dramatisch geändert. Nun war alles viel direkter und unmittelbarer. Eine Art der Aufnahme, von der man mittlerweile schon wieder weggegangen ist. Heute soll das ursprüngliche Konzerterlebnis so präzise wie möglich auf einem Tonträger repräsentiert werden.

ZEIT Online: Glauben Sie, dass Brunner-Schwer als Produzent Ihren Vater dazu verführt hat, eine andere, vielleicht "jazzmäßigere" Art der Mikrofonierung auszuprobieren?

Gulda: Ich glaube nicht, dass da viel Überredungskunst notwendig war. Die beiden haben sich in ihren Interessen getroffen. Ich höre aus den Aufnahmen natürlich Jazzeinflüsse heraus, und es gab gute Gründe dafür, das so zu machen. Man hat so ein anderes Klangerlebnis, das wesentlich mehr dem ähnelt, was der Pianist selbst empfindet, während er spielt, und das dynamische Spektrum ist wesentlich breiter.

ZEIT Online: Die Préludes mit ihrem impressionistisch-romantischen Klangbild können ja durchaus in einen gedanklichen und chronologischen Zusammenhang mit den Solo-Improvisationen eines Keith Jarrett oder Chick Corea gestellt werden, die kurz darauf zu einem Riesenerfolg wurden und eine Phase des Introspektion und des Solipsismus im Jazz einleiteten.

Leser-Kommentare
    • cmaul
    • 17.08.2009 um 6:58 Uhr

    Warum eigentlich?
    Wenn ich beide Interviews lese, dann scheint es mir schwierig, irgendetwas zu finden, wo die beiden nicht übereinstimmen.

Bitte melden Sie sich an, um zu kommentieren

Service