Korrekt sparen Im Auftrag der Großen
Viele Pensionskassen, Versicherungen und Kirchen möchten ihr Geld nachhaltig anlegen, oft nach ganz eigenen Kriterien. Wer diese nicht erfüllt, fliegt aus dem Portfolio.
Viele Vermögensverwalter, die für große institutionelle Kunden arbeiten, prüfen inzwischen, ob die Vermögen ihrer Klientel ökologischen, sozialen und ethischen Kriterien genügen. Screening wird eine solche Durchleuchtung auch genannt. Dexia Asset Management ist ein Beispiel dafür.
Die Bank arbeitet für Pensionsfonds, Pensionskassen, Versicherungen, Kirchen darunter eine deutsche Diözese , Nichtregierungsorganisationen und Stiftungen. Rund 130 Mandate hat sie von ihren Auftraggebern erhalten, das entspricht einem Vermögen von insgesamt mehreren Milliarden Euro. Ein Mandat muss mindestens zehn Millionen Euro umfassen. Erst vor wenigen Monaten hat der französische Renten-Reservefonds (FRR), ein wichtiger Träger der staatlichen Rentenversicherung Frankreichs, Dexia ein Mandat über 100 Millionen Euro erteilt, das fünf Jahre lang laufen soll. Andere Investoren vergeben solche Aufträge gemeinsam, beispielsweise der flämische Gesundheitsfonds (Vlaams Zorgfonds) mit einer Nichtregierungsorganisation und einem religiösen Investor.
Zu diesen Mandaten kommt Kapital, das institutionelle Anleger in Spezialfonds stecken können. Zu drei Fünfteln ist das Vermögen der Dexia-Kunden in vergleichsweise sicheren Rentenpapieren schließlich werden auch Staaten nach Nachhaltigkeitskriterien bewertet und Firmenanleihen angelegt, zu zwei Fünfteln in Aktien.
Die Analysten der Bank prüfen mehr als 2000 Großkonzerne und 100 Unternehmen geringer Marktkapitalisierung (Small Caps) auf verschiedene ökologische, ethische und soziale Aspekte. Umstrittene Themen werden separat bewertet, beispielsweise, ob eine Firma in diktatorisch regierten Ländern Geschäfte macht, ob sie Tierversuche betreibt oder mit Alkohol in Verbindung kommt. Hinzu kommen Kriterien, die für einzelne Kunden wichtig sein können, etwa, ob ein Unternehmen Verhütungsmittel herstellt oder vertreibt.
Am Anfang von allem steht das sogenannte Negativ-Screening in sieben Stufen. Negativ deshalb, weil am Ende der Überprüfung jene Unternehmen, die nicht alle geforderten Kriterien erfüllen, aus dem Portfolio geworfen werden.
Will beispielsweise eine katholische Diözese ihr Geld nicht in Anteile von Unternehmen stecken, die mit Verhütungsmitteln zu tun haben, überprüfen die Dexia-Analysten zunächst, welche Branchen davon betroffen sein könnten. Dann schließen sie jene Firmen aus, die direkt ins Geschäft mit Antikonzeptiva involviert sind. Geht es um Tierversuche, wird gefragt: Wie steht das Unternehmen zu solchen Versuchen? Versucht es sie einzugrenzen, beschränkt sie vielleicht auf die für den Menschen medizinisch notwendigen Tests? Auch wird geprüft, ob sich Unternehmen internationalen Selbstverpflichtungen wie dem Global Compact der UNO angeschlossen haben.
Zuweilen entscheidet, wie hoch der relative Umsatz ist, den eine Firma mit einem umstrittenen Geschäft macht. Beispiel Alkohol: Bislang forderte noch kein Kunde, die Metro aus seinem Portfolio zu werfen, denn der Anteil des Umsatzes, den der Handelskonzern mit Alkoholika erzielt, gilt als tolerabel. Manchmal geben jedoch grundsätzliche Erwägungen den Ausschlag. Beispiel Energie: Für einen Kunden schließen die Vermögensverwalter der Dexia einen französischen Versorger aus, weil dieser Strom aus Kernenergie erzeuge.
- Datum 05.06.2009 - 15:13 Uhr
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- Serie Nachhaltigkeit
- Quelle ZEIT ONLINE, 23.5.2007 - 02:22 Uhr
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