Gute Unternehmer Die Bank, die Geld verschenktSeite 2/2

Dazu beitragen soll das Vermögens- und Anlagegeschäft, das ebenfalls dynamisch wächst. Auch hier legt die GLS Bank besondere Maßstäbe an. "Wir suchen Wertpapiere sehr sorgfältig aus. Sie müssen ausnahmslos unseren ethisch-ökologischen Kriterien entsprechen", sagt der Leiter des Anlagegeschäfts, Thomas Goldfuß. Ein Beispiel: Kunden, die an der Börse handeln wollen, können lediglich aus einer Liste von etwa 200 Wertpapieren wählen. Welche Aktie in dieses Portfolio gelangt, entscheidet ein Anlageausschuss, der mit drei GLS-Mitarbeitern und drei unabhängigen Gutachtern besetzt ist. Eine Vorauswahl von 1000 Unternehmen liefert die Rating-Agentur oekom research. Hinein ins Portfolio kommen am Ende nur Werte, bei denen einwandfrei feststeht, dass die Unternehmen nicht in Rüstung, Tabakproduktion, Atomenergie oder Grüner Gentechnik tätig sind, dass sie keine Embryonenforschung betreiben oder Tierversuche machen, oder dass sie nicht von Kinderarbeit profitieren. Die vollständige Liste der Ausschlusskriterien ist mehr als doppelt so lang.

So ausgesucht die Wertpapiere sind, so anspruchsvoll sind auch die Kunden der GLS Bank, zu 70 Prozent Akademiker. Das Institut begegnet ihnen mit hoch qualifizierten telefonischen Beratern: "Bei uns sprechen zehn Bankkaufleute mit den Kunden, man landet nicht in einem Call Center", sagt Goldfuß. "Die meisten der rund 10.000 bis 13.000 Anrufe im Monat können direkt erledigt werden, umfassendere Fälle werden von speziellen Vermögens- und Kreditberatern bearbeitet."

Gute Mitarbeiter dafür zu finden, wird allerdings immer schwieriger, sagt Werner Landwehr, Leiter der Kreditabteilung. "Unser Know-how ist in der Vergangenheit stetig gewachsen. Die ersten Beschäftigten kamen direkt aus ökologischen oder pädagogischen Netzwerken." Die Bankkaufleute, die heute eingestellt werden, müssen das ökologische Know-how erst noch lernen. "Wir schicken junge Mitarbeiter mit älteren Kollegen auf Termine, sie treffen sich in den Netzwerken, Elternkreisen und Initiativen. Das ist wichtig, denn unsere Kunden erwarten von uns, dass wir uns auch in den inhaltlichen Fragen auskennen."

Wegen dieser Nähe zu den Projekten platzen bei einem Kreditvolumen von 384 Millionen Euro im vergangenen Jahr durchschnittlich nur Kredite im Wert von 60.000 bis 80.000 Euro jährlich. Geldgeber und Kreditnehmer passen eben gut zueinander. Außerdem kommen Finanzierungen zustande, die sonst kaum eine Chance hätten. Privat initiierte Schulen erhalten beispielsweise je nach Bundesland in den ersten ein bis fünf Jahren keine öffentlichen Mittel und müssen mit Krediten vorfinanziert werden. "Wenn die Finanzierung in richtiger Weise angegangen wird, können wir in den meisten Fällen das Projekt zum Erfolg führen. Auch weil wir wissen, dass Schulen, die von Eltern- oder Lehrerinitiativen getragen werden, einen starken inhaltlichen und idealistischen Anspruch haben und deswegen auf die Beine kommen." Ungewöhnlich ist die Art, wie solche Kredite finanziert werden. Die GLS Bank arbeitet mit einem Bündel von Kleinbürgschaften, bei dem beispielweise Eltern mit ihrem eigenen Vermögen für einen Anteil des Darlehens bürgen.

Dann gibt es da noch jenen Teil des Bankgeschäfts, der wieder zurückführt zum Ideengeber Steiner. Er versteckt sich schon im Namen - genauer gesagt, im "S", das für "schenken" steht (das "G" bedeutet "Gemeinschaftsbank", das "L" "leihen"). Das "S" geht zurück aufs Steinersche "Schenkgeld". Dieses Geld, das jeder, der sich mit Finanzen beschäftigt, abgeben soll, gehört nach dieser Lehre Kunst und Kultur: Sie könnten sich niemals selbst finanzieren, sind aber für ein ganzheitliches Leben unverzichtbar. In Bochum kümmert sich eine Tochter der Bank, die GLS Treuhand, darum. Sie bringt Spender und Stifter mit Bedürftigen und gemeinnützigen Projekten zusammen. Im vergangenen Jahr wurden auf diese Weise rund 6,9 Millionen Euro vergeben. Und weil sie selbst ja auch Geld verdient, hat die GLS Bank fünf eigene Zukunftsstiftungen für Bildung, Entwicklungshilfe, Gesundheit, Landwirtschaft und Soziales Leben ins Leben gerufen.

 
Schreiben Sie den ersten Kommentar!

    Bitte melden Sie sich an, um zu kommentieren

    Service