Seit dem Fall der Mauer haben mehr als 1,5 Millionen Menschen die neuen Bundesländer verlassen - darunter sind besonders viele junge Frauen, wie das Berlin-Institut für Bevölkerung und Entwicklung mitteilte. Dadurch gibt es in einigen Regionen einen Männerüberschuss von bis zu 25 Prozent. Das Problem: Während vor allem gut ausgebildete Frauen zwischen 18 bis 29 Jahren ihre ostdeutsche Heimat verlassen, bleiben viele Männer mit schlechter Ausbildung und ohne Job zurück.

"Dieser Frauenmangel ist europaweit einzigartig", sagte der Mitautor der Studie "Not am Mann" des Berlin-Instituts Reiner Klingholz. "Selbst Polarkreisregionen im Norden Schwedens und Finnlands reichen an die ostdeutschen Werte nicht heran." Nur den Männern auf einigen einsamen griechischen Inseln ginge es noch schlechter.

Als Ursache nennen die Forscher die eklatanten Bildungsunterschiede zwischen den Jungen und Mädchen im Osten. Während fast 60 Prozent aller Gymnasiasten junge Frauen sind, schafften in den vergangenen Jahren fast 50.000 Jungen weniger als Mädchen auch nur den Hauptschulabschluss. Am schlechtesten sieht es im brandenburgischen Elbe-Elster aus: Dort sind den Angaben zufolge 70 Prozent der Schulabgänger, die seit 1995 keinen oder höchstens einen Hauptschulabschluss erreichten, männlich.

"Zusammen mit einer hohen Arbeitslosigkeit und den schlechteren Chancen auf einen Ausbildungsplatz führt dieses Bildungsgefälle dazu, dass viele junge Frauen ihr Glück in Westdeutschland versuchen", sagte der Leiter der Studie Steffen Kröhnert. "Hinzu kommt, dass die Frauen sich einen Partner mit ähnlichem Bildungsniveau suchen - und diesen nicht in Ostdeutschland finden." Frei nach dem Motto "weiblich, ledig, jung sucht. .." machen sich die Frauen daher auf, im Westen nicht nur einen Job, sondern auch einen Mann zu finden.

Zurück bleiben junge Männer, die von der Gesellschaft ausgeschlossen sind: Immerhin 20 Prozent der Männer im Osten haben laut Studie eine schlechte Ausbildung, keinen Job und keine Partnerin. "Das ist so ziemlich das Dümmste, was einem passieren kann", fand Forscher Klingholz.

Für die Studie stützten sich die Forscher auf Statistiken der Arbeitsämter, weitere Studien zur Bevölkerungsentwicklung sowie auf eigene Umfragen.