Korrekt sparen Kein Komplize seinSeite 2/2

Seit 2006 arbeitet der Rat intensiv mit dem britischen Researchhaus Eiris zusammen. Die Eiris-Analysten durchforsten regelmäßig alle ihnen zugänglichen Informationen über die Unternehmen, in die der norwegische Pensionsfonds investiert, auf kontroverse Themen. Kritische Fälle werden gekennzeichnet, den schlimmsten widmet sich der Ethikrat dann in aller Ausführlichkeit. Viele Hinweise erhält er auch direkt von Umwelt- und Menschenrechtsgruppen, Privatleuten oder Journalisten aus der ganzen Welt.

An welchem Fall die Mitglieder des Ethikrats gerade arbeiten, ist stets geheim. Weil seine Entscheidungen, sobald sie gefallen sind, veröffentlicht werden, sollten sie unanfechtbar sein. Alleine mit der Untersuchung Wal Marts war der Rat ein Jahr lang beschäftigt. Kurz bevor ein Beschluss fest steht, erhält die Zentralbank eine Rohfassung samt Begründung. Die Unternehmen erhalten die Möglichkeit, sich zu äußern. Zuweilen können sie die Vorwürfe entkräften, dann bleiben sie im Portfolio. Überzeugt ihre Reaktion aber nicht, wie im Fall der Bergbaufirma Freeport, und ist die Sache klar, kommt es zum Ausschluss.

In der Finanzwirtschaft und unter den Unternehmen sorgen solche Entscheidungen für Aufsehen, denn der Pensionsfonds hält teilweise umfangreiche Beteiligungen. Bis zu fünf Prozent eines Unternehmens kann er im Depot haben. Durch ihr öffentlichkeitswirksames Vorgehen wollen die Norweger einen stärkeren Einfluss auf die Wirtschaft ausüben als Investoren, die im Stillen entscheiden.

Nachahmer haben sie schon gefunden. Mehrere skandinavische Großinvestoren, unter ihnen der Oslo Pension Fund, die große norwegische Versicherungsgruppe KLP (Kommunal Landspensjonkasse) und der zweite schwedische Pensionsfonds Allmänna Pensionsfonden (AP 2), folgten 2006 ihren Entscheidungen. Nachdem KLP schon vor längerem ethische Richtlinien erlassen hat, haben vergangenen Februar auch alle vier schwedischen Pensionsfonds einen gemeinsamen Ethikrat gegründet. Er soll die 3500 Unternehmen, an denen die Fonds Anteile halten, nach Umwelt- und Sozialstandards durchleuchten.

 
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