g8 "Fundamentale Opposition"

Bei den Vorbereitungen auf den G8-Gipfel zeichnete sich am Wochenende keine Annäherung mit den USA um verbindliche Ziele zum Klimaschutz ab. Die US-Regierung protestiert in ihrem Entwurf für das Gipfelkommunique in ungewöhnlich scharfer Form gegen die deutsche Position

Bundeskanzlerin Angela Merkel geht mit offenbar nur geringen Erfolgschancen in die Verhandlungen über konkrete Klimaschutz-Vereinbarungen auf dem bevorstehenden G-8-Gipfeltreffen in Heiligendamm. Auch nach einer voraussichtlich letzten Sitzung der Regierungsbeauftragten für den Gipfel zeichnete sich am Wochenende keine Annäherung im Streit mit den USA um verbindliche Ziele zum Klimaschutz ab. Die US-Regierung protestiert in ihrem Entwurf für das Gipfelkommunique in ungewöhnlich scharfer Form gegen die deutsche Position, zu der sie ihre "fundamentale Opposition" erklärt. Zudem wird die Streichung aller zentralen Klimaschutz-Ziele aus dem Dokument verlangt. Umweltverbände und Wissenschaftler forderten Merkel auf, dennoch auf klaren Zielen zu bestehen.

Bundesumweltminister Sigmar Gabriel äußerte sich nach den Beratungen der Regierungsbeauftragten – den so genannten Sherpas – skeptisch zu den Erfolgschancen des Gipfels. Die Verhandlungen würden mehr als schwierig, sagte der Minister der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung .

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Aus mit den Verhandlungen vertrauten Kreisen verlautete, die Lage habe sich nicht grundlegend verbessert. Die Positionen der Europäer und der USA stünden sich "diametral und fundamental" gegenüber. Bundesaußenminister Frank-Walter Steinmeier erinnerte die USA am Montag erneut an die gemeinsame Verantwortung für den Klimaschutz und äußerte nach einem Treffen mit einer Delegation von US-Umweltpolitikern trotz aller Differenzen die Hoffnung auf Fortschritte in Heiligendamm.

"Die US-Regierung hat ernsthafte und fundamentale Bedenken gegen den Entwurf für ein Schlussdokument", heißt es in der amerikanischen Stellungnahme zum Vorschlag der deutschen Präsidentschaft. Die Mehrheit der von den USA in früheren Entwürfen geäußerten Bedenken finde sich nicht in dem Dokument. Stattdessen seien neue, problematische Passagen eingefügt worden, beschwert sich die US-Regierung. "Die Behandlung des Klimawandels widerspricht unserer grundsätzlichen Position und überschreitet gleich mehrere rote Linien in einer Weise, die wir einfach nicht akzeptieren können", heißt es ungewöhnlich offen weiter. "Das Dokument wird als ENDGÜLTIG bezeichnet, aber wir haben niemals irgendeiner der in dem Dokument aufgeführten Sprachregelung zum Klima zugestimmt", bekundet die US-Regierung ihre Ablehnung.

Die Vorbemerkung zu den einzelnen Punkten endet mit dem Hinweis: "Wir haben es auf eine sanftere Gangart versucht, aber wir können nur so weit gehen, angesichts unserer fundamentalen Opposition zur deutschen Position."

Im konkreten Textteil sind im US-Entwurf alle wichtigen Ziele der deutschen Präsidentschaft gestrichen. Weder wollen die USA zustimmen, die Erderwärmung auf höchstens zwei Grad zu begrenzen, noch wollen sie eine Formulierung aufgenommen sehen, die einen Abbau des Treibhausgases CO2 um 50 Prozent bis 2050 fordert. Das von Deutschland vorgeschlagene Zieldatum 2009 für ein neues weltweites Klimaschutz-Abkommen als Nachfolger des Klimaschutzprotokolls von Kyoto ist im US-Entwurf ebenfalls ersatzlos gestrichen, ebenso wie der Hinweis auf das weltweite Handelssystem mit Kohlenstoffen, das aus europäischer Sicht ein wichtiges Instrument zur Eindämmung der CO2-Emissionen darstellt. Stattdessen heißt es nur, eine Antwort auf den Klimawandel zu finden, sei eine langfristige Angelegenheit.

Leser-Kommentare
    • Anonym
    • 28.05.2007 um 15:15 Uhr

    Die Amis handeln richtig. Man sollte sich von den Deutschen nichts aufzwingen lassen. Die Zeit, lässt sich nicht konservieren. Das Wünschdenken erzwingt keine besseren Ergebnisse. Das Eigenleben des Sonnensystems kann man nicht ändern. Nur die Borniertheit der gutmenschlichen Alteuropäer driftet ins Patholigische hin.

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    • Anonym
    • 28.05.2007 um 17:43 Uhr

    Die Zukunft wird zeigen, ob die "Alteuropäer" oder die scheinbar klügeren "Neueuropäer" borniert sind! Die Denkweise "nach mir die Sintflut" scheint mir in's Pathologische abzudriften.

    • Anonym
    • 28.05.2007 um 17:43 Uhr

    Die Zukunft wird zeigen, ob die "Alteuropäer" oder die scheinbar klügeren "Neueuropäer" borniert sind! Die Denkweise "nach mir die Sintflut" scheint mir in's Pathologische abzudriften.

    • Anonym
    • 28.05.2007 um 17:43 Uhr

    Die Zukunft wird zeigen, ob die "Alteuropäer" oder die scheinbar klügeren "Neueuropäer" borniert sind! Die Denkweise "nach mir die Sintflut" scheint mir in's Pathologische abzudriften.

  1. Es kann nicht, ich möchte darauf immer und immer wieder hinweisen, gut und machbar sein, dass eine Welt, die sich noch massiv mit A-Waffen und anderen Waffen bedroht, die noch hochaktiv in dem einen und anderen Krieg verwickelt ist, ohne dass dessen Ende wirklich absehbar ist, sich auf ein Umweltschutz-Ziel einigen kann - das ist wohl logisch!!!

    Und deshalb ist es falsch, sich dieses Ziel vorweg zu setzen. Man muss sich vielmehr die grundlegende Reform der UNO, eine Demokratisierung und Stärkung dieser Institution auf die Fahne schreiben. Dann müssen, und nur so kann dieses gelingen, erst die Sicherheitsprobleme aller halbwegs gelöst werden, was - dann erst - durchaus machbar ist, und dann erst die globalen Umweltprobleme. Das kann man isoliert nicht im Rahmen von G8, auf Dauer auch nicht im Rahmen der EU und auch nicht im nationalen Rahmen.
    Es ist schade, dass dieser Regierung, aber auch den (allermeisten) Globalisierungskritikern hier nichts weiter einfällt! Es gibt heute keine Alternative mehr zu einem wirklichen föderalen Weltstaat (a la BRD oder EU, nur dass er noch besser (und auch vielgestaltiger) sein muss)!
    A-Waffenberge ja - aber keine A-Kraftwerke, KLimaschutz - und Krieg ohne absehbares Ende - das ist Kokolores!

  2. Die Bundeskanzlerin wird wohl nicht darum herumkommen, den US-Präsidenten einmal gehörig zusammenzustauchen und die geballte Kompetenz der Deutschen in puncto Umweltpolitik in den Mittelpunkt zu stelllen.

    Wir brauchen lange Gesichter in Washington, damit endlich erkennbar wird, welche Abgründe sich zwischen der einstigen "Pershing-Partnerschaft" und der auf die Lösung von Zukunftsproblemen ausgerichteten heutigen deutschen Politik auftun. Die Nostalgie der freundschaftlichen deutsch-amerikanischen Beziehungen insbesondere zwischen 1949 und 1989 hilft uns jedenfalls nicht weiter.

    Wenn die beratungsresistente amerikanische Administration einfach nicht hören will, dann muss sie eben fühlen, wie es ist, als Atommacht von den Deutschen mal richtig ausgelacht zu werden. Die USA müssen begreifen, dass sich Deutschland eindeutig gegen jede weitere Atomenergiepolitik ausspricht und will, dass den Worten auch Taten folgen.

    Es ist sehr gut, dass eine CDU geführte Regierung diese Vermittlungsarbeit zu verrichten hat, denn es zeigt sich in Heiligendamm ja auch, wie wenig Merkel bisher von ihren amerikanischen Partnern überhaupt verstanden wurde. Das Ziel der Kanzlerin, die Wirtschaftsallianz zu den USA wiederzubeleben, war hochgesteckt. Vielleicht deutet die Scheidung von Daimler-Chrysler aber sogar an, dass sich auf absehbare Zeit Konkurrenzdenken eher wieder verstärkt.

    Insofern wird es auch wichtig sein, Sarkozy bei der EADS-Neuorganisation nicht allzu sehr entgegenzukommen.

    • Anonym
    • 29.05.2007 um 16:17 Uhr

    @waehlerstimme
    Die Bundeskanzlerin wird wohl nicht darum herumkommen, den US-Präsidenten einmal gehörig zusammenzustauchen und die geballte Kompetenz der Deutschen in puncto Umweltpolitik in den Mittelpunkt zu stelllen.
    Aber klar.
    Schon wieder die Germans der Welt vorschreiber wollen, was richtig ist. Danach haben die 2 Weltkriege gefolgt...
    Keine geballte Kompetenz, sondern die PISA Fakten über die ganz dummen und faulen Deutschen. Die Tschechen, Polen, Ungarn, Österreicher und Slowaken sind da wesentlich besser und weiter. Und die Finnen so wie so...

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