NPD
Der Traum von der Querfront
Rechte und linke Globalisierungsgegner sind auf den ersten Blick schwer zu unterscheiden. Nur minimal variieren die Parolen. Was die Linken ärgert, machen die Rechten mit Absicht.
Demonstration in Hamburg. Warm-up für Heiligendamm. Rund 5000 Menschen haben sich auf der Reeperbahn zum Protestmarsch versammelt, gegen das Treffen der europäischen und asiatischen Außenminister, Asem genannt. Die Demonstranten tragen Transparente, Palästinenser-Tücher, Trillerpfeifen – typische Demo-Insignien also. Auf einmal meldet sich durch das Megafon die knatternde Stimme eines Veranstalters: "Wir haben Plakate mit der Aufschrift " Gib 8 – G 8 " gesehen. Das ist das Motto der Nazis. Mit euch wollen wir nichts zu tun haben. Haut ab!"
"Ob das wirklich Rechtsradikale waren, weiß man noch nicht einmal", sagt Andreas Beuth. Beuth ist Anwalt, er vertritt unter anderem das autonome Zentrum Rote Flora, das die Demonstration mitveranstaltet hat. Das mutmaßlich rechte Grüppchen habe sich anschließend gerechtfertigt: Es hätte gar nicht gewusst, welch Geistes Kind der Slogan sei, den sie in Hamburg hochhielten.
Nicht nur in Hamburg kennt die Protestszene dieses Problem: Rechte und linke Globalisierungsgegner sind auf den ersten Blick nicht einfach zu unterscheiden. Die Parolen variieren mitunter lediglich um Nuancen: " Fight Capitalism! Fight G8! ", mit diesem Aufruf mobilisieren linke Gruppen bundesweit gegen das Gipfeltreffen. Bei den jungen Nationaldemokraten heißt es: " G8 rocken! " oder eben "Gib 8 – G 8! ". Auch T-Shirts und Aufkleber der rechten Globalisierungsfeinde sehen denen der linken zum Verwechseln ähnlich: Statt Springerstiefeln zählen Palästinenser-Tücher und Kapuzen-Pullis inzwischen zum Standard-Outfit rechter Kreise.
Die Ähnlichkeit ist kein Zufall. Ganz unverblümt räumen NPD-Funktionäre ein, dass sich die Protestformen einander angenähert hätten. Klaus Beier, Bundespressesprecher der NPD, sagt: "Natürlich gibt es inhaltliche Übereinstimmungen mit den linken Globalisierungsgegnern", etwa die antikapitalistische Grundhaltung. Nicht nur Attac, auch die NPD interpretiere sich selbst als "anti-neolioberal". Da sei es doch durchaus sinnvoll, sagt Beier, "dass wir auf die gleiche Optik setzen". Die NPD habe da "keine Berührungsängste".
Seit Jahren schon sucht die NPD einen Weg hinaus aus dem dunklen Hinterzimmer. Die rechte Partei möchte den Protest anführen, an Debatten teilnehmen, argumentativ ernst genommen werden. Der G8-Gipfel in Heiligendamm kommt ihr für dieses Ansinnen gerade recht. NPD-Chef Udo Voigt hatte schon im Jahr 2001 angekündigt: "Wir werden uns an die Spitze einer neuen deutschen Friedensbewegung stellen."
Um dieses Ziel zu verwirklichen, sei eine "Querfront" rechter und linker Systemkritiker nötig, träumen die rechten Strategen. Ein Teilnehmer im rechtsextremen Internetforum
Freier Widerstand
schreibt dazu: "Wir haben das gemeinsame Ziel, den G8-Gipfel zu zerschlagen oder wenigstens zu behindern." "Bald gibt es kein Links und Rechts mehr", schreibt ein anderer, "dann gibt es nur noch das System und seine Feinde."
- Datum 30.5.2007 - 03:27 Uhr
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In der Vernichtung ihrer Gegner, sind sich dagegen einig.
Die einen Industriell, die anderen rustikal, mit dem proletarischen Spaten. Die einen beseitigen die in ihrem "Unwürdigen Leben", die anderen ihre "Klassenfeinde".
Ach ja;
die Rhetorik ist ebenso identisch.
Zum Vergleich:
Die Länder Libyen, der Iran und Nordkorea sind in ihrer geselschftlichen Ordnung relativ unterschiedlich. Die Propaganda auf der Strasse und in den Medien - absolut gleich.
Wichtig ist erstmal die satte Mehrheit gegen den Neoliberalismus, der Widerstand gegen die Habgier und die Vorbildlichkeit der Deutschen, denen es jetzt sehr ernst ist, mit ihrem Widerstand gegen den Neoliberalismus.
Die Völker der Welt werden sich ein Beispiel an den deutschen Demonstranten nehmen wodurch jede noch so nationale Bewegung automatisch zur Internationalen wird.
Es dürften Bilder um die Welt gehen, nach denen man sich die Augen reibt. Küssen als neue Protestform gegen den Polizeistaat wird zwischen Kabul und Kapstadt, Wladiwostok und Washington, Lissabon und Louisiana die Menschen in Verzückung geraten lassen.
Wenn alle Klischees kollabieren, werden die Mächtigen kapieren, dass es keinen Sinn macht, den eigenen Überfluss zu verteidigen.
In einem in der Jugendbewegung Baldur von Schirachs gern gesungenem Lied des deutschen Dichters Baumann hieß es von 1934 bis 1945;
"Die Freiheit kommt aus Deutschland
Und bald gehört ihr die Welt!"
Das Lied begann mit den Worten: "Wir werden weiter marschieren / bis alles in Scherben fällt".
62 Jahre später lesen wir:
"Die Völker der Welt werden sich ein Beispiel an den deutschen Demonstranten nehmen wodurch jede noch so nationale Bewegung automatisch zur Internationalen wird."
Bis alles in Scherben fällt. Beim nächsten Mal gibt es nach dem Zusammenbruch aber kein Wirtschaftswunder und keine Wiedervereinigung, sondern die nukleare Katastrophe. Dann gi8bt es auch diese Webseite nicht mehr.
Wenn ich mich recht erinnere, war es Peter Glotz der eine sehr umfängliche Analyse erstellte, in der er die Konvergenzen zwischen extrem links und extrem rechts aufzeigte. Wer hier an Horst Mahler denkt und ggfs. auch an Otto Schily, der dürfte m.E. gar nicht so falsch liegen.
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Die Bürde des Menschen sei antastbar!
Endlich! Mitten im Jahr 2007 entdeckt DZ die Querfront.
Nun der Artikel ist aber schwach, da weder die Querfront (Stichwort: Kefyia), noch die aktuellen Ereignissen um das G8-Treffen umfassend analysiert wurden. Zum letzen Thema sehe ich z.B. die Nazis im Zugzwang, da durch die ganze Dursuchungspublicity die Proteste in die linke Ecke gebracht wurden. Nicht, dass man von den dummen Schlägern was neues zu erwarten wäre, besonders wenn es denen so gut in OstBRD geht.
In einem in der Jugendbewegung Baldur von Schirachs gern gesungenem Lied des deutschen Dichters Baumann hieß es von 1934 bis 1945;
"Die Freiheit kommt aus Deutschland
Und bald gehört ihr die Welt!"
Das Lied begann mit den Worten: "Wir werden weiter marschieren / bis alles in Scherben fällt".
62 Jahre später lesen wir:
"Die Völker der Welt werden sich ein Beispiel an den deutschen Demonstranten nehmen wodurch jede noch so nationale Bewegung automatisch zur Internationalen wird."
Bis alles in Scherben fällt. Beim nächsten Mal gibt es nach dem Zusammenbruch aber kein Wirtschaftswunder und keine Wiedervereinigung, sondern die nukleare Katastrophe. Dann gi8bt es auch diese Webseite nicht mehr.
Hüben wie drüben ist man des gleichen Geistes Kind. Seien wir dankbar das diese Leute noch nicht zueinander gefunden haben und wohl auch aufgrund ihrer selbstherrlichen Ansichten nie werden.
Der Autor dieses Artikels muss (wie viele andere auch) unbedingt lernen, die Begriffe "Globalisierungsgegner" und "Globalisierungskritiker" auseinanderhalten. Er benutzt sie abwechselnd um jeweils die Gesamtheit der Demonstranten zu benennen. In Wahrheit aber haben die beiden Woerter eine total unterschiedliche Bedeutung: die einen ("Gegner") lehnen Globalisierung grundsaetzlich ab, was stark ueberwiegend die rechten Demonstranten umfasst - auch wenn der heutige Wohlstand Deutschlands klar auf der Globalisierung mit beruht. Die "Kritiker" dagegen (ueberwiegend die Linken) sehen in ihr dagegen durchaus einen nutzenbringenden Prozess - vorausgesetzt, sie wird richtig gelenkt. Im gleichen Sinne, wie die beiden Worter bedeutend von einander unterscheiden, lassen sich auch die Ziele der beiden Demonstrantengruppen klar auseinanderhalten. Es ist durchaus ein Verdienst von Attac und aehnlichen Organisationen, den Globalisierungsprozess bewusstseinsbildend mitzugestalten und dabei weiter zu denken als bis zur Staatsraeson.
Wenn sich (zumindest theoretisch) grundätzlich verschiedene Gruppen so weit annähern ist es womöglich nur eine Frage der Zeit bis sie sich wieder bewusst voneinander distanzieren und weiter in ihren ideologisch motivierten und radikalen Schwachsinn abdriften. Mit ein wenig Glück aber entlädt sich die Konkurrenz in einem Kampf um die besseren Argumente. Das täte beiden Seiten gut.
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