Klimaschutz Bushs Vorstoß spaltet die Welt

Die Klimainitiative des US-Präsidenten hat höchst widersprüchliche Reaktionen ausgelöst. Während die EU und Umweltschützer seinen Plan ablehnen, bekam Bush Unterstützung auch von unerwarteter Seite

Eine Woche vor dem G8-Gipfel hatte Bush überraschend eine eigene, weltweite Strategie im Kampf gegen die drohende Klimakatastrophe vorgeschlagen. Die zehn bis 15 wichtigsten Produzenten der Treibhausgase sollen sich bis Ende 2008 auf ein gemeinsames, globales Ziel zur Verringerung der schädlichen Emissionen einigen, sagte Bush am Donnerstag in Washington.

Damit bekannte sich die US-Regierung erstmals überhaupt dazu, Klimaziele festzulegen. Allerdings widerspricht Bushs Vorstoß den Vorstellungen der Bundesregierung, die gehofft hatte, schon bei dem G8-Treffen in Heiligendamm oder spätestens bei dem Umweltgipfel im Dezember in Bali gemeinsame Ziele bei der Begrenzung der Treibhausgas festschreiben zu können.

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Bundeskanzlerin Angela Merkel begrüßte dennoch die Initiative. "Das ist eine wichtige Stellungnahme." Sie betonte aber, dass noch weiter an gemeinsamen Beschlüssen für den G8-Gipfel kommende Woche in Heiligendamm gearbeitet werden müsse.  Wichtig sei, dass Klimavereinbarungen schließlich in einen UN-Prozess mündeten. «Ich sehe durchaus Bewegung in der Sache.» Niemand komme mehr heute an der Frage des Klimawandels und der Tatasche vorbei, dass er wesentlich von Menschen verursacht sei.

Wesentlich kritischer reagierte Bundesumweltminister Sigmar Gabriel (SPD). Er warnte davor, «dass wir nicht auf eine Art trojanisches Pferd hereinfallen». Es gebe keine klaren Zielvorgaben und nur unverbindliche Vorschläge aus Washington. Bushs Vorschlag sei kein Ersatz für weitere Verhandlungen im Rahmen der UN.

Eine eindeutige Ablehnung kam auch von der EU. Kommissionspräsident José Manuel Barroso sagte: "Die USA haben als großer Schadstoffemittent natürlich eine besondere Verantwortung. (...) Es ist klar, dass wir eine ehrgeizigere Position der USA brauchen." Umweltkommissar Stavros Dimas sagte, die von Bush angekündigte Strategie bedeute keinen Kurswechsel, sondern sei nur eine Wiederholung der bekannten amerikanischen Positionen.


Unerwartet positiv begrüßte dagegen der Chef des UN-Klimasekretariats, Yvo de Boer, die amerikanische Initiative. "Ich glaube, dass die US-Regierung neue Energie in die Debatte hineinbringt, und es ist gut, dass die USA führen möchten", sagte de Boer. Der Plan scheine ehrgeiziger zu sein als das, was die Vereinten Nationen vorschlagen. Denn er sehe konkrete Ergebnisse innerhalb von nur eineinhalb Jahren vor. "Das ist ehrgeiziger, als ich mir in meinen kühnsten Träumen vorgestellt habe."

De Boer betonte auch, Vertreter des Weißen Hauses hätten ihm gesagt, dass der US-Plan Teil der Bemühungen unter den Vereinten Nationen sein werde und «dass keine parallelen Verhandlungen begonnen werden sollen».

Der britische Premierminister Tony Blair nannte Bushs Äußerungen einen «riesigen Schritt nach vorn». Er rief dazu auf, bei einem Klimagipfel noch in diesem Jahr Anstrengungen für eine neue internationale Übereinkunft zu unternehmen. Wichtig sei, dass die USA wie auch China und Indien eingebunden werden müssten. Alle drei Länder lehnen das Kyoto-Protokoll zur Minderung der globalen Treibhausgase ab. Australien begrüßte ebenfalls Bushs Rede.

Umweltschützer werteten die Ankündigung des amerikanischen Präsidenten hingegen als "Mogelpackung". Bush versuche, "die Aufmerksamkeit davon abzulenken, dass er sich beim G8-Gipfel weigern wird, die deutschen Vorschläge zur Begrenzung der Treibhausgase zu akzeptieren", sagte der Präsident des US-Umweltverbands National Environment Trust, Philipp Clapp. Ähnlich äußerten sich Umweltschützer in Europa.

Nach den Vorstellungen Bushs müssen nach dem Auslaufen des Kyoto-Abkommens 2012 weltweit neue, langfristige Ziele zur Reduzierung der Treibhausgase vereinbart werden. Dazu würden die USA eine Serie von Treffen mit den größten Verursachern von Treibhausgasen einberufen. Zu ihnen zählten auch wirtschaftlich schnell wachsende Länder wie China, Indien und Brasilien, die trotz ihres schnell wachsenden CO2-Ausstoßes wie die USA dem Kyoto-Abkommen nicht beigetreten sind.

Neben den weltweiten langfristigen Zielen solle jedes einzelne beteiligte Land mittelfristige Ziele für sich selbst festschreiben, die die jeweiligen Energiequellen und Energiebedarf berücksichtigten. Konkrete Zielmarken nannte Bush aber nicht. Sein Umweltberater, Jim Connaughton, machte deutlich, dass die jetzige Regierung eine "Fixierung an festen Zielgrößen, die für alle gelten sollen", nach wie vor ablehnt. Genau solche festen Ziele aber streben Merkel und die meisten europäischen Staaten an.

China kündigte an, seine künftige Klimastrategie am Montag bekannt geben zu wollen. Der Aktionsplan werde verbindlich feststellen, dass der Energieverbrauch langsamer wachsen soll als die derzeit boomende Wirtschaft, sagte ein Verantwortlicher für die chinesische Klimastrategie in Peking. Die Schadtstoff-Emissionen sollten bis 2010 um zwei Prozent jährlich sinken. «Das ist ein ziemlich hoch gestecktes Ziel, aber wir haben die Kapazität, es zu schaffen», sagte der Beamte. Allerdings sollten die Industrienationen eine Führungsrolle im Kampf gegen den Klimawandel übernehmen. China wird vermutlich noch in diesem Jahr die USA als größtes Luftverschmutzer-Land ablösen.

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Leser-Kommentare
    • naimed
    • 31.05.2007 um 21:03 Uhr

    Den u.s.amerikanischen Vorschlag halte ich für einen nicht besonders durchdachten, fadenscheinigen Vorwand, die Kooperation in Sachen Klimaschutz wieder einmal zu verweigern.

    Positiv kann höchstens die Zusammenarbeit bei der Entwicklung alernativer Energiequellen gewertet werden.
    Hierbei wäre natürlich interessant, wie viel u.s.amerikanische Wissenschaftler in diesem Gebiet zu einer internationalen Zusammenarbeit beitragen könnten.

    Ein globales Ziel zur Veringerung der Emissionen zu vereinbaren ist zwar sehr schön, der Haken aber liegt bei der Verteilung dieses internationalen Zieles auf die einzelnen Nationen.
    Wann und an welchem Maßstab soll bitte der Bedarf festgestellt werden, und werden hier nicht die Nationen übervorteilt die sich ohnehin schon überdurchschnittlich im Klimaschutz engagieren.
    Sollte nicht die jeweilige Energieeffizienz der Maßstab und dass Ziel jeglicher Massnahmen sein.
    Wenn ich Herrn Bush recht verstehe bedeutet eine bedarfsgerechte Verteilung natürlich dass die USA und jene Nationen, die einen überdurchschnittlichen Energiebedarf haben, auch eine diesem Bedarf angemessene Menge Dreck in die Atmosphäre schleudern dürfen.

    Der "Versuch im Klimaschutz aus der Defensive zu kommen", wird scheitern und den Vorwand für eine mangelnde Kooperation seitens der amerikanischen Regierung stellen. Einer der Hauptverursacher des von Menschen beinflussten Teils des Klimawandels spielt wieder nur auf Zeit. Ein, aufgrund der klimatischen Bedingungen in den USA, gefährliches Spiel.

  1. Mit seinem neuen Konfrontationskurs beweist G.W.Bush einmal mehr, dass die während seiner Präsidentschaft aufgekommene Formel: "Wer nicht für uns ist, ist gegen uns" lebendiger denn je ist und dass das Erbe der Neocons mit Klauen und Zähnen verteidigt werden soll.

    Unter diesen Umständen ist seine Teilnahme am G-8-Gipfel sinnlos.

    Deutschland täte gut daran, Bush die Einreise zu verweigern, denn warum sollte der US-Präsident jetzt noch eine bessere Behandlung verdient haben als Kurt Waldheim oder Paul Wolfowitz.

  2. dass die Amerikaner alles dem Kommerz opfern, selbst wenn im Westen der USA, vor allem in Kalifornien, bereits jetzt schon riesige Waldflaechen in Flammen stehen und man diese Jahr von der Zerstoerung von Tausenden von Hektar ausgehen muss. Spielt keine Rolle.

    • exi2
    • 01.06.2007 um 0:15 Uhr

    erfahrungsgemäß macht Bush zu UN-Lösungen eine Alternative um die UN-Lösung zu verhindern. Anschließend verschleppt er seine 'Lösung' solange bis sie im Sande verläuft.
    Dabei macht er es sich wieder extrem einfach. Er verkündet eine Absichtserklärung ohne Inhalt. Wie sollte er denn anderes machen? Inhalte waren nie seine Stärke. Bei Inhalten hat er stets versagt.
    Anstatt dem Herrn noch ein Forum für seinen Wahn zu bieten, sollte man ihn höflich auffordern gefälligst an einer Brezel zu ersticken.

    • Anonym
    • 01.06.2007 um 1:29 Uhr

    Hat hier eigentlich keiner gemerkt, dass der Artikel überhaupt nicht präzise genug widergibt, wie der Lösungsvorschlag von Bush lautet? Ich halte ihn deswegen sowieso für wertlos.

    Also, wie kann man etwas beurteilen, dass man nicht mal kennt?

    So gesehen, kann man die Kommentare als Meinungen über Bush und nicht als Meinung über seinen Lösungsvorschlag sehen.

    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    Das verwundert nicht weiter, weils nämlich gar keinen Lösungsvorschlag gibt, da reden wir erst 2008 drüber...ach ja, doch! Ausbau der Kernenergie! Genialer Plan, vor allem, weil dann eine internationale Krise mit einem Schlag vom Tisch wäre, immerhin bringt der Iran nur seinen Beitrag zum Klimaschutz...

    Das verwundert nicht weiter, weils nämlich gar keinen Lösungsvorschlag gibt, da reden wir erst 2008 drüber...ach ja, doch! Ausbau der Kernenergie! Genialer Plan, vor allem, weil dann eine internationale Krise mit einem Schlag vom Tisch wäre, immerhin bringt der Iran nur seinen Beitrag zum Klimaschutz...

  3. Liebe Redaktion,
    Ich beschäftige mich beruflich mit dem Klimaschutzabkommen und muß mich immer wieder über schlecht recherchierte Artikel von verschiedenen Zeitungen ärgern. Das selbst der "Zeit" diese Fehler unterkommen ist schade. Es geht um folgendes: Indien und China haben das Kyoto Protokoll unterzeichnet! Allein, sie haben keine verbindlichen Reduktionsziele mit dem Argument, da sie sich noch in der wirtschaftlichen Entwicklung befinden. Als einzige wichtige Staaten, die sich gegen das Kyoto Protokoll wehren sind vor allem die USA und Australien zu nennen. Ich denke, diesen Punkt zu sehen ist sehr wichtig um aufzuzeigen wie isoliert und heuchlerisch der amerikanische Vorschlag ist.

    • Akakor
    • 01.06.2007 um 9:40 Uhr

    Vorweg, ich halte gar nichts von Herrn Bush, besitze aber auch soviel Realitätssinn, dass es mit einem anderen an der Spitze dort nicht anders wäre. Warum? An die Spitze kommt nur wer die gleichen Verbindungen hat, die gleichen Wahlkampfgelder einsammelt, die Medien auf seiner Seite hat. Dabei ist es völlig egal ob Republikaner oder Demokrat, sie werden von den gleichen Leuten gesteuert, den Rest in der Scheindemokratie übernimmt der Wahlautomat.

    Zum "Klimaschutz": Was hier gespielt wird ist Hegel vom Feinsten. Das Ergebnis von guter These und böser Bush-Antithesis steht bereits fest, bis dahin lassen sich dann noch einige vom "Sinngehalt" des Klimaschutzes überzeugen, einfach weil Bush dagegen ist. Denn dann muss man ja dafür sein...

    Ein ernsthafter Vorschlag von dem Merkel wäre ja mal die Welt um den Verbrauch der US-Militärmaschine zu entlasten, da würde sogar ich das "Klima schützen". Alle F16s aus der Luft, die Flotten stillegen, die Panzer ebenso!

    Wer von den "Klimaschützern" hat sich eigentlich einmal ernsthaft von A-Z mit den Grundlagen der anthropogenen Treibhaustheorie beschäftigt, der er das Recht zubilligen will in Zukunft sein Leben unterzuordnen? Das Ganze ist schlicht ein Politikum mit viel PR und gleichgeschalteter Presse (außer evtl Cicero) und führt schlicht in eine Art Klimastalinismus.

    Viel Freude beim Vermehren der hoffentlich gewonnenen Einsichten!

  4. Das verwundert nicht weiter, weils nämlich gar keinen Lösungsvorschlag gibt, da reden wir erst 2008 drüber...ach ja, doch! Ausbau der Kernenergie! Genialer Plan, vor allem, weil dann eine internationale Krise mit einem Schlag vom Tisch wäre, immerhin bringt der Iran nur seinen Beitrag zum Klimaschutz...

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  • Quelle ZEIT online, dpa
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