Weltwirtschaftsgipfel Go Home, G8Seite 2/2
So trat das Drama des Duells in den Vordergrund, und wieder auf Kosten der Sache. Stellen wir uns vor, die Akteure stünden nicht auf der Bühne von Heiligendamm, mit Abermillionen von Zuschauern rings um die Welt. Stellen wir uns vor, es wäre nicht G8 unter der Regie Berlins. Dann wäre die Frage nicht gewesen Wer stiehlt wem die Show?, sondern: Wie machen wir uns, die großen Industrienationen, die Umkehr der Amerikaner zunutze?
Statt zu schmollen und zu grollen, hätte Frau Merkel diese wundersame Wandlung in ruhigeren Zeiten zum eigenen Erfolg stilisieren können: Seht her, wie es mir gelungen ist, Bush zu überzeugen. Und: Ich schlage vor, dass sich unsere Emissäre gleich auf der Arbeitsebene an einem verschwiegenen Ort zusammensetzen, um Nägel mit Köpfen zu machen. Stattdessen gerieten in der aufgeheizten Atmosphäre der Coup des Präsidenten und das Machtspiel der Mitspieler zur eigentlichen Aufführung. Statt auszuloten, ob Bush es ernst meint, übernahm das gekränkte Selbstgefühl das Regiment. Verständlich ist die Verärgerung der Kanzlerin sehr wohl, aber ob nun während der Sitzungen in Heiligendamm noch vernünftig um Wege und Ziele gerungen werden kann?
Natürlich hat Bush diesen Überraschungsschlag inszeniert, weil das magische G8-Datum dräute, und da war es ihm egal, dass er dergestalt das Regiekonzept der Kanzlerin zunichte machte. Aber malen wir uns aus, Heiligendamm wäre geblieben, was es ist: ein harmloses Luxushotel und kein Aufmarschgebiet für die Heere des medialen Zeitalters. Dann hätte der eine nicht seinen Coup aufziehen, die andere nicht vergrätzt sein müssen. Die Läuterung des George W. hätte sich in den probaten Kanälen der Diplomatie entfalten können wo sich Freunde einander informieren und konsultieren, statt sich an die Wand zu spielen.
Was zum dritten Grund führt, weshalb die G8 in dieser Form abgeschafft werden muss: Schon lange ist dieser Auftrieb für die Chefs eine unwiderstehliche Versuchung zum Posieren geworden, weil Regieren (oder wenigstens Konsultieren) in diesem Rahmen unmöglich ist. Seit vielen Jahren steht das Kommuniqué schon fest, bevor sich die Prinzipale überhaupt getroffen habe. Seit vielen Jahren werden in diesem Konklave nicht die Entscheidungen getroffen, für welche die G7, dann G8 geschaffen worden ist. Einst ging es um globale Konjunktursteuerung, dann weitete sich das Themenfeld aus: Globalisierung, Entwicklungshilfe, Klimapolitik.
Lauter richtige Ziele, aber vor allem sollte das Gebot der Vertraulichkeit die Regie führen, der ruhige Gedankenaustausch, die informelle Verständigung. Das ist vorbei und perdu. Der Tross ist immer größer geworden, die Journalistenschar geht in die Tausende. Die sorgfältig inszenierten photo opportunities verstellen die Sache selber und erst recht sorgt dafür der Kampf um globale Aufmerksamkeit zwischen Regierenden und Protestierenden. Der Zaun ist wichtiger geworden als die Gegenstand, der Protest wichtiger als das Projekt.
Doch die Thematik ist dringender denn je zuvor und deshalb ein Vorschlag an die Herren der Globalisierung: Mögen sie doch eine Triebkraft derselben nutzen, die Entortung der Kommunikation von Angesicht zu Angesicht durch das Glasfaserkabel. Der technische Begriff lautet: Teleconferencing. Es versammele sich in jeder Kanzlei der G8 der Regierungschef mit nicht mehr als zwei Beratern vor einem prächtigen LCD-Schirm. In dieser abgedunkelten Umgebung lässt es sich trefflich miteinander reden und ringen, verhandeln und verständigen. Es gibt nur eine Kamera und sie hat nur eine Funktion: die Bilder an die anderen Teilnehmer zu übermitteln. Die Ablenkung wird minimiert, die Sache maximiert. Machen wir aus dieser elektronischen G8 oder Gx (mit China und Indien) eine Gx-plus und lassen auch die Kritiker zu Wort kommen. So wird mehr Licht und weniger Hitze erzeugt. Denn Heiligendamm ist passé.
- Datum 05.06.2007 - 13:54 Uhr
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Ich halte die Meinung des Autors hinsichtlich Frau Merkels Reaktion für falsch.
Bundeskanzlerin Merkel hat Präsident Bush´s Initiative positiv aufgenommen. Sie weigert sich allerdings aus guten Gründen sich auf den Sonderweg von Bush einzulassen, da sie keine Einzelabsprachen und Abkommen anstrebt, sondern international verbindliche Zusagen im Rahmen der Vereinten Nationen. Ihr Verhandlungsziel in Sachen Klimaschutz basiert auf wissenschaftlichen Daten und nicht wie bei Bush auf nationalen Interessen. Es hat also nichts mit verletzter Eitelkeit zu tun, wenn Frau Merkel auf ihren Vorstellungen beharrt, sondern auf ihrem Sinn für die historische Verantwortung, der sie gerecht zu werden hat.
Den anderen Gründen, das Gipfeltreffen in der bestehenden Form abzuschaffen kann ich vollkommen zustimmen. Eine ernsthafte Internetkonferenz ohne Öffentlichkeit dient den Verhandlungsthemen mehr.
[entfernt, Beiträge dieser Art sind für eine Diskussion weder förderlich noch erwünscht/ Redaktion]
Wo ist denn da der U-Turn?. Bush hat sechs Jahre alles blockiert und jetzt unmissverständlich klar gemacht, dass bis zum Ende seiner Amtszeit daran nichts ändert.
Es ist einfach nur noch zum Heulen, wie schnell in diesem Artikel völlig falsche Schlüsse gezogen werden, nur weil die Medien nicht zwischen schwarzen Blöcken und berechtigtem Protest unterscheiden wollen.
Wieder einmal scheint auch das Kanzlerinnenbashing eine allzu verführerische Option zu sein, denn die Kanzlerin darf natürlich nicht so einfach auf ihren Vorschlägen beharren, wenn doch ein US-Präsident erstmals ein bisschen Klimaschutz anstrebt, dies allerdings erst kurz vor seinem Amtsende im November 2008.
Gipfeltreffen von Staatsleuten, die durch good Government die Gier der Grosskonzerne nach einer Monopolstellung in die Schranken verweisen könnten, sind immer noch notwendig. Nur wendige US-Präsidenten, die die Welt mit ihren inszenierten Agenden in Grund und Boden regieren, die brauchen wir wirklich nicht.
Joffe: "Statt auszuloten, ob Bush es ernst meint, übernahm das gekränkte Selbstgefühl das Regiment."
Ich möchte mal an diesen Satz anknüpfen. Er zeigt, wie schief journalistische Arbeit heute ist: Kränkung ist ein Begriff der Psychologie. Meine Partnerin oder Partner mag hier und da gekränkt sein.
Aber, Herr Joffe, die Politiker mögen zwar auch privat mal Kränkungen erfahren und emotional reagieren, was hinterher nicht rational sein mag, aber in erster Linie sind die Weltpolitiker doch Profis. Ob Bush wasauchimmer ernst meint oder nicht, ist irrelevant! Es gilt, seine Vorschläge als ernste Vorschläge anzunehmen und sie in den Gesamtrahmen des G8 einzubetten. Dann wird man erst sehen, wohin die Reise gehen wird.
Merkel macht einen ganz genialen taktischen Schritt. Den zu verstehen aber ist schwierig. Denn es geht darum, die verschiedenen Positionen zusammenzubringen. Und das nennt man integrieren. Integration des Menschen in die Natur, könnte man auch sagen. Denn wahr ist, dass der Mensch desintegriert von der Natur ist.
Merkel versucht nun, die Bush-Position einzubinden in die der europäischen Position. Sie macht keinen neuen Gegensatz auf. Und genau das ist interessant und im Grunde auch neu im politischen Geschehen. Nicht mit Gegensätzen und Antipositionen zu re(a)gieren, sondern integrativ zu denken und - hoffentlich - auch zu agieren, das ist typisch für Merkels Arbeit - so scheint mir das jedenfalls zu sein.
Es macht wenig Sinn, zu fragen, ob diese oder jene Position die richtige sei. Es macht viel mehr Sinn, die verschiedenen Positionen miteinander in Einklang zu bringen und eine globale Integration des Menschen in die Natur zu erreichen. D.h., alle G8-Vorschläge zu einem Paket zu schnüren. Zu fragen wer hat was und besser vorgeschlagen, bringt gar nichts!
Ziel musss sein, die Armut und die Umweltzerstörung zu bekämpfen! - weit entfernt ist die aktuelle Welt-Politik hiervon noch. Doch mir scheint, als habe Merkel hier doch irgendeinen Instinkt, diese Integrations-Strategie anzuwenden.
Wer nun also wieder Gegensätze und Psychologismen aufzumachen versucht, missversteht im Grunde alles!
Das Gipfeltreffen der Staats- und Regierungschefs der G8 in seiner aktuellen Form abzuschaffen, aufgrund der Tatsache, dass derartige "Mega-Events" eine magische Anziehungskraft ausübten, ist mir ehrlich gesagt keine ausreichende Begründung.
Wieso das? Es ist keine besonders gute Begründung zur Abschaffung der G8, da sie, den Gedanken einmal weitergedacht, die Grundlage jeder internationalen Institution entzieht. Welche "Veranstaltung", wenn nicht die Hauptversammlung der Vereinten Nationen (VN), sollte denn ein "Mega-Event" sein? Welche Existenzgrundlage hätte die Europäische Union (EU), wenn man sie, zumindest einiger, ihrer tragenden Säulen berauben müsste? Schliesslich kommen im Europäischen Rat (ER) 27 Staats- und Regierungschefs zusammen; bei dem Treffen der G8 sind es lediglich acht.
Der Politik, und damit ihren Darstellern, noch dazu die Bühne der Selbstdarstellung nehmen zu wollen, grenzt an realitätsferne. Die Politik im allgemeinen und ihre Poltiker im besonderen leben davon, die Aufmerksamkeit der Öffentlichkeit auf die eigene Person und Thesen zu lenken. Davon profitieren nicht zuletzt auch die Medien. Doch da stellt sich mir die Frage: Wer trägt dafür die Verantwortung - oder: wer war zuerst da? Die Politik, die Medienwelt, die Öffentlichlichkeit...
Aber gehen wir einmal davon aus, die G8 gäbe es irgendwann einmal nicht mehr. Wären dann alle Probleme gelöst? Von wem eigentlich? Sollte man überhaupt verbieten, dass sich Staaten untereinander multilateral oder gar bilateral austauschen (VN, EU, ER, ...)? Was wäre mit dem so genannten "Schwarzen Block"? Müsste sich die militante und gewaltbereite links-autonome Szene nicht einen anderen Feind suchen? Welcher wäre das?
...
Ich bin wirklich kein Freund des G8, jedoch vermisse ich nachvollziehbare und stichhaltige Argumente in diesem Artikel.
PS: Auf den Punkt "Teleconferencing" werde ich vor allem aus dem Grund nicht weiter eingehen, da ich nicht glauben kann, dass dies ernst gemein war.
M.T.
Herr Joffe differenziert dreierlei:
1. "(P)roduziert wird die falsche Aufmerksamkeit"
2. "Theater (verdrängt) die Thematik"
3. Die "Versuchung zum Posieren"
Ich sehe darin nicht drei Gründe, sondern nur einen einzigen Grund. Allenfalls äussert sich dieser in unterschiedlichen Aspekten. Wie man es auch nennen will: Unterhaltung, Show, Spektakel, Theater oder Zirkus - es handelt sich dabei schlicht um die typischen Konzepte massenmedialer Erfolgskommunikation im medialen und globalen Kampf um Aufmerksamkeit.
[entfernt, Beiträge dieser Art sind für eine Diskussion weder förderlich noch erwünscht/ Redaktion]
Es scheint mir eher, dass in unserer "Demokratie" nicht erwünscht ist, dass das Volk erfährt was läuft.
Diese Zensur durch Herrn Joffe, sollte jedem Leser zu denken geben, was der Meinungsmacher von offener Diskussion, Information und Freiheit hält.
[Wenn Beiträge deutliche Züge von Beleidigungen tragen, haben sie in einer sinnvollen, sachlichen Diskussion keinen Raum. Das hat mit "Zensur" nichts zu tun/ Redaktion]
Erstens erhielt mein Kommentar keine Beleidigung und zweitens haben sie das selbst in Ihrer Zensur zugegeben.
Falls Herr Joffe beleidigt ist, wenn er Bilderberger und Zionist genannt wird, dann sollte er entsprechenden Organisationen nicht angehören.
Die frei deutsche Presse...;-)
Wird es wenigstens gut bezahlt?
Erstens erhielt mein Kommentar keine Beleidigung und zweitens haben sie das selbst in Ihrer Zensur zugegeben.
Falls Herr Joffe beleidigt ist, wenn er Bilderberger und Zionist genannt wird, dann sollte er entsprechenden Organisationen nicht angehören.
Die frei deutsche Presse...;-)
Wird es wenigstens gut bezahlt?
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