Korrekt sparen Die Macht der Aktionäre
Ökologisch oder sozial orientierte große Anleger versuchen immer stärker, das Geschäftsgebaren von Unternehmen direkt zu beeinflussen.
Langfristig orientierte institutionelle Investoren, die ihr Kapital ökologisch, ethisch oder sozial verantwortlich anlegen wollen, verlassen sich nicht mehr nur auf Negativ-Screenings ( wie zum Beispiel jene der Bank Dexia ) und Best-in-Class-Analysen (wie der Schweizer Vermögensverwalter SAM oder der Ratingagentur Oekom ).
Sie setzen Themen bei Hauptversammlungen oder sprechen Unternehmen direkt an, um sie zu nachhaltigerem Wirtschaften zu bewegen - ob allein oder mit Verbündeten. So warnte der kalifornische Pensionsfonds Calpers im Jahr 2005 die Autobauer General Motors und Ford: Falls sie die Höhe ihrer Treibhausemissionen nicht veröffentlichten und keine Klimastrategien entwickelten, würde man ihnen Kapitalanteile entziehen. Ford reagierte prompt und gab die geforderten Daten bekannt. General Motors (GM) sah sich dazu nicht in der Lage. Verkauft hat Calpers die GM-Anteile bislang allerdings noch nicht. Man erhöhe den Druck, hieß es lediglich aus Kalifornien.
"Engagement" oder "Active Ownership" wird solcherlei Einmischung auch genannt. In Deutschland ist sie noch Neuland, wenn auch nicht mehr ganz unbekannt. Der Londoner Vermögensverwalter F&C Asset Management bietet deutschen Anlegern beispielsweise an, in ihrem Auftrag den Kontakt zu Unternehmen zu suchen, um ihre Geschäfte zu verändern.

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Vergangenen Dezember erhielt F&C das erste deutsche Mandat, erteilt von der Berliner Ärzteversorgung, dem Versorgungswerk der Berliner Ärztekammer. "Nachhaltige Kriterien gehören zu unserer Vermögensverwaltung", sagt Günter Jonitz, Präsident der Ärztekammer Berlin und Vorsitzender des Aufsichtsausschusses der Berliner Ärzteversorgung.
Das funktioniert dann so: Das Kapital der Ärzteversorgung verwalten die gleichen Banken wie zuvor. F&C überprüft ständig, ob die Unternehmensanteile, die ihre Auftraggeber im Depot haben, ethischen, sozialen und ökologischen Kriterien genügen. Tun sie das nicht, sucht die Gesellschaft den Dialog mit den Firmen und mischt sich auf Hauptversammlungen ein. Einfluss auf die Zusammensetzung des Portfolios haben die Ergebnisse ihrer Prüfung jedoch nicht - Aktien von unverantwortlich handelnden Unternehmen werden also nicht verkauft. Vielmehr versucht F&C, die Interessen von vielen Großanlegern zu bündeln und dadurch einen besonders starken Einfluss auf die Geschäfte der überprüften Unternehmen zu gewinnen. Das Ganze heißt dann, in schönstem Finanz-Englisch, "Responsible Engagement Overlay" (reo). "Wir betreuen mit dem reo-Ansatz ein Volumen von 96 Mrd. Euro in Europa", sagt Claus Heidrich, Leiter der Frankfurter Niederlassung.
Mit 150 bis 200 Unternehmen steht F&C in ständigem intensivem Austausch. Etwa 800 weitere Firmen werden mehrmals jährlich kontaktiert. Ein paar Beispiele: Der Computerkonzern IBM übernahm im Jahr 2004 Verhaltensrichtlinien, welche die Arbeitsbedingungen und die Umweltpolitik von Zulieferern regeln, auf Vorschlag von F&C. Den Stromerzeuger RWE wiesen die Analysten im Jahr 2003 auf aus ihrer Sicht bedenkliche Verquickungen mit der Politik hin - lange bevor bekannt wurde, dass Politiker auf RWE-Gehaltslisten standen. Stellen sich Konzerne taub gegenüber den Wünschen der Anleger, geht F&C an die Öffentlichkeit, schreibt beispielsweise offene Briefe an den Vorstandschef, wie beim Einzelhändler Wal-Mart geschehen .
Daneben nutzt die Gesellschaft die Stimmrechte ihrer Klienten, um Unternehmen zur Umsetzung internationaler Standards zu drängen. Bei 4125 Hauptversammlungen in 50 Ländern hat sich F&C vergangenes Jahr eingemischt, hunderte von schriftlichen Anträgen eingebracht und gegen so manche Resolution gestimmt. Alle Aktivitäten - ob im Research oder auf Hauptversammlungen - werden detailliert und regelmäßig veröffentlicht.
Ärztevertreter Jonitz ist überzeugt von dieser Arbeit. Eigentum verpflichtet, findet er. Jahrelang fand er aber keine Möglichkeit, das Vermögen der Ärzteversorgung nachhaltig anzulegen. Fonds, die ihr Kapital nur in ethisch, ökologisch oder sozial besonders gute Unternehmen investieren, kamen für ihn aber nicht infrage. Er wollte "den Anlagehorizont nicht zu stark einschränken", erklärt er.
Durch die Einmischungspolitik von F&C kann er nun Einfluss nehmen, wenn auch indirekt. Jonitz ist ein Verfechter solch pädagogischer Ansätze. Er glaubt, dass dadurch Veränderung angestoßen wird. "Nicht die Gesunden bedürfen des Arztes, sondern die Kranken", kommentiert der Arzt. Entscheidend sei, Nachhaltigkeit ernst zu nehmen und sich nicht im Alleingang zu engagieren. "Damit verspreche ich mir auch eine bessere Geldanlage."
Seinen Einsatz für nachhaltige Geldanlagen will Jonitz in Zukunft noch verstärken. "Wenn bei meinem 15-jährigen Sohn der Eindruck bleibt, dass sein Vater sich für Nachhaltigkeit eingesetzt hat, bin ich zufrieden."
- Datum 05.06.2009 - 14:41 Uhr
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