Korrekt sparen Heuschrecken-Methoden für die gute SacheSeite 2/2

Litvack musste kämpfen, um dorthin zu gelangen, wo sie heute steht. "Es dauerte lange, bis ich das Ziel meines Lebens fand: mit 35 Jahren, im SRI-Team von F&C", sagt sie. Vor neun Jahren war das. Heute ist sie 44 Jahre alt und zufrieden mit dem, was sie erreichte.

Das war nicht immer so. Oft hatte sie ihr Berufsleben unterbrechen müssen, legte lange Pausen ein und wechselte von einer Stelle auf die nächste. Der Grund waren ihre drei Töchter, die inzwischen fast alle erwachsen sind. "In den USA war es unmöglich, halbtags zu arbeiten", berichtet Litvack von der Zeit, während der sie als junge Berufseinsteigerin bei einer Investmentbank Fuß fassen wollte. Nach der Geburt ihrer ersten Tochter, vor 20 Jahren, versuchte sie so lange wie möglich im stressigen Analystenjob durchzuhalten. Aber es funktionierte nicht. Als das Baby fünf Monate alt war, strich sie frustriert die Segel und widmete sich fortan ihrer Aufgabe als Mutter. "Es war wirklich schwer für mich aufzuhören, aber ich mache keine Kompromisse, wenn es um Qualität geht."

Sie hofft, ihre Töchter mögen nie in eine solche Konfliktlage geraten. Über unflexible Arbeitgeber ärgert sich die Ökonomin und Politikwissenschaftlerin noch immer: "Gut ausgebildeten Frauen keine Teilzeitarbeit zu ermöglichen ist nicht nur unsozial, sondern auch Verschwendung, zumal sie hoch motiviert arbeiten."

Mit gesellschaftlichen und auch mit ökologischen Fragen hat sie sich schon immer beschäftigt. Karina Litvacks Vater war Rechtsanwalt in Kanada und dort an Verhandlungen über die Rechte der indigenen Völker beteiligt, als das Land der Inuit im Norden Quebecs wegen eines Staudammprojekts geflutet werden sollte. "Er glaubte, dass jeder seine Werte leben kann." Nach dem Tod des Vaters setzte die Mutter, ebenfalls Anwältin, seine Menschenrechts-Arbeit fort. Litvack selbst ging als junge Frau im Auftrag einer Menschenrechtsorganisation nach Afrika, um dort mit Aidskranken zu arbeiten, und sie engagierte sich gegen Korruption.

Jahre später, sie lebte längst in New York, geriet sie doch in Konflikt mit ihren Werten. Sie arbeitete für einen kleinen New Yorker Immobilienentwickler und sollte die laufenden Projekte überprüfen. Ihr Auftrag: In Verhandlung mit den Kredit gebenden Banken möglichst günstige Konditionen herauszuschlagen. Litvack stellte fest, dass dafür falsche Zahlen genutzt wurden. Sie protestierte, doch es nützte nichts. Ihr Chef bestand darauf, dass sie mit den manipulierten Daten arbeiten sollte. Litvack gehorchte - und beging so Finanzbetrug. Als sie einige Tage später ihrem Vorgesetzten mitteilte, sie werde so etwas nie wieder tun, besiegelte sie damit ihre Entlassung. Heute ist sie glücklich, für ihre sozialen und ökologischen Ideale zu arbeiten und sogar ein erfolgreiches Geschäftsfeld daraus gemacht zu haben. Mit rund 1000 Unternehmen im Jahr tauscht sich F&C intensiv aus. "Ich hätte nie gedacht, das zu erreichen."

So manchem Kritiker gilt ihre Arbeit jedoch nicht als nachhaltig im eigentlichen Sinne. Engagement verpuffe oft wirkungslos, wird bemängelt. Viel besser sei es, Geld in Investmentfonds mit Ausschlusskriterien ( hier ein Beispiel ) oder Best-in-Class-Auswahl (wie zum Beispiel diese oder diese ) zu stecken. Karina Litvack und Günter Jonitz, als Präsident der Berliner Ärztekammer ein Kunde von F&C, finden das nicht. "Die Fonds sind die heile Welt der Nachhaltigkeit", sagt Jonitz. "Es geht aber darum, die garstige Welt, die Wirtschaft insgesamt, auf den Weg Richtung nachhaltiges Wirtschaften zu bringen."

Auch Litvack widerspricht der Kritik heftig. "Der Mainstream der Investoren ist in Bewegung gekommen, und die Unternehmen begreifen, dass sie Soziales und Umwelt nicht vernachlässigen dürfen, um wettbewerbsfähige Renditen zu erwirtschaften." Als Beispiel führt sie die Handelskette Marks & Spencer an. Deren Vorstandschef kündigte unlängst an, in den kommenden fünf Jahren 200 Millionen Pfund in den Umweltschutz zu investieren. Sein Unternehmen wolle die grünste Handelsgesellschaft von allen werden. Litvack: "Das ist doch wunderbar."

 
Leser-Kommentare
  1. guter artikel. leider ein kleines malheur passiert:

    "Zum Beispiel wenn es die Gesetze verbieten, Aktienportfolios nicht nach Sündern zu durchsuchen , um diese dann auszuschließen."
    = dann wäre es ja kraft gesetzes erlaubt bzw. geradezu verpflichtend

    gruß
    langebner

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