Inmitten der Debatte um einen amerikanischen Raketenschild in Osteuropa reiste US-Präsident Bush am Montag zu einem Besuch nach Tschechien, wo die Radaranlagen installiert werden sollen. Bush will in dem Land für das Raketenabwehrsystem werben, das die USA und Europa vor Angriffen aus feindlichen Staaten wie Iran schützen soll.

Die Mehrheit der Tschechen, insbesondere dort, wo die Anlagen aufgestellt werden sollen, sind gegen die Stationierung. Ministerpräsident Mirek Topolanek, mit dem Bush am Dienstag sprechen wird, ist dafür. Allerdings muss seine Mitte-Rechts-Regierung das Vorhaben noch durchs Parlament bringen. Das dürfte angesichts der Pattsituation zwischen dem rechten und linken Lager schwierig werden. Ein landesweites Referendum über die Stationierung lehnt Topolanek ab.

Russlands Präsident Wladimir Putin warnte unterdessen erneut vor dem System und drohte mit "Vergeltungsschritten". Das System verändere "die gesamte Konstellation der internationalen Sicherheit", sagte Putin. Die strategische Balance in der Welt werde umgeworfen. Weder Iran noch Nordkorea verfügten über die Raketen, vor denen das System schützen solle.

Russland wertet die Raketenabwehr als gegen sich gerichtet. "Man sagt uns, dass das Raketenabwehrsystem auf etwas zielt, das gar nicht existiert. Erscheint Ihnen das nicht komisch, gelinde gesagt?", sagte der russische Präsident vor ausländischen Journalisten in Moskau. Er hoffe, dass die US-Regierung ihre Pläne noch ändern werde.

Bush betonte am Wochenende in mehreren Interviews, dass die USA trotz der Meinungsunterschiede über das geplante US-Abwehrraketensystem einen Konflikt mit Russland vermeiden wollten. "Der Kalte Krieg ist vorbei. Ich sehe Russland nicht als einen Feind und ich habe ein gutes Verhältnis zu Putin", sagte Bush dem bulgarischen Fernsehen. "Wir versuchen nicht, Russland zu isolieren." Die USA hätten nichts zu verbergen und Moskau sei eingeladen, an der Raketenabwehr für Europa mitzuarbeiten. Beim G8-Gipfel wird Bush am Donnerstagnachmittag zu einem knapp einstündigen Gespräch mit Putin zusammenkommen.