Hort Seehofer hat einen Fehler gemacht, für den er nun bezahlt. Sein Fehler war nicht, ein Privatleben zu haben. Sein Fehler war, zum falschen Zeitpunkt verwundbar zu sein.

Der Politiker Horst Seehofer ist Bundeslandwirtschaftsminister und Vizechef der CSU. Er gilt an der Basis als beliebt, in der Union aber als umstritten, da er gerne Haltungen äußert, die auch zum Gegner SPD passen würden. Das heißt nicht, dass er nicht anerkannt wäre, sondern nur, dass er auch Feinde hat. Seehofer möchte Nachfolger von Edmund Stoiber als Parteichef werden und hat seine Kandidatur für den CSU-Parteitag am 30. September angekündigt.

Der Mensch Horst Seehofer ist verheiratet, hat drei Kinder und eine Freundin, die von ihm schwanger ist.

Das eine hat mit dem anderen nichts zu tun. Das zumindest ist die naive demokratische Hoffnung. In der Realität aber ist die Information über die private Affäre Seehofers wie das Wissen um das Lindenblatt Siegfrieds: lebensgefährlich. Es findet sich immer ein Hagen, der bereit ist zuzustoßen.

In diesem Fall ist diejenige, der versucht, aus diesem Wissen Kapital zu schlagen, die Bild -Zeitung. Sie machte die Beziehung bekannt, kurz nachdem Seehofer seine Kandidatur verkündet hatte. Und sie legt auch jetzt wieder nach.

Natürlich kann man vom Menschen Horst Seehofer verlangen, sich für Familie oder Freundin zu entscheiden. Doch stehen solche Forderungen nur denen zu, die Familie oder Freundin verbunden sind und Einzelheiten kennen. Nicht aber den Medien. Und über den Politiker Seehofer deshalb anzudeuten, er sei ungeeignet, für ein Parteiamt zu kandidieren, ist absurd. Nicht jedoch für Bild . Dort stand in einem Kommentar: "Wer sein Privatleben groß plakatiert, wer es politisch einsetzt, muss sich daran messen lassen. Und genau das tun wir." Seehofer nannte es eher eine Kampagne.