Seehofer, der mit dem bayerischen Wirtschaftsminister Erwin Huber um die Nachfolge von Parteichef Edmund Stoiber konkurriert, steht wegen der Affäre mit einer Frau, die ein Kind von ihm erwartet, seit Monaten unter Druck. In der neuen Ausgabe des Stern wird er nun mit der Aussage zitiert: «Ich bin gut informiert. Ich weiß viel. Ich habe viel Material». Der Autor der Berichts beschreibt zudem eine Szene, in der Seehofer in seinem Ministerbüro zum Schreibtisch geht und den Brief einer enttäuschten Ex-Geliebten eines führendes Parteifreundes hervorholt.

Der Bericht löste in der CSU großen Ärger und Entsetzen aus. Dort wurde Seehofers Bemerkung als Enthüllungsdrohung aufgefasst. Seehofer beteuerte allerdings postwendend, er wolle das Material nicht verwenden. «Das ist nicht meine Linie», sagte der Bundesagrarminister in Brüssel.

Bayerns Junge-Union-Chef Manfred Weber warnte vor Schaden für die CSU. «Ich appelliere an alle, auf die politische Kultur und das Gesamtansehen der Partei zu achten», sagte das CSU-Präsidiumsmitglied. «Wenn das jetzt so weiter geht, wird es am Ende nur Verlierer geben.»

Seehofer sagte zu dem Bericht: «Es ist natürlich, dass nach den Vorgängen der vergangenen Monate mir eine Menge Informationen über alles Mögliche in dieser Welt zugespielt worden sind.» Er habe das «immer als widerlich eingestuft» und nie verwertet - «und habe das auch in der Zukunft nicht vor», betonte er. «Obwohl pausenlos über mich gerade in den letzten Tagen Spekulationen und Bewertungen in die Welt gesetzt worden sind, würde ich das umgekehrt nie machen, das wollte ich damit zum Ausdruck bringen», sagte Seehofer. «Ich werde den notwendigen Wettbewerb in einer Partei so wie bisher mit demokratischen Mitteln führen.»

In der CSU-Spitze und der Münchner Landtagsfraktion reagierten viele überrascht und teils entsetzt. Der Vorsitzende des Bildungsausschusses im Landtag, Ludwig Spaenle, sagte, die CSU werde Drohungen nicht dulden. Falls die Meldungen stimmten, habe Seehofer «jeden moralischen Anspruch auf den Parteivorsitz verspielt». Ein CSU-Vorstandsmitglied sagte, die Berichte könnten Seehofer nur schaden. Möglicherweise sei die Wirkung von Seehofer nicht beabsichtigt gewesen. «Das ist nur negativ für ihn.»

Der innenpolitische Sprecher der CDU/CSU-Bundestagsfraktion, Hans-Peter Uhl, hält die verdeckten Auseinandersetzungen zwischen den Anwärtern auf die Stoiber-Nachfolge für eine zwangsläufige Folge des langen Machtvakuums. «Das alles ist höchst unerfreulich und beweist die unvernünftig lange Frist zwischen dem Rücktritt (Stoibers) und der Wahl der Nachfolger», sagte Uhl. «Wer weiß, was wem noch alles einfällt, um seine Position zu verbessern.»

CSU-Parteikollegen hatten in den vergangenen Wochen von Seehofer immer wieder verlangt, seine private Situation zu klären. Erst kürzlich hatte sich der 57-Jährige demonstrativ mit seiner Ehefrau Karin (48) gezeigt.  «Ich bitte um Respekt für meine Privatsphäre», sagte Seehofer. Spätestens bis zum CSU-Parteitag Ende September könnten die Delegierten «sicher sein, dass sie wissen, wie diese Situation steht». Das bedeute aber nicht, dass er sich bis zum Parteitag Zeit lasse.

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