Haben Sie schon einmal darüber nachgedacht, online an Verstorbene zu erinnern? Mit Texten, gesammelten Bildern, Filmen und einem Zugang, den Sie auf Wunsch auf bestimmte Personengruppen beschränken können?

Respectance.com will solche „virtuellen Grabsteine“ anbieten. Der Gründer hält es für ein großartiges Geschäftsmodell. Mit der Zahl der auch im Netz lebenden Menschen steigt auch die Anzahl dort wahrgenommener Todesfälle. Da die Internetpopulation jünger als die normale Bevölkerung ist, kommt dies noch selten vor. Sterben im Netz ist nicht vorgesehen – nicht in Weblogs und auch nicht in Social Networks wie MySpace oder Facebook. Doch mittelfristig wird es zum Normalfall werden. Warum also nicht „die Erinnerungen teilen“, wie der Slogan des Start-ups heißt?

Die meisten der erfolgreichen Firmen im Online-Markt kommen aus den USA. Insbesondere im sonnigen Kalifornien reifen immer wieder Ideen zu Konzepten, kommt Kapital zu Ideen, und am Ende überlebt manch kleines Web-Start-up, um ein wirklich großer Fisch im Teich zu werden. Skype und andere Silicon-Valley-Größen haben europäische Gründer, manche auch europäische Finanziers. Und trotzdem: Fast immer haben sie sich in den USA angesiedelt. Auch Respectance.com ist ein polnisch-amerikanisches Joint Venture, mit Finanziers aus den Niederlanden.

Auf der Konferenz „The Next Web“ in Amsterdam trafen sich kleine Start-up-Gründer mit anderen aus der Szene: Geschäftsführer bereits erfolgreicher Webunternehmen, Vertreter größerer Firmen und Wagniskapitalgeber. Die jährliche Konferenz soll eben diese zusammenbringen und Gründern die Möglichkeit geben, sich einem breiteren Fachpublikum zu präsentieren. Der Fokus liegt auf europäischen Start-ups, die über den Ideenstatus schon hinaus sind.

„Was uns fehlt und was Silicon Valley hat“, sagt der Finanzier Saul Klein, „ist zum einen das große Denken und zum anderen die Risikobereitschaft.“ Dabei seien die Voraussetzungen eigentlich exzellent. Ideen, Kapital und Programmierer seien in Europa nicht seltener als in den USA, eher häufiger. Das Hauptproblem sei oft die Mentalität: In Europa fehlt es laut Klein an Verständnis für Menschen. Wer mit seinen Ideen im Silicon Valley als „cool“ angesehen würde, werde in Europa häufig schlicht als verrückt eingeschätzt.

Der Däne Tommy Ahlers ist mit Sicherheit nicht verrückt. Er möchte nicht mehr und nicht weniger, als mit seiner Firma Zyb auf möglichst allen Mobiltelefonen zu Hause sein. Zyb bietet eine Software an, mit der Daten von Mobiltelefonen auf einem Server gespeichert werden. Hierdurch bleiben Kontakte, Kurznachrichten, Fotos und vieles mehr erhalten, auch wenn das Telefon das Zeitliche segnet. Kontakte lassen sich wiederum mit anderen Zyb-Nutzern teilen: Laut Zyb benutzen derzeit fast 140.000 Menschen die Plattform und haben knapp 6,5 Millionen Kontakte dort hinterlegt. Derzeit arbeitet Ahlers mit verschiedenen Mobilfunkanbietern daran, Zyb auf Mobiltelefonen vorinstallieren zu lassen. Geld hat er von Wagniskapitalgebern erhalten, im Herbst will er in einer weiteren Runde mehr Geld für seine Firma bekommen. Wann Zyb profitabel sein wird, kann Ahlers allerdings noch nicht sagen.

Geld verdienen wollen derzeit viele Menschen im Internet. Die meisten Angebote wie YouTube leben von Werbeanzeigen, manche wie der populäre Bilderservice Flickr oder das Social Network XING haben darüber hinaus Bezahlmodelle, die dem Nutzer weitere Möglichkeiten eröffnen. Vielen Modellen ist gemein, dass sie erst einmal ein Zuschussgeschäft sind. Und so lautet die Strategie für viele: Wachstum, Wachstum, Wachstum. Wer genug User hat, kann sein Produkt dann entweder vermarkten oder an finanzkräftige Investoren verkaufen. Anders als in der New-Economy-Blase geht jedoch kaum eines der Unternehmen frühzeitig an die Börse.