Man stelle sich vor, ein äußerst populärer Fußballer gibt nach seiner Karriere gemeinsam mit dem Sportdirektor seines führenden deutschen Klubs eine Pressekonferenz. Beide gestehen vor dutzenden Kameras, in ihrer Karriere Epo genommen zu haben. Unvorstellbar? Nein. Es ist nicht unmöglich, dass sich im Fußball irgendwann wiederholt, was der Radsport vor einigen Wochen vormachte.

Zwar gibt es in der beliebtesten deutschen Sportart immer noch Trainer, Offizielle, Mediziner und sogar Dopingexperten, die daran glauben, dass Epo im Fußball sowieso nichts bringt. Das Argument lautet oft, Doping spiele generell keine Rolle, weil schließlich niemand besser mit dem Ball umgehen kann, nur weil er Pillen schluckt. Doch bestreitet kein Trainer, dass es im Fußball nicht nur auf Technik ankommt. Es geht genauso um Spritzigkeit und Zweikampfstärke, hier kann mit Aufputschmitteln nachgeholfen werden.

Oder auch die Laufbereitschaft, ein Faktor, der im modernen Fußball immer wichtiger geworden ist. Genau dort setzt Epo an, das im Blut den Sauerstofftransport erleichtert und dadurch die Ausdauer verbessert.

„Man kann keine Sportart ausschließen“, sagt Ulrike Spitz, die Sprecherin der Nationalen Anti-Doping-Agentur in Bonn. Bei der Nada werden die Trainingskontrollen im deutschen Sport organisiert, für die Wettkampfkontrollen sind die Verbände zuständig. Auch der DFB lässt inzwischen auf Epo testen – zumindest stichprobenweise. Mehr geben die Laborkapazitäten und die Finanzen nicht her. Ein normaler Urintest kostet etwa 150 Euro, wird die Probe auch auf Epo überprüft, steigen die Kosten auf fast das Doppelte. Deshalb wird das Gros der Tests eher beim Radsport oder Triathlon durchgeführt. Ausnahme war immerhin die WM, vor der die gesamte Nationalmannschaft überprüft wurde.

Klaus Müller sagt: „Es wäre sinnvoll, die Fußballerproben häufiger auf Epo zu untersuchen.“ Er leitet das Dopinglabor in Kreischa nahe Dresden, eines der beiden IOC-akkreditieren Labore in Deutschland. Doch dazu bräuchte er zusätzliches Personal und mehr Analysetechnik: Das Testverfahren ist äußerst kompliziert. Müller ist allerdings auch der Ansicht, dass die Problematik im Fußball mittlerweile nicht mehr unterschätzt wird.

Noch vor 20 Jahren gab es dort überhaupt keine Tests. Erst nachdem Toni Schumacher 1987 in seinem Buch Anpfiff über Doping in der Bundesliga berichtete, führte der DFB Wettkampfproben ein. Schon Schumacher behauptete, ähnlich wie jetzt Peter Neururer, das Aufputschmittel Captagon sei unter Fußballern weit verbreitet. Heute werden in der Bundesliga nach jeder Partie zwei Spieler pro Mannschaft ausgelost und zur Urinprobe gebeten. Dazu kommen Trainingskontrollen, jährlich etwa 70 in Erster und Zweiter Liga.

Diese Tests sind, das zeigt die Erfahrung aus anderen Sportarten, die eigentlich wichtigen. Dopingsünder kennen die Nachweiszeiten der Stoffe, die gerade bei Blutdoping mit Epo und Wachstumshormonen sehr kurz sind. Vor dem Wettkampf setzten sie die Mittel rechtzeitig ab. Eine Trainingskontrolle kommt dagegen überraschend.