Schule ProSeite 2/2
Daher möchte ich geschlechtergetrennten Unterricht an einige Bedingungen knüpfen: Lehrer/innen müssen sich sehr genau überlegen, welche Unterrichtsinhalte welcher Fächer sich für geschlechtergetrennte Phasen eignen. Häufig bietet es sich an, nach einer geschlechtergetrennten Phase eine koedukative Reflexionsphase anzuschließen. Wichtig erscheint mir, dass die Schüler/innen selbst, unter Umständen auch die Eltern, mit einer zeitweisen Trennung einverstanden sein sollten, um unnötige Konflikte zu vermeiden. Darüber hinaus sollten in getrennten Phasen immer auch Differenzen innerhalb der Jungen bzw. innerhalb der Mädchen thematisiert werden, um die Verfestigung von Rollenstereotypen zu vermeiden. Wünschenswert wäre natürlich auch die Entlastung der Lehrer/innen in ihrem Unterrichtsdeputat, um selbst stärker kooperieren zu können und forschend zu lernen. Dabei ist es meines Erachtens sekundär, dass die Jungengruppen nur von Lehrern, Mädchengruppen von Lehrerinnen unterrichtet werden.
Monoedukative Phasen, didaktisch begründet, können also Mädchen und Jungen fördern. Diese Chance sollte nicht aus dogmatischen Gründen vergeben werden.
Marc Böhmann, Dipl.-Pädagoge, ist Hauptschullehrer bei Heidelberg und war bis 2004 Wissenschaftlicher Mitarbeiter in einem deutschdidaktischen Forschungskolleg an der Pädagogischen Hochschule Heidelberg. Zahlreiche Publikationen zu Lehrerbildung, Lehrerprofessionalität und Deutschdidaktik.
Der Text ist in der ZeitschriftPädagogik, 58. Jg., Heft 1/2006, S. 50, in leicht veränderter Form erschienen.
- Datum 08.06.2007 - 05:27 Uhr
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- Quelle ZEIT online, 6.6.2007 - 11:42 Uhr
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Ich hab den Eindruck, so unterschiedlich Pro- und Kontraartikel stilistisch sind, so verschieden sind sie auch inhaltlich.
Der Pro-Beitrag dreht sich um effektive Wissensermittlung - Schüler m/f lernen leichter, wenn sie ohne das andere Geschlecht unterrichtet werden; im Kontrabeitrag geht es mehr oder weniger ausschließlich um Geschlechterbilder.
Jetzt mal unter der Prämisse, dass Koedukation wirklich ein Aufweichen der Geschlechterrollen bewirken könnte, was ich stark bezweifle, da zu meiner Zeit gerade die Anwesenheit des anderen Geschlechts ab der Pubertät ein Verhalten nach traditionellen Rollenmustern begünstigte: Ist es vertretbar, dass ein ganzes Geschlecht massiv schlechtere Schulleistungen erbringt, also dass die jungen Menschen mit (unverschuldet) männlichem Geschlecht gleichsam intellektuell geopfert werden, um diese Ziele zu erreichen? Das wäre in meinen Augen obszön amoralisch.
Nichts gegen Gleichstellung und Chancengleichheit, ich bin absolut dafür, aber nicht mit jedem Mittel (wobei sich ohnehin die Frage stellt, inwieweit Ideologie in einem nichttotalitären Staat Grundlage von Pädagogik sein darf). Bildung ist die Grundlage für eine funktionierende, erfolgreiche Gesellschaft, sie sollte sakrosankt sein. Wenn wir bewusst Versager am Fließband produzieren, werden wir irgendwann die Rechnung zahlen müssen.
Wenn Kinder bei getrenntem Unterricht erwiesenermaßen mehr lernen, sollte es eigentlich keine Diskussion mehr geben.
Aus eigener Erfahrung mit beiden Modellen plädiere ich unbedingt für die Trennung von Mädchen und Jungen in der Schule. Dies muss nicht alle Fächer betreffen, aber gerade im naturwissenschaftlichen Bereich haben Mädchen in gemischten Klassen oftmals keine Lobby, selbst bei gleicher Begabung. Ich hatte das Glück, 3 Jahre in einer reinen Mädchenklasse unterrichtet zu werden und hob während dieser Zeit meinen Notendurchschnitt wesentlich an. Auch wuchs bei mir das Interesse an Fächern, die vormals von Jungen dominiert wurden und die Lehrer uns Mädchen gar nicht mehr wahr nahmen. Das beste Beispiel: Physik. Von der Note 4 kam ich spielend auf Note 2 und das mit Spaß!
Melusine1
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