Korrekt sparen Fair zur Umwelt
Bozena Jankowska ist sicher: Wer ökologische und gesellschaftliche Verantwortung übernimmt, macht ein besseres Geschäft als andere. Die Finanzwelt muss sie noch überzeugen.
Alles begann mit einem Schulreferat. Mit zwölf Jahren sollte Bozena Jankowska ihren Klassenkameraden erklären, was es mit der Zerstörung des Regenwaldes auf sich habe. Seither, so sagt sie, lebt sie für den Umweltschutz wenn auch nicht als Protest-Aktivistin für Greenpeace oder andere Öko-Organisationen, sondern auf einem ganz anderen Feld, in ihrem Beruf. Die Britin ist Bankerin und arbeitet auf ein ambitioniertes Ziel hin: Große Investoren sollen ihr Geld mehr und mehr nach ökologischen und sozialen Kriterien anlegen. Bozena Jankowska selbst formuliert es so: Ich will erreichen, dass ökologische und soziale Leistungskriterien systematisch in die Finanzanalyse und das Portfoliomanagement integriert werden.
Studiert hat die Finanzexpertin Umweltwissenschaften und Umwelttechnik. Für ihre Abschlussarbeit erforschte sie die Altlasten der Schwermetallindustrie in Südpolen, in der Nähe ihres Geburtstorts Bielsko-Biala südlich der Bergbauregion von Kattowitz, wo damals noch ihre Großeltern lebten. Heute, mit 34 Jahren, leitet sie die Abteilung für Nachhaltigkeits-Research des Vermögensverwalters RCM in London, einer Tochter der deutschen Allianz. Zusammen mit Vertretern anderer Finanzhäuser und kapitalkräftiger Investoren gründete sie im Jahr 2004 die Enhanced Analytics Initiative (EAI) . Das Ziel der Initiative entspricht ziemlich genau dem von Jankowska formulierten: Umwelt- und Sozialfaktoren sollen künftig systematisch in die Finanzanalyse integriert sein.
Ich werde es nie akzeptieren, wenn das natürliche Gleichgewicht unserer Umwelt beeinträchtigt wird wir müssen fairer mit ihr sein und über die Konsequenzen unseres Handelns nachdenken, sagt sie mit blitzenden Augen. Auch im Privaten übt sich die Finanzfrau im rücksichtsvollen Umgang mit der Natur. In ihrem Haus, südöstlich Londons gelegen, laufen alle Geräte mit Ökostrom. Im Garten zieht sie eigenes Gemüse, grundsätzlich ernährt sie sich gerne ökologisch. Reist sie mit dem Flugzeug, gleicht sie die Kohlendioxidbelastung aus. Fast alle ihre Freunde engagieren sich ebenfalls leidenschaftlich für den Umweltschutz, erzählt Bozena Jankowska. Auch ihr Mann teile ihre Ansichten. Das macht mein Leben leichter, sagt sie, und es ist einer der Gründe, warum ich ihn geheiratet habe. Missionieren muss sie, zumindest in ihrem privaten Umfeld, niemanden mehr.
Von ihren Mitarbeitern erwartet sie Energie und Fairness. Meine Erfahrung hat mich gelehrt, dass sonst die ganze Dynamik der Gruppe leidet, sagt sie. Sie arbeitet im Team, und ihr kleiner Schreibtisch inmitten eines Großraumbüros unterscheidet sich in nichts von jenen ihrer Untergebenen. Fröhlich und umtriebig sei Jankowska, sagt Astrid Zwick, Leiterin des Allianz-Nachhaltigkeitsbüros. Doch sobald ihr jemand dazwischenfunke, könne sie sehr ungehalten werden, hört man bei RCM. Dann bewahre sie zwar die Contenance, aber überschütte ihr Gegenüber resolut und rhetorisch stark mit ihren Argumenten.
Die Finanzwelt lernte Bozena Jankowska kennen, als sie gleich nach ihrem Studium bei einer Gesellschaft für Derivate einstieg. Doch in dem besseren Sekretärinnenjob blieb sie nicht lange. Um den Master-Abschluss zu erwerben, ging sie noch einmal zurück an die Uni. Wieder als Studentin mit wenig Geld zu leben war bisher die größte Herausforderung für mich, erzählt sie. Eine Kommilitonin vermittelte ihr danach eine neue Stelle im Organisationsteam einer UN-Konferenz, auf der 1999 die sogenannte Global Reporting Initiative (GRI) vorgestellt wurde. In dieser Initiative hatten sich Unternehmen, Gewerkschaften, Wirtschaftsprüfer, Wissenschaftler und Nichtregierungsorganisationen zusammengetan, um gemeinsam Richtlinien für die Nachhaltigkeitsberichterstattung von Unternehmen und Organisationen zu erarbeiten. Heute gelten die GRI-Regeln als weltweit führend.
Seit September 2000 arbeitete Jankowska bei RCM. Sie ist überzeugt: Ökologischen und sozialen Maßstäben gebührt in der Finanzanalyse und Vermögensverwaltung mehr Bedeutung. Dass ihr Arbeitgeber bloß drei Prozent des von ihm betreuten Kapitals insgesamt rund 78 Milliarden Pfund nachhaltig anlegt, reicht ihr nicht. Dabei engagiert sich RCM auch anderweitig. Zum Beispiel hat die Gesellschaft das Screening der Metallrente übernommen, des ersten deutschen Pensionsfonds, der nachhaltige Kriterien berücksichtigt. Screening bedeutet: Die RCM-Fachleute prüfen, ob alle Gelder des Fonds ökologisch oder sozial sauber angelegt sind falls nicht, empfehlen sie den Verkauf der nicht nachhaltigen Vermögensgegenstände.
Das bringe auch Rendite, sagt Bozena Jankowska. Mit Hilfe von Corporate Social Responsibility, der ökosozialen Verantwortung von Unternehmen, können Analysten und Investoren erkennen, ob eine Firma gut geführt ist, sagt sie. Gut geführte Unternehmen aber verdienen mehr Geld als andere. Wer sein Geld in Anteile solcher Firmen steckt, gewinnt also. Davon müssten alle Akteure am Finanzmarkt überzeugt werden. Für dieses Ziel arbeite die Britin unermüdlich, ermuntere, motiviere, informiere, lasse nicht locker, selbst im Dialog mit Vorgesetzten nicht, sagt Allianz-Nachhaltigkeitsexpertin Zwick. Sie ist für uns wie ein Nukleus für dieses Thema auch wenn es für sie nicht immer einfach ist, es zu vertreten.
- Datum 04.06.2009 - 15:40 Uhr
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- Serie Nachhaltigkeit
- Quelle ZEIT ONLINE, 12.6.2007 - 05:49 Uhr
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