Religion Stille UnterdrückungSeite 2/2

Im Nahen Osten existieren die ältesten christlichen Gemeinden überhaupt, nun schrumpfen sie rapide. Der Papst und das Oberhaupt der anglikanischen Kirche, der Erzbischof von Canterbury, riefen die Christen in der Region auf, der "Versuchung der Emigration" zu widerstehen, obgleich sie, wie Benedikt XVI. es ausdrückte, mit "wenig Licht und zu viel Schatten leben müssen". Ein schlagendes Beispiel liefert Bethlehem: Noch 1948 betrug der christliche Anteil der Bevölkerung 85 %, heute ist er auf 12 % gefallen.

In Ländern wie Iran und Saudi-Arabien herrscht nackte Unterdrückung; Gottesdienste sind untersagt, christliche Literatur verboten. Diskriminierung existiert auf vielfältige Weise: An Universitäten erzielen muslimische Studenten bessere Resultate, weil ihnen für die Kenntnis des Korans automatisch 20 Punkte gutgeschrieben werden. Gewaltsame Übergriffe häufen sich, in Pakistan, in der Türkei und in Nigeria. Nicht immer können die Regierungen dieser Länder verantwortlich gemacht werden. In Ägypten, wo zirka 10 Millionen koptische Christen leben, wächst mit der Sogkraft des islamischen Fundamentalismus die Zahl der Übergriffe und Einschränkungen. In Pakistan erweisen sich Sharia und Blasphemie-Gesetze als wirksame Mittel der Unterdrückung. Einheimische Christen gelten als "Spione" der "Kreuzzügler", die für alles verantwortlich gemacht werden – für die Invasion des Iraks, die dänischen Karikaturen, die "Unterdrückung" der Muslime.

Es ist die besonders tragische Situation der Christen im Nahen Osten: Stets werden sie im Zusammenhang mit dem Westen gesehen, doch dieser Westen nimmt sie kaum wahr. Insbesondere gilt das für Europa, das nach den Worten des Papstes längst "gottlos" geworden und wo gewiss nicht der Wille vorhanden ist, die alten christlichen Gemeinden des Nahen Ostens, ob in Bagdad, Alexandria und Istanbul, zu schützen. Es bleibt unleugbar, dass die meist verfolgte Religion der Welt das Christentum ist. Und es gibt keinen Staat, der sich für die bedrängten Christen verantwortlich fühlte.

 
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