Gefühle "Mit voller Kraft in die Katastrophe"

Die Regisseurin und Autorin Doris Dörrie ist Expertin für Liebesgeschichten. Für das ZEITmagazin LEBEN (Nr. 25) hat sie das Schicksal einer Frau aufgeschrieben, die zweimal genau den falschen Mann heiratete. Im Interview erzählt Dörrie über Liebeskummer, Leiden und warum man trotzdem keine Angst haben sollte.

Frau Dörrie, Sie haben viel über die Themen Liebe und Schmerz gefilmt und geschrieben. Ist der erste Liebeskummer der Schlimmste?

Wahrscheinlich. Weil man glaubt, dass niemand auf der Welt jemals so gelitten hat wie man selbst.

War das bei Ihnen auch so?

Oh ja, natürlich. Ich war die Einzige auf der Welt, die das so erlebt hat.

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Wie haben Sie sich darüber hinweggerettet?

Durch den nächsten (lacht).

Was tun Sie heute, wenn das Leiden zu schlimm wird?

Das kommt darauf an, wie man Leiden definiert. Mein Mann ist gestorben, meine große Liebe. Trotzdem hat mich das zum Optimisten gemacht. Weil ich alles, was ich hatte, in diese Ehe und in diese Liebe geworfen habe. Ich habe nichts bereut, nichts verpasst, war nicht zu vorsichtig. Ich habe mich oft gefragt: Was ist, wenn man sich am Ende sagen muss: Man hat nicht genug geliebt, sich nicht genug getraut? Man hätte, hätte, hätte. Das ist eigentlich viel schlimmer.

Können Sie sich denn vorstellen, sich wieder richtig zu verlieben?

Das habe ich getan! Und zwar vollkommen ohne Vorbehalte, ohne jede Rückversicherung und ohne Reserve.

Würden Sie sagen, dass die Liebe mit zunehmendem Alter einfacher wird?

Ja, ich glaube schon. Weil man weiß, dass man jeden Tag von Neuem ein hohes Risiko eingehen muss. Dann wird man auch angstfreier.

Viele Leute sehen das anders. Sie bekommen nach jeder gescheiterten Beziehung mehr Angst und werden misstrauischer.

Ja, aber die Angst vor Schmerzen verhindert dann auch die große Liebe. Liebe und Schmerz gehören einfach zusammen. Mir ist aber auch aufgefallen, dass die Leute immer vorsichtiger werden. Dann passiert eben auch gar nichts mehr.

Was meinen Sie, woran liegt das?

Es gehört zu unserem unbegrenzten Wohlstand, dass wir alles immer mehr planen können. Diese Planbarkeit verhindert durchaus auch Glück.

Das wichtigste für Glück in der Liebe ist also …

… dass man sich mit voller Kraft in die Katastrophe stürzt! Liebe kann nur Katastrophe sein. Am Ende muss der eine von beiden sterben oder gehen – irgendwas Katastrophales passiert immer am Ende.

Das klingt wie aus einem Ihrer Filme.

(lacht) Aber es ist meine Erfahrung. Auf die Katastrophe zu verzichten heißt eben auch, auf die Liebe zu verzichten.

Das Gespräch führte Carolin Ströbele

Doris Dörrie, 52, ist Autorin und Filmregisseurin. Bekannt wurde sie 1985 mit ihrer Komödie „Männer“. In ihren Filmen und Büchern befasst sich Dörrie vor allem mit dem Thema Liebe. Den Tod ihres Ehemanns Helge Weindler verarbeitete sie 2002 in ihrem Roman „Das blaue Kleid“. Ihre jüngste „Liebesgeschichte“ hat Dörrie für das ZEITmagazin LEBEN (Nr. 25) geschrieben.

 
Leser-Kommentare
  1. Die
    Kirschblüten stehen in weißen Wolken vor dem hellblauen Himmel. Überwältigend
    in verletzlicher Schönheit. Von Trauer überwältigt erfüllt der Mann das
    Vermächtnis einer vom Tod noch einmal entzündeten Liebe. Im japanischen
    Morgenmantel seiner Frau bewegt er sich in den bizarren Figuren eines
    Budo-Tanzes. In Anschauung des Fuji. Budo ist nach der Erklärung einer
    japanischen Vertrauten nicht ein Tanz des Ich, sondern der seines Schattens.
    Dann stirbt er. Während
    der Mann immer tiefer in seinen Schmerz und Traum tanzt, begegnet ihm die
    geliebte Frau wieder. Sie nimmt, führt seine Hand. Streicheln, Aneinanderschmiegen
    der Wangen. Sie tanzen gemeinsam Schatten unter dem glühenden Fuji. In einer
    plötzlichen Bewegung stürzt sie nach hinten. Er stützt sie, richtet sie auf,
    sie führen den Tanz über den Schreck hinaus fort. Auch Du
    hast Deine Liebe vergessen. Vielleicht hast auch Du ihr eine Sehnsucht geopfert
    wie diese Frau. Da ist Hoffnung oft erst im Abschied. Denke
    daran in diesen Frühlingstagen, wenn die weißen Blütenblätter unter Wolken und
    Sonne in die letzten Schneeflocken fallen. Reise mit Deiner Liebe schon heute
    zu ihrem Fuji. Und sieh mit ihr diesen Film an.* Lieber
    Jean Paul:Dies ist ein anderes "Musteil für Mädchen". Aber auch eine Art Siebenkäs, Leibgeber usw usw"Alles
    ist eitel"- denn da ist Liebe. Bayreuth,
    Jean-Paul-Treff 08 kw

  2. im "volltext" ein drängendes Lob auf  Erdbeeren in Srebrenitza-Handke, ganz morawisch.Dessen mehrfach zitiertes Quittenblütenweiß einer gepreßten Innerlichkeit, wie grau erscheint es gegen die japanisch, kitschigen Blüten des Hanami-Films. Nach volltext versenkt sich sein Dichterblick auch mal in eine Kuhflade. Nichts dagegen, der Fuji ist ja auch nur ein Berg, wie der Papa sagt, als er es noch ist. Es ist aber schwierig, diesen Berg in einer Kuhflade - ist es nicht ein Fladen?- zu erkennen.Ich bin für Kirschblüte!Twisting Love
    Das Recht des Traumes,
    aus dem Tag zu schöpfen

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