Arbeitswelt Steuer für die Gleichberechtigung?
Weniger Steuern für Frauen führen automatisch zu besseren Chancen auf dem Arbeitsmarkt. So lautet die These zweier italienischer Forscher, die das ZEITmagazin LEBEN vor Kurzem vorstellte. Nun hat erstmals eine deutsche Politikerin die Idee aufgegriffen.
Über die Frage, wie man die Arbeitssituation von Frauen in Deutschland verbessern kann, hat es in der Vergangenheit unzählige Debatten, aber keine Lösung gegeben. Nach wie vor werden Frauen schlechter bezahlt als Männer. Viele von ihnen schaffen nach der Babypause nur schwer den Wiedereinstieg ins Berufsleben. Das liegt unter anderem daran, dass ein Ehepaar durch das Ehegattensplitting steuerlich manchmal sogar besser dasteht, wenn die Frau nicht arbeitet. Oder dass der zusätzliche Verdienst der Mutter geringer ist als die Kosten für die Kinderbetreuung.
Eine mögliche Lösung für dieses Problem haben zwei italienische Forscher im ZEITmagazin LEBEN (Nr. 23) vorgestellt. Ihre „Formel für die Gleichberechtigung“ lautet: Niedrigere Steuern für Frauen.
Alberto Alesina von der Universität Harvard und Andrea Ichino von der Universität Bologna haben errechnet, dass man die Lohnsteuer für Frauen gleich um 30 Prozent senken könnte, wenn man die der Männer um nur ein Prozent erhöhte. Dadurch würde der Anreiz für Firmen, Frauen statt Männer anzustellen, enorm erhöht. „Wenn Sie Unternehmen dazu kriegen wollen, etwas Bestimmtes zu tun, erreichen Sie das (...), indem Sie das Unerwünschte teurer machen“, sagte Alesina dem ZEITmagazin LEBEN. „Wenn Sie wollen, dass mehr Frauen arbeiten, dann zwingen Sie die Unternehmen, Männern ein höheres Gehalt zu zahlen.“
Die Idee der beiden Wirtschaftswissenschaftler hat nun auch Widerhall in der deutschen Politik gefunden. Antje Hermenau, Fraktionschefin der Grünen in Sachsen, forderte gegenüber mehreren Medien eine Senkung der Einkommensteuer für Frauen. Im Gegenzug sollte die Belastung für Männer leicht angehoben werden. Dies wäre „ein großer Beitrag zu mehr Gleichberechtigung“, sagte sie der Bild am Sonntag .
Hermenau, die auch Mitglied im Bundesparteirat der Grünen ist, betonte, eine Steuersenkung für Frauen würde neben Veränderungen in der Arbeitswelt auch das Problem der Kinderbetreuung lösen.
Dieser Ansicht sind auch die Wissenschaftler Alesina und Ichino. Eine Steuersenkung hätte zur Folge, dass immer mehr Frauen zu Hauptverdienerinnen in ihrer Familie würden – ein Effekt, der zwangsläufig auch eine Neuorientierung bei der Kinderbetreuung nach sich zöge.
Lesen Sie den Artikel
Eine Formel für die Gleichberechtigung aus dem ZEITmagazin LEBEN
Hier finden Sie die
Studie von Andrea Ichino und Alberto Alesina (PDF) »
Was Bundestagsabgeordnete zum Thema Frauen und Arbeit sagen, sehen Sie in unserer
Video-Umfrage »
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- Datum 14.06.2007 - 06:16 Uhr
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