Rundfunk Senden gegen das MittelmaßSeite 3/3
ZEIT online: Wie schaffen Sie es nach all diesen Jahren, noch so leidenschaftlich zu sein?
Lenoir: Ich denke, Wut ist der Grund. Wut auf das System. Zu sehen, dass es ein System gibt, mittelmäßige Sachen zu verbreiten und Geld damit zu verdienen. Mein Grund weiterzumachen ist eine Passion, die genährt wird von der Wut auf diesen Zustand. Es geht mir darum zu zeigen: Es gibt auch etwas anderes. Es gibt wirkliche Künstler, es gibt Leute, die etwas zu sagen haben …
Bernard Lenoir blickt auf das Telefon, das seit fünf Minuten ohne Unterbrechung läutet.
Lenoir: Das ist grauenhaft! Das sind die Plattenfirmen. Je länger so jemand das Telefon klingeln lässt, desto wahrscheinlich ist es, dass er mich fragen möchte, was ich von irgendeinem Mist halte. Würde es sich um jemanden handeln, der wegen eines anständigen Künstlers anruft, würde es zwei, drei Mal klingen. Derjenige würde merken, dass niemand da ist, und es später noch einmal versuchen. Das ist ein Trottel in einer Plattenfirma, der mir einen Dreck wie diesen ( hält eine CD aus einem Stapel hoch ) geschickt hat. Das ist jemand, der in seinem Büro nichts zu tun hat und es hier drei Stunden lang läuten lässt. Das macht mich wahnsinnig! Voilà , das ist es, was mich antreibt, warum ich weitermache: dagegen zu kämpfen! Und zu versuchen, Leute bekannt zu machen, die etwas zu sagen haben, die eine Sensibilität haben. Wirkliche Individuen, keine Klone. Das treibt mich jeden Tag an, wenn es auch nicht immer leicht ist.
ZEIT online: Wie sieht der Radiosender Ihrer Träume aus?
Lenoir: Ich habe darüber in einer Sendung gesprochen. Es gibt immer wieder Leute, die mich fragen: Warum machst du deine Sendung nicht täglich, von 21 Uhr bis Mitternacht. Für mich müsste aber eine Radiostation 24 Stunden lang so sein. Nonstop. Wie Fip, nur als Independent-Rock-Sender. Ein Sender, auf dem man den ganzen Tag lang nur interessante Sachen hört und Dinge entdecken kann. Ich denke, dass so etwas möglich sein müsste. Ich wohne abwechselnd in Biarritz und Paris. Im kleinen Baskenland zum Beispiel gibt es einen Sender, EiTB, der in etwa das umsetzt – zumindest auf einer seiner Stationen. Wenn die Basken das können, warum nicht auch wir?
"C’est Lenoir" ist montags bis donnerstags von 22 bis 23 Uhr auf France Inter zu hören, auch online. Die Sendung des Vortags verbleibt bis zur nachfolgenden Sendung zum Anhören auf der Webseite C’est Lenoir .
Das Gespräch führte
Markus Znsmaier
- Datum 26.02.2008 - 13:18 Uhr
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hallo zusammen.
in frankreich ist es bernard lenoir und hier in deutschland heißen sie michael engelbrecht, karl lippegaus und harry lachner.nun, was haben sie gemeinsam.
sie alle stehen für musik jenseits der grenzen und moden.
michael engelbrechts spielte in seiner sendung klanghorizonte ein special über kranky records und harry lachner in der nachtession ein geburtstagspecial für laurie anderson. karl lippegaus letztens zwei stunden über den tango und seine geschichte. oder, um es kurz zu machen: deutschlandfunk, deutschlandradiokultur, wdr3, swr2 und bayern2 und und und....
ich glaube es ist eher ein problem der wahrnehmung, viele wissen die sendungen oder sender nicht, aber sie sind noch da.
grüße radiohoerer
karl lippegaus ist g*tt in seiner verkleidung als radioautor. seine soundcheck-sendungen definitiv g*ttesdienste. wenigstens einer, dem bei den namen pascal comelade, moondog ua. etwas einfällt, was man noch nicht wusste.
die meisten verwechseln radiohören mit der gehirnwäsche, die sie täglich über sich ergehen lassen, wenn sie sich in so einen schrott wie etwa swf3 einklinken.
dabei ist der DLF so nah ...
grüße!!
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