Online-Markt "Meine Mutter ist zum Power-User geworden"

Der Franzose Tariq Krim, Gründer von Netvibes, über seine wachsende RSS-Feed-Community, die Zukunft der alten Medien im Internet und neue Informationskanäle.

Tariq Krim gründete im Jahr 2005 Netvibes. Die Firma bietet im World Wide Web jedem Nutzer die Möglichkeit, sich eine einfache Oberfläche zu erstellen, auf der er die Inhalte von verschiedensten anderen Webseiten automatisiert zusammentragen lassen kann. Diese sogenannten Feeds ersparen den Besuch auf der eigentlichen Website: Wenn dort etwas Neues erscheint, wird es in Netvibes angezeigt. Auf diese Weise lassen sich in kurzer Zeit große Mengen an Informationen verwalten. "Le Monde" nannte Krim einen "neuen Guru des Webs", der zurückhaltende 34-jährige Pariser fühlt sich jedoch eher als Ureinwohner des Internets.

ZEIT online: Wann kamen Sie das erste Mal mit dem Internet in Berührung?

Tariq Krim: Ich bin mit dem Computer geboren worden und ich liebte ihn schon als Kind. Und ich hatte das Glück, sehr früh ein Modem zu besitzen. Mein erster Kontakt mit dem Internet war in den achtziger Jahren, das ARPAnet (Vorläufer des Internets, das ursprünglich fürs amerikanische Militär entwickelt wurde / Anm. d. Red.). Danach benutzte ich Minitel, vergleichbar dem deutschen BTX. Ich habe mit Netzwerken gespielt, mit Newsgroups, E-Mails, dem FIDO-Mailbox-Netzwerk. Als ich dann studierte, war meine Universität eine der ersten in Frankreich mit Internetzugang. Ich ging damals in einen Buchladen und besorgte mir alle Bücher über das Internet, lernte Unix und alles, was dazugehört. Ich entwickelte eine echte Leidenschaft für das Internet und für Freie Software.

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ZEIT online: Doch dann wurden Sie ausgerechnet Journalist.

Krim: Ja, zuerst wollte ich Journalist werden, ich liebe die Presse und ich liebe die Medien. Nach der Universität hatte ich die Gelegenheit, für ein Jahr ins Silicon Valley zu gehen. Dort jobbte ich bei Sun Microsystems und dann als Korrespondent für französische Medien. Als ich einmal ein Interview mit einem Mitarbeiter aus der Musikindustrie über die Digitalisierung von Musik als MP3 führte, dachte ich: «Was tue ich hier eigentlich? Ich sollte auf der anderen Seite stehen.» Und dann habe ich die Seiten gewechselt ...

ZEIT online: ... und wurden Unternehmer.

Krim: 1999 habe ich in Frankreich eine Firma gegründet, die sich mit Wikis und RSS (mittels "Really Simple Syndication" werden Inhalte aus unterschiedlichen Quellen zusammengeführt, Anmerkung d. Red.) beschäftigte. Doch ich war viel zu früh. Ich war ja auch der erste Blogger Frankreichs gewesen, aber das hatte damals niemanden wirklich interessiert. Die Leute verstanden nicht, was Syndizierung heißt. Wenn ich versucht habe, es zu erklären, fragte jeder nur «Was?», und ich sagte: «Vergesst es einfach. Es klappt.» Ich habe dann zu Zeiten der New-Economy-Blase als Berater für Medienfirmen gearbeitet, für die Musik- und die Filmindustrie, und immer gepredigt, dass sie online gehen sollten.

ZEIT online: Wie kam es zu Netvibes?

Leser-Kommentare
    • fifide
    • 13.06.2007 um 14:08 Uhr

    rss-feeds sind wirklich ein hilfreiches instrument und die visionen von netvibes lesen sich spannend und sind nachvollziehbar.
    ich bin allerdings gespannt darauf, wann es dazu wirklich die ersten brauchbaren gemschäftsmodelle gibt.

    in diesem zusammenhang, liebe zeit-redaktion, solltet ihr auch mal einen kritischen blick auf euren eigenen rss-feed werfen.

    dort ist aktuell zB nur "Suchmaschinen:" im betreff zu lesen. richtig wäre aber "Suchmaschinen: Der lächelnde Monopolist" für den google-artikel nebenan...

    wäre sicher ein zugewinn. vor allem, nachdem ich es sehr begrüsse, dass in eurem feed immerhin eine kurze einleitung zu dem eigentlichen artikel vorhanden ist, im gegensatz zu manch anderer (ängstlichen?) online-zeitung, die auf jegliche information bis auf eine einfach überschrift verzichten

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