Gute Unternehmer Gut für Seele und Geldbeutel

Wohlstand schaffen und Umwelt schützen - kein Widerspruch für Götz Rehn. Nur muss die Kasse klingeln, damit es gelingt. Seine Firma Alnatura betreibt erfolgreich Bio-Supermärkte.

Als sich Götz E. Rehn Anfang der achtziger Jahre selbstständig machen wollte, musste er ein ungewöhnliches Problem lösen: Sein Unternehmen sollte ethisch und nachhaltig ausgerichtet sein, alles war schon auf dem Papier bis ins Detail durchgeplant - nur wusste Rehn nicht, welches Produkt er eigentlich verkaufen sollte. Mehr als 20 Jahre sind inzwischen vergangen, und Rehns Lösung kann sich sehen lassen: Seine Firma Alnatura ist Deutschlands umsatzstärkster Naturkosthändler. Im vergangenen Geschäftsjahr setzten mittlerweile 1000 Mitarbeiter 182 Millionen Euro um.

Der auf den Kopf gestellte Business-Plan passt zum Werdegang des Firmengründers. Rehn war schon früh beeinflusst von der Anthroposophie, die er zugleich mit der Volkswirtschaftslehre studierte. Von Anfang an wollte er Wirtschaft und Ethik zusammenbringen. "Wir haben uns in den frühen siebziger Jahren gefragt, wie wir eine Gesellschaft schaffen können, die materiellen Wohlstand und seelisches Wohlbefinden vereint", sagt der 57-Jährige heute in seinem hellen Büro in Bickenbach an der Bergstraße. Vor dem Gebäude, in dem Alnatura seit zweieinhalb Jahren beheimatet ist, sieht man blühende Apfel- und Kirschbäume, an den Wänden hängen Werke junger Künstler, im Garten machen Mitarbeiter Mittagspause.

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Die Stimmung ist angenehm entspannt; so ähnlich war sie vielleicht in jenen Jahren auch im Metallbetrieb Alfred Rexroth, den Rehn als junger Student kennenlernte. Diese Firma war eine der ersten, die Wirtschaft und Anthroposophie miteinander verband. "Dort habe ich erfahren, dass Unternehmen auch anders mit ihren Mitarbeitern umgehen können. Ich wollte mithelfen, Lebens- und Arbeitsverhältnisse zu schaffen, die sinnvoll für Mensch und Umwelt sind." Der Schlüssel dazu, das wurde Rehn damals klar, ist ein "gutes Produkt": gut für die Produzenten, gut für die Kunden - aber auch gut für die Firmenkasse, denn ohne Gewinn lässt sich auch das beste Konzept nicht umsetzen.

Doch bevor aus dem Wunsch Wirklichkeit wurde, verging einige Zeit. Sieben Jahre war Rehn bei Nestlé in der Lebensmittelsparte angestellt, in Marketing und Vertrieb. "Ich konnte dort einiges verändern, wollte aber mehr." Seine Erfahrungen brachten ihn auf die Idee, "Lebensmittel aus biologischem Landbau anzubieten, mit einem klaren Einzelhandelskonzept und einer eindeutigen Marke. So etwas gab es noch nicht in dieser Form, ich hatte mein Produkt gefunden."

Zu seinem Erstaunen stellte Rehn fest, dass es gar nicht ausreichend Bio-Lebensmittel auf dem Markt gab, um seine Vorstellungen realisieren zu können. Seine Ideen aber überzeugten andere: Von 1986 an entwickelte Rehn für die Drogeriemarktkette DM und das Lebensmittel- Handelsunternehmens Tegut ein Shop-in-Shop-System für Bio-Waren. Die Chefs der beiden Firmen sind ebenfalls anthroposophisch orientiert und unterstützten Rehn. Aus der Beratung ging schließlich Alnatura hervor.

Der erste Superbiomarkt Deutschlands entstand 1987. In den folgenden Jahren wuchs Alnatura langsam, aber stetig. Jedes Jahr eröffnen ein oder zwei neue Märkte; mittlerweile gibt es 30 "Super Natur Märkte" in sieben Bundesländern, die rund 5500 Bio-Produkte anbieten. Sie sorgen ebenso für gute Geschäftszahlen wie die etwa 700 Bio-Artikel unter der Marke Alnatura, die das Unternehmen mit Handelspartnern wie DM, Tegut, Budnikowsky oder Famila in ganz Europa und etwa 2540 Filialen vertreibt.

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