Tornado-Einsatz "Politische Provokation"

Der Einsatz von Tornado-Aufklärungsflugzeugen der Bundeswehr während des G8-Gipfels in Heiligendamm hat ein politisches Nachspiel. Das Thema wird nun den Bundestag beschäftigen

Auf Antrag der Linksfraktion wird der Einsatz am Mittwoch Thema im Innenausschuss des Bundestages sein, sagte der Ausschuss-Vorsitzende Sebastian Edathy (SPD) der Mitteldeutschen Zeitung . Der innenpolitische Sprecher der SPD-Bundestagsfraktion, Dieter Wiefelspütz, nannte den Tornado- Einsatz im Vorfeld "rechtlich zulässig, aber politisch instinktlos". Die Frage sei, "ob man nicht mit Polizeihubschraubern das Gleiche hätte tun können".

Unterdessen wurde bekannt, dass die Bundeswehr auch ein Camp der Gipfelgegner ausgespäht hat. Das Verteidigungsministerium bestätigte am Dienstag den Einsatz von zwei Tornados über der Region um den Sicherheitszaun rund um Heiligendamm. Jets dieser Art werden derzeit in Afghanistan zur Aufklärung im Kampf gegen die Taliban eingesetzt.

Eines der Flugzeuge habe das Protestcamp Reddelich am Dienstag vergangener Woche in der geringsten zugelassenen Flughöhe von 150 Metern überflogen und dabei Luftaufnahmen gemacht, erklärte das Ministerium in einer Antwort auf eine Anfrage des Grünen-Bundestagsabgeordneten Hans-Christian Ströbele. Die Flüge hätten im Zuge "technischer Amtshilfe" für Sicherheitsbehörden stattgefunden und dem Zweck gedient, das dabei gewonnene Bildmaterial mit Aufnahmen abzugleichen, die im Mai über dem Gebiet angefertigt worden seien. Damit habe man etwa Manipulationen an wichtigen Straßenabschnitten feststellen wollen. Das Bildmaterial wurde den Angaben des Ministeriums zufolge an die Sicherheitsbehörden weitergegeben.

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Bewohner des Camps, in dem sich während der Gipfelproteste Tausende Globalisierungsgegner aufhielten, hatten berichtet, einer der Tornados sei im extremen Tiefflug - "so, dass man die Nieten sehen konnte" - auf das Camp niedergestoßen und habe danach in einer scharfen Kurve abgedreht.

Ströbele bewertete den Tornado-Einsatz als verfassungswidrig. "Es überschreitet alle Grenzen zulässiger technischer Amtshilfe für die Polizei, wenn mit Aufklärungs-Kampfjets wie in Afghanistan eingesetzt nun Demonstrationen ausgeforscht werden", sagte der Abgeordnete.








 
Leser-Kommentare
  1. 1. Bild

    Wenn man schon Montagen verwendet, sollte man dann nicht darauf achten, dass sie auch das Richtige zeigen?
    Zugegeben, der Eurofighter war auch eine ganze Zeit lang Diskussionsgegenstand, aber hier ist er doch wohl etwas fehl am Platz.

    Zum Tornadoeinsatz selber ist wohl das passendste schon gesagt worden: nominell Ok, aber politisch nicht wirklich clever...

    • Cg
    • 13.06.2007 um 11:38 Uhr

    Ich mag hier auf dem Schlauch stehen, frage mich aber doch, worauf diese sogenannte "Technische Amtshilfe" sich gründet? GG 35.2? Wohl kaum - denn da geht es um den BGS.
    Streitkräfte sind dort nur und ausschließlich im Falle von Naturkatastrophen oder besonders schweren Unglücksfällen zugelassen. Und bei aller noch so bissigen Auslegung will mir der Gipfel in H. in keine der Kategorien fallen.

  2. ...das ist wahrlich der Gipfel! Möchte an dieser Stelle mal auf folgenden Artikel vom Stern hinweisen-mit den Wünschen, dass es gestattet ist-. Hier wird alles ganz und gar von Hans-Ulrich-Jörges auf dem Punkt gebracht. No Comment und über eine Insellösung, sollten sich die Politiker schon wegen der Kosten Gedanken machen. Ein Flugzeugträger o. ä. macht es sicher auch, oder eine Datscha bei Moskau, oder oder oder....

  3. Der Vorgang als solcher ist schlimm, aber das schlimmste ist, dass der Staat einen grossen Teil seiner Bürger mittlerweile als Feind betrachtet,denn nur gegen Feinde bringt man Militär in Stellung. In den Köpfen dieser Leute existiert der demokratische Rechtsstaat doch schon gar nicht mehr.

    • Anonym
    • 14.06.2007 um 10:07 Uhr

    hervorruft eine Reaktion.
    Ist doch eine physikalische Eigenschaft. (Damit wird die PISA nur bestätigt...)
    Warum die scheinheiligen Entrüstungen?
    Und:
    Nach einer Reaktion, entsteht die Gegenreaktion. Usw.
    So fungieren die kosmischen Gesetze.

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    treffen auf einer insel?
    wie kann man dann noch von seinem demonstrationsrecht gebrauch machen, wenn der gegenstand des demonstratierens nicht erreichbar ist?
    und das muss doch wohl gegeben sein.
    vernuenftige politik, kein kapitalismus zum selbstzweck. das problem ist doch, dass ueberhaupt das beduerfniss entsteht, zu demonstrieren, in dieser masse und mit einem ohnmachtgefuehl. die ursache fuer dieses gesteigerte beduerfniss ist zu ergruenden (liegt es ebentuell an einer schlechten und eigennuetzigen politik..?) und so zu korrigieren, dass das demonstrationsbeduerfniss wieder in einem gesunden verhaeltnis steht. dann ist die politik wahrscheinlich auch wieder naeher an den beduerfnissen der einzelnen, naeher an einer funktionierenden demokratie...

    treffen auf einer insel?
    wie kann man dann noch von seinem demonstrationsrecht gebrauch machen, wenn der gegenstand des demonstratierens nicht erreichbar ist?
    und das muss doch wohl gegeben sein.
    vernuenftige politik, kein kapitalismus zum selbstzweck. das problem ist doch, dass ueberhaupt das beduerfniss entsteht, zu demonstrieren, in dieser masse und mit einem ohnmachtgefuehl. die ursache fuer dieses gesteigerte beduerfniss ist zu ergruenden (liegt es ebentuell an einer schlechten und eigennuetzigen politik..?) und so zu korrigieren, dass das demonstrationsbeduerfniss wieder in einem gesunden verhaeltnis steht. dann ist die politik wahrscheinlich auch wieder naeher an den beduerfnissen der einzelnen, naeher an einer funktionierenden demokratie...

  4. treffen auf einer insel?
    wie kann man dann noch von seinem demonstrationsrecht gebrauch machen, wenn der gegenstand des demonstratierens nicht erreichbar ist?
    und das muss doch wohl gegeben sein.
    vernuenftige politik, kein kapitalismus zum selbstzweck. das problem ist doch, dass ueberhaupt das beduerfniss entsteht, zu demonstrieren, in dieser masse und mit einem ohnmachtgefuehl. die ursache fuer dieses gesteigerte beduerfniss ist zu ergruenden (liegt es ebentuell an einer schlechten und eigennuetzigen politik..?) und so zu korrigieren, dass das demonstrationsbeduerfniss wieder in einem gesunden verhaeltnis steht. dann ist die politik wahrscheinlich auch wieder naeher an den beduerfnissen der einzelnen, naeher an einer funktionierenden demokratie...

    Antwort auf "Eine Aktion"

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