Türkei "Für alles bereit"

Die Regierung in Ankara hat Berichte dementiert, sie bereite eine Invasion des Nordiraks vor. Doch das Militär plant offenbar anderes: Am Samstag wird direkt an der Grenze eine Sperrzone eingerichtet - für "Militärübungen"

Nachdem verschiedene Medien berichtet hatten,  ein großer Einsatz der türkischen Armee gegen Kurden-Rebellen im Nordirak stehe unmittelbar bevor, bekräftigte Ministerpräsident Tayyip Erdogan, dass er vor einer solchen Invasion die Zustimmung des Parlaments einholen werde. Eine solche Entscheidung müsse von den Abgeordneten getroffen werden, "und wir würden entsprechend vorgehen", sagte er. Der Beschluss würde jedoch nicht öffentlich gemacht werden. Das türkische Außenministerium hatte zuvor Berichte dementiert, die Armee habe in einem größeren Vorstoß im Nordirak kurdische Rebellen verfolgt.

Militärvertreter räumten dagegen einen "begrenzten Einsatz" in den vergangenen Tagen ein, ohne die Zahl der beteiligten Soldaten zu nennen. Von einer "grenzüberschreitenden Operation" könne aber keine Rede sein. Es sei durchaus üblich, dass türkische Soldaten bei der Verfolgung von Rebellen in dem bergigen Grenzgelände auf irakisches Gebiet gelangten. Die Armee verhängte im Rahmen ihrer Einsätze gegen kurdische PKK-Rebellen ein Verbot von Flug- und Überlandreisen zwischen drei türkischen Provinzen und dem Irak. Einem türkischen Zeitungsbericht zufolge soll von Samstag an bis zum 9. September eine temporäre Sicherheitszone für Militärübungen eingerichtet werden.

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Seit längerem wird spekuliert, ob sich die Türkei für einen Militärschlag gegen die schätzungsweise 4000 Rebellen rüstet, die von der autonomen nordirakischen Kurdenregion aus Anschläge in der Türkei vorbereiten. Zuletzt hatte die Türkei an der Grenze zum Irak ihre Truppen verstärkt. Aus dem türkischen Außenministerium hieß es, derzeit werde kein größerer Militäreinsatz in der Region vorbereitet. "Aber die Türkei ist für alles zu jeder Zeit bereit", sagte ein Sprecher.

Wegen der Parlamentswahl im Juli hat das türkische Parlament derzeit eine Sitzungspause. Es müsste extra eine Sondersitzung einberufen werden, um eine Invasion zu genehmigen. Die USA haben die Türkei zur Zurückhaltung aufgefordert. Sie befürchten einen größeren Konflikt im Nordirak, der bislang zu der stabilsten Region in dem Golfstaat gehört. Der Bericht über die angebliche Invasion hatte auch für Wirbel an den Finanzmärkten gesorgt und den Ölpreis zwischenzeitlich auf mehr als 71 Dollar klettern lassen.

 
Leser-Kommentare
    • navy
    • 09.06.2007 um 11:56 Uhr

    Das Türkische Militär hat großen Rückhalt in der Bevölkerung und eher zeigen sich hier Demokratie Defizite, auch Deutscher Politiker. Des Volkes Wille ist entscheidend und Nichts Anderes. Deutsche Politiker bringen siehe Kosovo und Balkan, sowieso NIchts zu stande, mit Ausnahme Mafiöse Kreise zu unterstützen und als Terror Pseudo Regierungen aufzubauen, damit diese Leute, Erpressungs Kartelle gegen die eigene Bevölkerung aufbauen können. Die Türkei ist dank des Militärs eines der wenigen Staaten, wo man sich sicher fühlt und auch investieren kann. Wo Deutsche Politiker ihre dubiosen Vorstellungen umsetzen, siehe Albanien, Kosovo, Afghanistan und Georgien, wird Alles kriminellen Clans übergeben.

    Die Mafia Geschäfte von Joschka Fischer, Vollmer, Bundesdruckerei, Hochtief, Papenburg usw.. sind sowieso extrem peinlich. Und die gezielte Erstellung gefälschter Reports durch Rückers und die Deutschen UN leute im Kosovo noch mehr.

    siehe IEP-BND Studie 2007, wie das Deutsche System funktioniert.

    http://balkanforum.org/IE...

  1. Es besteht wohl kein Zweifel, dass die hervorragend organisierte und ausgebildete türkische Militärmacht einen innenpolitischen Zusammenbruch nie zulassen würde. Warum die Türkei heute überhaupt noch Wert darauf legt, unter "Ferner liefen" in den disorganisierten EU-Klub zu gelangen, ist mir schleierhaft. Als führende Macht in einer mediterranen Staatengruppe, wie Sarkozy vorschlägt, hätte die Türkei doch eine viel stärkere Position.

    • spi122
    • 11.06.2007 um 14:16 Uhr
    3. Zeit

    Die Türkei ist ein Land, das noch viel Zeit braucht, um in Europa anzukommen. Gewisse erste Schritte sind getan, doch der Weg ist noch weit. Die Reformen müssen weitergehen. Die türkische Demokratie muss lernen auf Füßen aus Blei und nicht aus Ton zu stehen. Das Militär soll die Rolle einnehmen, die es auch in anderen europäischen Ländern einnimmt und nicht die des Wächters des demokratischen Systems. Eventuell bedarf es eines neuen Moustafa Kemal Atatürk, aber der ist momentan nicht zu sehen. Andererseits ist es vielleicht auch gut so, dass die Türken die Sache langsam angehen, um wiederum eventuell schlimmeres zu vermeiden, z.B. den Zusammenbruch oder die Aufteilung des Landes.

  2. Aus den aktuellen Konstellationen ergibt sich die folgende Prognose:
    - Wenn a)die Türkei seitens der EU auf die "Armesünderbank" gesetzt ist und b) sich wegen eines ankochenden autonomen Kurdistan (aus einer zwangläufigen Irak-Teilung) ein Knatsch zwischen der Türkei und den USA einstellt, dann wird sich eine logische Hinwendung der Türkei zu Russland und dem Iran ergeben.
    Die USA haben sich langjährig als "Weltmeister" in der politischen Kurzsichtigkeit bewährt, u. a.: Züchten der Al Queida und Taliban in den 80er Jahren, Förderung bzw. stillschweigende Duldung der pakistanischen Kernwaffenentwicklung (derzeit viel problematischer als die potentielle iranische Bombe, was heuchlerisch verschwiegen wird) usw., die diversen angezettelten Stellvertreterkriege in Afrika und das nun folgerichtig eigetretene Feststetzen der Chinesen dort.---- Diese Liste ließe sich seitenlang fortsetzen.
    Offensichtlich wird in der USA-Politik und auch im Management nicht so recht begriffen, dass politische Prozesse meist längere Inkubationszeiten haben, wie beim Billard über mehrere Banden zu spielen ist und wie beim Schach diverse Züge und Reaktionen des Gegners vorzudenken sind.
    Wie sagten die alten Römer: "Was Du auch tuest, überlege es gut und bedenke das Ende"
    Wenn die o.g. Prognose einrastet: Hinwendung der Türkei zu Russland und Iran, evtl. auch zu China, dann geht ein nächstes global-politisches Heulen und Zähneklappern los.

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    interessanter punkt!

    interessanter punkt!

  3. interessanter punkt!

    Antwort auf "Quo vadis Türkei?"

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  • Quelle ZEIT online, Reuters
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  • Schlagworte Türkei | Militär | Ankara | Medien | USA | Irak
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