Risiko Gefahr vom Kreditmarkt

Politiker sind besorgt über die wachsende Anzahl kreditfinanzierter Übernahmen. Zu Recht: Eine Kreditkrise könnte auch das Finanzsystem aus der Balance bringen.

Das Übernahmekarussell dreht sich immer schneller und die Sorge wächst. In Extremfällen seien Unternehmen nach ihrer Übernahme zu 80 Prozent fremdfinanziert, warnte die Europäische Zentralbank am Donnerstag. Das bedeutet eine große Abhängigkeit vom Kapitalmarkt, und es macht die Firmen anfälliger für externe Schocks. Rodrigo de Rato, seines Zeichens Chef des Internationalen Währungsfonds (IWF), sieht deshalb gar die weltweite Konjunktur in Gefahr.

In der Tat nimmt die Geldgier mancher Finanzinvestoren - selbst, wenn man die Übernahmeaktivitäten gar nicht berücksichtigt - immer skurrilere Züge an. So will eine Investorengruppen den Mobilfunkkonzern Vodafone drängen, umgerechnet rund 50 Milliarden Euro an die Aktionäre auszuschütten und zugleich einen Kredit in gleicher Höhe aufzunehmen. Ähnliches geschieht oftmals bei Übernahmen: Der Käufer genehmigt sich aus der Substanz der übernommenen Firma eine hohe Sonderausschüttung, welche das Unternehmen dann mit neuen Schulden finanzieren muss.

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Solange die Zinsen niedrig und die Unternehmensgewinne hoch sind, funktioniert die Strategie. Doch je weniger Spielraum bei der Verschuldung bleibt, umso gefährlicher wird es, wenn sich die Zins- und Gewinnräder in die entgegengesetzte Richtung drehen.

Dann nämlich beginnt die Zeitbombe zu ticken. Eine Zeitlang kann ein hoch verschuldetes Unternehmen einen Gewinnrückgang noch aus der Substanz überbrücken. Doch wenn die Finanzierung auf Kante genäht ist, können sich schon ein paar Verlustquartale in Folge verheerend auswirken. Ebenfalls mit Verzögerung wirken sich ansteigende Marktzinsen aus - nämlich dann, wenn größere Tranchen an festverzinslichen Anleihen oder Krediten auslaufen und die Anschlussfinanzierung mit deutlich höheren Zinsen als bisher weitergeführt werden muss.

Als weiterer Risikofaktor kommt hinzu, dass die Kreditstrukturen oft komplex sind und unter Umständen mehrfach gehebelt in Form von Kreditderivaten auf den Finanzmärkten herumgeistern. Bei den Mega-Übernahmen werden die Milliardenschulden oftmals von mehreren Banken so lange umverpackt und weitergereicht, bis am Ende niemand mehr genau weiß, bei welchem Investor letztlich die Ausfallrisiken liegen. Dann kann es vorkommen, dass in Italien ein Unternehmen Pleite geht und eine Pensionskasse in Kalifornien plötzlich merkt, dass ab sofort ihre Kunden ein Vorsorgeproblem haben.

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