Risiko Gefahr vom KreditmarktSeite 2/2

Niemand kann vorhersagen, wie stabil die globalen Kreditderivat-Konstrukte im Krisenfall wirklich sind. Im günstigsten Fall gibt es einige schmerzliche Abschreibungen und das Tagesgeschäft geht weiter. Im schlimmsten Fall setzt ein großer Ausfall eine Kettenreaktion in Gang: Panische Investoren setzen mit ihrem Massen-Exodus eine Abwärtsspirale in Gang, aggressiv investierende Banken brechen zusammen, an den Aktienmärkten kracht es und massive Kreditverknappungen lösen eine Rezession aus.

Doch schon ein weitaus weniger extremes Szenario kann den Aktienmarkt empfindlich treffen. Im Gefolge eines großen Ausfalls könnten Banken ihre Kreditvergabe an Hedgefonds und Finanzinvestoren drastisch verknappen, dazu käme wahrscheinlich noch ein deutlicher Mittelabfluss durch den Abgang enttäuschter Investoren. Damit würde sich jedoch die aktuelle Liquiditätsschwemme am Aktienmarkt auf ein mageres Tröpfeln reduzieren, die entweichende Übernahmefantasie ließe überdies die Kurse weiter schrumpfen.

Bislang ist die Kredit-Party noch in vollem Gange. Doch aufmerksame Aktionäre sollten lieber nüchtern bleiben, den Kreditmarkt im Blick behalten und aus den ersten größeren Ausfällen ihre Schlüsse ziehen.

Thomas Hammer ist freier Wirtschaftsjournalist und Sachbuchautor. Er schreibt unter anderem für das Wirtschaftsressort der ZEIT und beobachtet die Kapitalmärkte mit skeptischem Blick.

 
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