Kurnaz-Affäre : Die Datenlöscher vom Amt

Die Bundeswehr ist unfähig, ihre geheimen Akten richtig zu sichern. Statt zu lachen, sind einige Politiker empört, fürchten sie doch um die Aufklärung brisanter Affären

Die Bundeswehr hat geheime Daten über Auslandseinsätze und Berichte aus Einsatzgebieten verloren. Wobei das nicht ganz das treffende Verb ist, denn eigentlich wurden sie gezielt vernichtet.

Doch von vorn: Im Jahr 2004 wollte das Lagezentrum des Zentrums für Nachrichtenwesen der Bundeswehr (ZNBw) sein Computernetzwerk für die Auswertung militärischer Daten entlasten. Das ZNBw ist so etwas wie ein Auslandsgeheimdienst der Bundeswehr, der überall dort Informationen sammelt, wo die Bundeswehr im Einsatz ist oder hingeschickt werden soll. Da das eigentlich Aufgabe des Bundesnachrichtendienstes ist, wird das ZNBw noch in diesem Jahr im BND aufgehen, doch das nur am Rande.

Seit 1998 nutzt das ZNBw zur Speicherung, Weiterleitung und Analyse seiner Auslandsberichte ein Computersystem namens Jasmin . Das ist das Akronym von Joint Analysis Systems Military Intelligence , heißt so viel wie "gemeinsame Auswertungseinrichtungen für militärische Aufklärung" und ist ein verteiltes Datenbanksystem, in dem Dokumente abgelegt, hin- und hergeschickt und bearbeitet werden können.

Ende 2004 aber – so die spätere Darstellung des Verteidigungsministeriums – war Jasmin so voll, dass es seine Aufgaben kaum noch erfüllen konnte. Daher entschloss man sich, aktuell nicht benutzte Datenbestände auszulagern und an einem anderen Ort zu speichern. Es ging dabei um Akten, die in den Jahren 1999 bis 2003 über die Einsatzgebiete der Bundeswehr angelegt worden waren.

Zur Speicherung wurden die Daten aus Jasmin ausgelesen und aus Sicherheitsgründen auf einen nicht im Netzwerk hängenden Rechner, ein sogenanntes Stand-Alone-Gerät, überspielt. Von dort transferierte man sie dann auf einen Datensicherungsroboter, der sie auf Magnetbändern speicherte.

Dummerweise ging das Ding bald kaputt. Was nicht weiter schlimm wäre, hätte nicht ein parlamentarischer Untersuchungsausschuss Akten von Jasmin aus dieser Zeit haben wollen. Man habe, so schrieb das Verteidigungsministerium vor einiger Zeit in einem Brief an den Bundestagsausschuss, der sich mit der Untersuchung des Falls Murat Kurnaz befasst, den defekten Sicherungsroboter ersetzt. Dabei sei jedoch festgestellt worden, dass weder der alte noch der neue Roboter die Magnetbänder mehr lesen konnte.

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