Literaturpreis Eine Stange zwischen die RippenSeite 2/2

Dann aber kam Broder doch noch zur Sache: Die Toleranz, beispielsweise gegenüber „zukünftigen Völkermördern“ wie dem iranischen Staatspräsidenten Mahmud Ahmadineschad, sei „eine Untugend, die den Verstand ausgeschaltet habe“. Toleranz, so Broder weiter, sei „die preiswerte Alternative zum aufrechten Gang“. Die „Toleranzkeule“, mit der der Rücksichtslose um sich schlage, um sich seinen Raum zu erkämpfen, dürfte eine bewusste Anspielung auf die Walser’sche „Moralkeule“ gewesen sein, die in der Paulskirchen-Friedenspreisrede von 1998 der Auslöser eines monatelangen erbitterten Streits gewesen war. Auch eine Attacke gegen den politisch korrekten Nobelpreisträger Günter Grass durfte nicht fehlen.

„Ist nur ein toter Polemiker ein guter Polemiker?“, hatte Helmut Markwort gefragt. Und Broder hatte in seiner Rede immer wieder die rhetorische Frage gestellt, ob er es sei, der verrückt geworden sei oder all die anderen da draußen. Den Vormittag jedenfalls beschloss er mit einem Text des im Jahr 2005 verstorbenen Kabarettisten Hanns Dieter Hüsch. Dort heißt es: „Ich sing für die Verrückten/Die seitlich Umgeknickten/Die eines Tags nach vorne fallen/Und unbemerkt von allen/An ihrem Tisch in Küchen sitzen/Und keiner Weltanschauung nützen.“

 
Leser-Kommentare
    • hagego
    • 25.06.2007 um 17:14 Uhr

    Unberechenbar. Da denkst du, ja, genau wie Broder es formuliert, so ist es! Und dann dreht sich Henryk M. um und verlässt mit dem letzten Halbsatz seiner Ausführung die Planche der Gemeinsamkeiten. Gemein? Nein, wunderbar!
    Ach, hätten wir doch mehr von diesen Stinkstiefeln und Quereinsteigern. Dann gäbe es weder in den Behörden noch in der Politik dieses Antichambrieren als eine der Disziplinen des Karriere-Zehnkampfes.
    Sehr geehrter Herr Broder, schreien Sie weiter! Schreiben Sie weiter! Ihnen steht nicht nur die Börne-Ehrung gut zu Gesicht, Sie könnten, so glaube ich, auch eine Menge mit dem Dynamit eines gewissen Alfred N. anfangen...

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