Parteien "Die SPD muss man nicht bedauern"

Altkanzler Helmut Schmidt glaubt nicht, dass die Sozialdemokraten zwischen der CDU und der Linkspartei zerrieben werden. Umdenken müssten jedoch ihre Anhänger

Helmut Schmidt sagte dem ZEITmagazin LEBEN, er sehe für die SPD keine grundlegende Gefahr. Die CDU stehe zwar in den Meinungsumfragen im Moment relativ gut da. Aber: "Wenn Sie sich Frau Merkel wegdenken, dann sieht die Union ganz anders aus." Die SPD leide nicht zuletzt daran, dass sie am laufenden Band ihre Vorsitzenden gewechselt habe.

Das Entstehen der Linkspartei führt Schmidt auch auf das Wahlsystem zurück. "Wo es Verhältniswahlrecht gibt, dort entstehen zwangsläufig linksextreme und rechtsextreme Parteien. Die Parteien in der Mitte zwingt es dazu, sich zusammenzuraufen, ob das Große Koalitionen sind oder halbgroße oder halbstarke."

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Allerdings müssten, so Schmidt weiter, die Anhänger der SPD umdenken: "Einige Wähler möchten an Regeln festhalten, die nicht mehr realistisch sind." Die steigenden Lebenserwartungen erforderten ein höheres Renteneintrittsalter. Dass bei vielen Bürgern dadurch Unsicherheit und Besorgnis geschaffen würde, sei nachvollziehbar; die Reaktion gewisser Politiker jedoch nicht: "Dann gibt es Leute wie diesen Lafontaine, die auf diesem Klavier spielen und Ängste schüren."

An Stelle stimmenwirksamer Vorsicht fordert Schmidt rationales und risikofreudiges Handeln. Ungeliebte Entscheidungen zum Wohle aller seien für Politiker unumgänglich. Es erfordere Mut, einer Notwendigkeit zu gehorchen, auch wenn man deshalb sein Mandat verliere. "Jemand, der dieses Risiko nicht eingehen will, taugt nicht für die Demokratie."

Das vollständige Interview können Sie in der neuen Ausgabe des ZEITmagazin Leben lesen

 
Leser-Kommentare
  1. sollte er sich nicht nur von Zigaretten ernähren.

  2. 2. So, So

    der Altkanzler meldet sich zu Wort.

    Der Altkanzler, unter dessen Regierung die Verschuldung ein Ausmaß erreichte, daß die Regierung Kohl die Alt-Bundesrepublik mit Fug und Recht als Sanierungsfall bezeichnen konnte.

    Der Altkanzler, der in seiner Regierungszeit nicht den Mut hatte, die Sozialausgaben auf ein vernünftiges Maß zu beschneiden und das Rentensystem in die erste Katastrophe laufen ließ. Aber wen schert das schon, wenn das Alt-Kanzlerehepaar eine der besten Versorgungsleistungen der Republik genießt.

    Interessant ist die unverhohlene Wählerbeschimpfung. Nicht die Parteien und die Politiker sind an der verfahrenen Lage schuld. Die Wähler sind zu doof.

    So übersieht der Alt-Kanzler (absichtlich?), dass die größte Wählergruppe die Nichtwähler sind. Schon deshalb darf bezweifelt werden, ob die CDU ohne Frau Merkel schlechter abschneiden würde.

    Wir wollen nicht vergessen, daß die Regierung Schmidt/Genscher in Wirtschaftsfragen alles andere als erfolgreich war.

    ER sollte wirklich weniger rauchen, der Alt-Kanzler und das Gespräch mit den Wählern der SPD suchen. Solange noch Wähler da sind. Mit der Gründung der Linkspartei wird es sehr sehr eng für die SPD. Denn die Mitte war immer schon von der CDU besetzt.

    korfstroem

    • agerer
    • 27.06.2007 um 19:31 Uhr

    Ich gebe H.Schmidt recht. Er war DER Kanzler, der schon Anfang der 80er versucht hat die überbordenden Sozialausgaben zu begrenzen, gegen den Willen seiner Partei. Er konnte sich leider nicht gegen die Mehrheit seiner Partei durchsetzen. Kohl hat im Grunde SEINE Politik fortgeführt.

    Zur Rente ab 67 gibt es auf Grund der Alterspyramide keine Alternative.
    Schöne Grüße
    Sebastian

  3. Lafontaine & Co. müssen keine Ängste schüren. Die Ängste sind schon da. Auch die Rente mit 67 bringt keine Lösung. Generell: Bei der Diskussion der Rentenfrage reden zu viele Leute mit, die von dem Lebensverhältnissen in unserem Land keine Ahnung haben. Der SPD wird zum Verhängnis, daß die Ahnungslosen inzwischen die Führung der Partei komplett übernommen haben. Die Regierung Schröder war im Grunde genommen, die Fortsetzung der Regierung Kohl mit anderem Parteibuch.

    Die Behauptung, die Forderungen der Wähler seien unrealistisch ist aus vielerlei Gründen unlogisch und schlicht falsch. Wachstum und Produktivität sind in der deutschen Wirtschaft vorhanden, um Generationenfrage und alle sozialen Fragen zu lösen.

    Was fehlt, ist der Konsens der Gesellschaft. Das Sinnbild der Sozialen Marktwirtschaft wurde zu Gunsten der Irrlehre der alles lösenden Marktwirtschaft aufgegeben.

    Die Ökonomie vermag aber nur ein Teilgebiet des menschlichen Zusammenlebens zu organisieren. Jedes Gemeinwesen, das nur auf dem Denken der Vorteilhaftigkeit seiner Mitglieder beruht, ist zum Scheitern verurteilt.

    korfstroem

    • dito72
    • 27.06.2007 um 21:51 Uhr

    Ich habe da so meine Zweifel wenn ich lese, was er so von sicht gibt. So, die Wähler müssen also umdenken. Ist es nicht eher so, dass die Wähler vielleicht den besseren Durchblick haben und mehr vom wahren Leben mitbekommen als einige weltfremde Politiker im Elfenbeinturm? Die Globalisierung ist menschengemacht und keine Naturgewalt auf die man keinen Einfluß hat. Anstatt die Globalisierung zu gestalten und ihr ein humanes Gesicht zu geben lassen die Herren und Damen Politiker sie einfach geschehen, schliesslich regelt der Gott Markt ja alles, nicht wahr? Diese Ignoranz wird sich noch mal fürchterlich rächen, wenn sich nichts ändert, dessen bin ich mir sicher. Schliesslich kam auch ein Schurke und Verbrecher wie Hitler vor über 70 Jahren nicht einfach so aus heiterem Himmel an die Macht.

  4. [entfernt wegen Beleidigung/ Redaktion]

  5. Herrn Schmidt finde ich als Raucher sehr sympathisch, da zeigt er einen fast anarchistischen Trotz, der ihm sonst leider fremd ist.

    Leider hat er sich früh den USA angedient, ist Mitglied der Lobbyorganisation Atlantik-Brücke. Nur so kann man seinen dogmatischen Neoliberalismus verstehen.

    Lafontaine schürt Ängste, glaubt er das wirklich oder erlaubt ihm der Glaube an das Göttliche der marktradikalen und kriegerischen US-Politik keine andere Sichtweise mehr?

    Ihm müssten doch die Hintergründe bekannt sein, die sich in D noch ganz anders darstellen:

    Nach Angaben der OECD waren im Jahr 2001 nur 36,8% aller 55-64-jährigen in Deutschland erwerbstätig, während beispielsweise in Norwegen knapp 70%, in der Schweiz und in Schweden 67,1% noch arbeiteten.

    Das bedeutet, fast zwei Drittel dieser Altersgruppe werden in Deutschland aufs Abstellgleis geschoben -> zunehmend in Hartz IV = Armut. Schon über 40 bis 50-Jährige wurden massenhaft entlassen und werden nicht mehr eingestellt.

    Wie stellen Sie sich denn die Zukunft dieser Bürger vor, Herr Schmidt? Sollen diese Leute "einsehen", dass kein Weg an dieser Politik vorbei führt, die sie ausstößt und nur Wenigen die Taschen füllt?

    Noch ist es nicht zu spät, Herr Schmidt, denken Sie noch mal nach. Ein Volksvertreter, dem die Mehrheit des Volkes egal ist, ist ein Volksverräter!

    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    Ad AktenzeichenXY: In der Tat interessant, dass Sie als Vergleich ausgerechnet die Schweiz und Norwegen anführen, die in Punkto Reglementierung des Arbeitsmarktes, Offenheit für ausländische Fachkräfte, Renteneintrittsalter (in N flexibel zw. 62 und 70 Jahre), Gesundheitswesen etc. noch viel "neoliberaler" sind als wir.

    Könnte es da nicht vielleicht dämmern, dass "neoliberal" vielleicht gar nicht so schlecht funktioniert? Jedenfalls im Vergleich zu Systemen, die noch stärker reglementiert sind als unseres? Wo sind denn Ihre Beispiele von Ländern, denen es besser geht als uns und bei denen ein sozialistischer (?) Weg (wie sieht der denn aus?) funktioniert?

    Ad fritzfernando ("Arbeitslosigkeit muss von Wirtschaft finanziert werden"):
    Ok, denken Sie doch erst mal durch, wie Wirtschaft Ihrer Meinung nach funktionieren soll. Warum soll ein bestimmtes Unternehmen verantwortlich sein für meine persönliche "Daseinserhaltung"? Absurd.

    Ad AktenzeichenXY: In der Tat interessant, dass Sie als Vergleich ausgerechnet die Schweiz und Norwegen anführen, die in Punkto Reglementierung des Arbeitsmarktes, Offenheit für ausländische Fachkräfte, Renteneintrittsalter (in N flexibel zw. 62 und 70 Jahre), Gesundheitswesen etc. noch viel "neoliberaler" sind als wir.

    Könnte es da nicht vielleicht dämmern, dass "neoliberal" vielleicht gar nicht so schlecht funktioniert? Jedenfalls im Vergleich zu Systemen, die noch stärker reglementiert sind als unseres? Wo sind denn Ihre Beispiele von Ländern, denen es besser geht als uns und bei denen ein sozialistischer (?) Weg (wie sieht der denn aus?) funktioniert?

    Ad fritzfernando ("Arbeitslosigkeit muss von Wirtschaft finanziert werden"):
    Ok, denken Sie doch erst mal durch, wie Wirtschaft Ihrer Meinung nach funktionieren soll. Warum soll ein bestimmtes Unternehmen verantwortlich sein für meine persönliche "Daseinserhaltung"? Absurd.

  6. Der Schmidt hatte 1980 recht, und er hat heute recht.
    Dieses penetrante Verlangen der sozialen Versager nach immer mehr Leistungen vom Staat ist gelinde gesagt zum Kotzen.
    Windbeutel vom Schlage Lafontaines, die sich wochenlang verstecken, wenn sie gefordert sind, werden von diesen ultralinken Wendehaelsen vorgeschoben, um den Leuten wieder diese rote Gleichmacherei schmackhaft zu machen.
    Wohin das gefuehrt hat, haben wir ja ueber 40 Jahre lang beobachten koennen.
    Es ist nun mal so, dass der Staat von den Leistungswillingen getragen wird, und nicht von den ewigen Verweigerern und permanent Nutzlosen, die vom staendigen Handaufhalten schon chronische Kraempfe haben.
    Hoffentlich ist sich die grosse Mehrheit dieser Situation bewusst und laesst sich nicht von diesen Miesmachern und Jammerlappen fuer dumm verkaufen. Und dazu bedarf es auch die Bereitschaft zum Umdenken. Denn sowie in der "guten alten Zeit" laeuft es garantiert nicht mehr.

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  • Schlagworte Helmut Schmidt | SPD | CDU | Verhältniswahlrecht
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