Bevölkerung Globale Landflucht
Im kommenden Jahr wird es auf der Erde erstmals mehr Städter als Landbewohner geben. Die UN sehen darin auch eine Chance.
Die Weltbevölkerung wächst vor allem in den Städten der Entwicklungsländer stärker als je zuvor. Nach Berechnungen der Vereinten Nationen dürfte die Zahl der Städter im Jahr 2008 bei 3,3 Milliarden liegen. Das entspricht etwas mehr als 50 Prozent der Weltbevölkerung: ein historischer Rekord.
Der Trend wird sich danach noch verstärken: Bis 2030 erwartet das UN-Bevölkerungsprogramm UNFPA bereits fünf Milliarden Stadtbewohner. Der Jahresbericht 2007 mit den jüngsten Prognosen wurde am Mittwoch in New York sowie in London und Berlin vorgestellt.
Die Städte wachsen vor allem in Asien, Afrika und Lateinamerika. Dort wird sich die Stadtbevölkerung bis 2030 im Vergleich zum Jahr 2000 verdoppeln, heißt es in dem UNFPA-Bericht. In Asien dürfte der Anteil der Städter in diesem Zeitraum von derzeit 1,36 auf dann 2,64 Milliarden ansteigen, in Afrika von 294 auf 742 Millionen und in Lateinamerika sowie der Karibik von 394 auf 609 Millionen Menschen.
Die Vereinten Nationen sehen in der Verstädterung durchaus eine positive Entwicklung. "Seit Anbruch der Industrialisierung hat noch kein Land echtes Wirtschaftswachstum ohne den Ausbau seiner Städte erzielt", heißt es in dem Bericht. Die Chancen, in einer Stadt weiterzukommen, seien größer als auf dem Land. Allerdings müsse die Welt lernen, "die Vorteile der Urbanisierung voll auszuschöpfen". Das erfordere Langzeitstrategien, die Bereitstellung von Land für neuen Wohnraum und in vielen Fällen internationale Unterstützung.
Sorge bereitet den Experten des UN-Bevölkerungsprogramms die möglichen Folgen des Klimawandels. Ihren Daten nach leben 13 Prozent aller Asiaten, Australier und Neuseeländer in Küstennähe und könnten von dem erwarteten Anstieg der Meere direkt betroffen werden.
Überraschend erleben kleinere Städte mit weniger als einer halben Million Einwohner den größten Zuwachs, heißt es bei den UN weiter. Dagegen blieben Mega-Citys mit 10 Millionen und mehr Einwohnern deutlich hinter den Prognosen früherer Jahre zurück. Ohne die erforderlichen Maßnahmen greife indes hier die Armut noch schneller um sich als auf dem Land: Derzeit leben weltweit eine Milliarde Menschen - knapp jeder siebte Erdenbürger - in einem städtischen Slum.
Angesichts dieser Zahlen forderten die Experten der Deutschen Stiftung Weltbevölkerung (DSW) die Staaten auf, die sozialen Bedingungen in den Slums zu verbessern. "Die afrikanischen Städte sind schon heute restlos überfordert", sagte Renate Bähr von der DSW. Dort seien weder ausreichend Arbeitsplätze noch Wohnraum vorhanden. Besonders hart treffe es die Frauen. Viele seien in der Stadt nicht besser gestellt als auf dem Land. Sie würden schlecht bezahlt und oft Opfer von sexueller Gewalt.
- Datum 27.06.2007 - 09:02 Uhr
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- Quelle ZEIT online, dpa, Reuters
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