BundeswehraffäreHöhere Lösch-Gewalt

Ein Roboter soll schuld gewesen sein, dass haufenweise sensible Daten der Bundeswehr über Auslandseinsätze verschwunden sind. Andere sehen die Schwachstelle eher bei denen, die ihn bedienten.

Wichtigkeit ist immer eine Frage der Perspektive. Für die beiden Parlamentarischen Untersuchungsausschüsse, die sich mit dem Vorgehen der Bundeswehr und des Bundesnachrichtendienstes im Ausland befassen, ist jede Information über die Einsätze bedeutsam. Entsprechend verwundert und verärgert reagieren die Abgeordneten deshalb seit Tagen auf das Eingeständnis, dass eine beträchtliche Zahl digitaler Dokumente, die darüber Aufschluss geben könnten, im Zentrum für Nachrichtenwesen der Bundeswehr (ZNBw) verschwunden sind. Und verlangen Aufklärung.

Für die Bundeswehr dagegen scheinen die Daten von nicht ganz so großer Bedeutung zu sein. Anders ist es kaum zu erklären, dass ganze Jahrgänge der Datensätze umstandslos vernichtet wurden.

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Seit der unglaublich klingende Vorgang bekannt wurde, versuchen die Verantwortlichen, die Sache herunterzuspielen. Man wolle das Problem der gelöschten Daten nicht klein reden. Aber so wichtig seien die verlorenen Informationen nun auch nicht gewesen, lautet die Losung der Bundeswehr.

Selbst wenn das stimmen sollte – woran einige Politiker erhebliche Zweifel hegen –, einfach vernichten darf die Bundeswehr sie dennoch nicht. Zumindest sieht der Bundesdatenschutzbeauftragte Peter Schaar das so, und nicht nur er. „Wenn dort personenbezogene Daten zu dokumentieren sind, können die nicht einfach von den verantwortlichen Stellen gelöscht werden“, sagte Schaar ZEIT online . Es könne zwar immer mal vorkommen, dass Sicherungsdatenbänder nicht lesbar seien. „Dann muss man sich eben darum bemühen, sie wieder lesbar zu machen.“

Das jedoch scheint bei den Informationssammlern vom ZNBw in Grafschaft bei Bonn nicht oder nicht in ausreichendem Maß passiert zu sein. Nach dem, was die Bundeswehr bisher zu sagen bereit ist, wurden die fraglichen Speicherbänder mechanisch beschädigt und nach einem vergeblichen Rettungsversuch zerstört.

Zum Verständnis: Sogenannte Datensicherungsroboter bestehen aus einem Roboterarm und einem oder mehreren Archiven, in denen bis zu mehrere hundert Magnetbandkassetten lagern. Auf den Magnetbändern lassen sich wie auf einer Festplatte Daten speichern und auch wieder abrufen. Ein Programm bestimmt dabei, welche der Kassetten der Roboterarm in welcher Reihenfolge aus dem Regal nimmt und in ein Schreib- und Lesegerät einlegt.

Leserkommentare
    • QUOTE
    • 28.06.2007 um 9:28 Uhr

    ...an das Presseamt der Bundeswehr: laßt Eure Lügen doch bitte vor der Veröffentlichung von jemandem gegenlesen, der etwas davon versteht.

    "Laut Bundeswehr hat nun der im ZNBw eingesetzte Roboter einen Teil der Kassetten samt der darin enthaltenen Bänder zerdrückt"

    Ein Wort: UNMÖGLICH

    Das sind keine Roboterarme, wie man sie z.B. aus der Automobilindustrie kennt, die mit enormer Kraft arbeiten, um ganze Autotüren oder Kotflügel oder dergleichen zu heben - das sind speziell konstruierte Roboterarme, die ausschließlich für das Handling von Cassetten vorgesehen sind - die haben weder genug Kraft noch genug Spielraum, um eine Cassette zu beschädigen. Eigentlich müßte IBM, Siemens und Co. als Hersteller Euch für diese freche Lüge wegen RUFSCHÄDIGUNG belangen!

    Und was erzählt Ihr uns als nächstes?

    Daß Darth Vader mit einem Sternenzerstörer gelandet ist, und mit Hilfe der Sith-MACHT die Bänder entmagnetisiert hat?

  1. 2. omei

    jaja und alles eine große verschwörung wir sind in der matrix!! genau..

    sie brauchen doch nicht glauben das eine behörde derart diletantische fehler auch noch freiwillig zugibt wenn sie nicht stimmen würden, wenn eine lügengeschichte dann würde man sich eine ausdenken bei der man selbst noch einigermaßen unter gesichtswahrung davonkommt. zb ein brand ;-)

  2. Das ist wirklich unmöglich.
    Wieviele Bänder kann der Roboter zerdrückt haben? Er zerdrückt vielleicht eins oder zwei, danach bleibt er stehen. Oder ist er irgendwie total Amok gelaufen? Ich kann mir das nicht vorstellen.

    Bei einem Brand werden Bänder tatsächlich völlig zerstört, aber in diesem Fall? Für Experten in der Materie dürfte es kein Problem sein, die Daten von zerdrückten Bändern zu retten.

    Aber gibt es überhaupt Experten, die damals die Unwiederherstellbarkeit bescheinigt haben?

    Und warum wurde das Problem nicht schon damals bekannt?

    Ausserdem werden solche Daten doppelt und dreifach gesichert.

    Diese Sache stinkt bis zum Himmel.

    • QUOTE
    • 28.06.2007 um 10:46 Uhr

    Zitat: '„Weitere Sicherungskopien waren nicht realisierbar“, erklärt Wichert weiter. „Der Datensicherungsroboter erlitt nach der Archivierung der Daten einen technischen Defekt“.

    In einem anderen Gerät sei ein Teil der entsprechenden Bandkassetten nicht mehr lesbar gewesen. „Der Versuch diese Kassetten in einem Ersatzgerät auszulesen und somit die Daten wieder zugänglich zu machen scheiterte.“'

    Quelle: http://www.swr.de/report/...

    Hier ist überhaupt nicht davon die Rede, daß Bänder ZERSTÖRT worden seien, vielmehr wird explizit gesagt: "In einem anderen Gerät sei ein Teil der entsprechenden Bandkassetten nicht mehr lesbar gewesen. „Der Versuch diese Kassetten in einem Ersatzgerät auszulesen und somit die Daten wieder zugänglich zu machen scheiterte.“" - von ZERSTÖRUNG in dem Sinne, der JETZT behauptet wird - "Laut Bundeswehr hat nun der im ZNBw eingesetzte Roboter einen Teil der Kassetten samt der darin enthaltenen Bänder zerdrückt oder „mechanisch angegriffen“. Das Ergebnis sei schlimmer gewesen als üblicher Bandsalat in einem Kassettenrekorder. Es seien nur noch Bruchstücke übrig geblieben." - war am Anfang überhaupt nicht die Rede!

    Und jetzt hat C-3PO, ungeschickt wie er war, die Bänder fallengelassen, und R2-D2 ist mit seinen Rollen da drübergefahren, ja? Und das hat keiner gemerkt, daß da nur noch Bandsalat und Splitter waren in der Tape-Library, nein? Solange nicht, bis auf einmal jemand die entsprechenden Daten angefordert hat?

  3. . man kann sich das doch vorstellen

    da sitzen ein paar informatiker gelangweilt herum und kümmern sich um alte backups von bürokratischem zeug. (normalerweise schaut sich kein mensch mehr solche protokolle an und die versauern in archiven) und merken ups da haben wir mist gebaut, anstatt das nun dem vorgesetzten zu melden schmeißen wir die bänder einfach weg und kein mensch wird davon was merken. nun hat aber tatsächlich noch jemand genaue protokolle gebraucht und es flog auf.. so läufts doch im wahren leben ;-) immer diese verschwörungstheorien.. ihr schaut zuviel hollywood filme :)

  4. Jedes Bandlaufwerk und dazugehörige mechanische Speichersystem hat eine eindeutige Typenbezeichnung. Wenn es wirklich um Aufklärung ginge, würde man diese bekannt geben. Dann liesse sich sehr einfach feststellen, ob es überhaupt möglich ist, mit dieser Konfiguration Bänder so zu zerschreddern, dass sie danach nicht mehr restauriert werden können. Erste Aufgabe der Untersuchungskommission wäre es daher zunächst einmal Name, Typ und Seriennummer des Systems zu ermitteln und darüber unabhängigen Gutachterrat einzuholen. Aber vielleicht hat sich das System ja, nach erfolgter Datenzerstörung, selbst vernichtet. Das würde mich nicht wundern, zumal der Geheimdienst seine Finger im Spiel hatte und es dort wohl usus ist, dass sich geheime Botschaften nach erfolgter Übermittlung selbst zerstören. Zumindest wird das immer in den realitätsnahen Spionagefilmen so kolportiert...

    • KMurx
    • 28.06.2007 um 14:07 Uhr
    7. @kuste

    Der BOFH ist noch immer sehr aktiv:

    http://www.theregister.co...

    Aber der haette bessere 'Erklaerungen'.

    • pareg
    • 28.06.2007 um 14:58 Uhr

    Ich frage mich, was wohl schlimmer ist: wenn die Story mit den versehentlich gelöschten dateien stimmt oder absichtliche Sabotage.
    Bei versehentlicher Löschung müssen wir bei unserere inneren Sicherheit doch sehr skeptisch sein, wenn sie so stümperhaft arbeiten sollte. Bei solchen Anfängerfehlern erübrigen sich dann auch alle Forderungen von Herrn Schäuble nach weiterer Datensammelei.
    Bei absichtlicher Sabotage kann man auch nur entsetzt sein, denn dann wird dies bei einer genauen Untersuchung durch Fachleute ans Licht kommen. Verhherend für das Vertrauen in die Behörden, die für unsere Sicherheit arbeiten. Ein paar Schlapphüte sollten ihren Hut nehmen.

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