Klimaschutz

Kampf um den Energiemix

Am Dienstag lädt Angela Merkel zum Energiegipfel. Dabei geht es um milliardenschwere Investitionen für die Zukunft. Die Energiekonzerne wollen die Gespräche scheitern lassen, sie fürchten um ihre satten Extra-Gewinne.

Wenn sich Politiker und Manager in diesen Tagen über die Zukunft der Energieversorgung in Deutschland streiten, wird mit Kraftausdrücken nicht gespart. Von „Erpressung“ ist da die Rede und von „Obstruktion“, von „gebrochenen Versprechen“ und „Panikmache“ sowie von „Wirtschaftsstalinisten“ oder „ökologischen Traumtänzern“. Die gegenseitigen Vorwürfe sind heftig, die Wortwahl scharf, und dass es so hoch her geht, ist mitnichten ein Zufall.

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Am Dienstag kommender Woche treffen sich die Manager der deutschen Energiewirtschaft im Berliner Kanzleramt mit Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) und Umweltminister Sigmar Gabriel (SPD). Offiziell spricht die illustre Runde über ein Energiekonzept, mit dem die Bundeskanzlerin ein gegenüber der EU gegebenes Versprechen halten kann. Bis zum Jahr 2020 will Deutschland demnach den jährlichen Kohlendioxidausstoß im Vergleich zu 1990 um 40 Prozent senken. Erreicht sind bislang 18 Prozent, es gibt also noch viel zu tun. Tatsächlich aber geht es bei den Gesprächen um sehr viel mehr. Es geht um die Zukunft der Energiewirtschaft, um den Energiemix, mit dem in den kommenden Jahrzehnten in Deutschland Strom produziert wird.

Die deutsche Energiewirtschaft steht vor einem epochalen Umbruch. Ein Großteil der deutschen Kraftwerke wird in den nächsten Jahren erneuert. Kraftwerkskapazitäten in der Größenordnung von mindestens 30.000 Megawatt, und damit ein Viertel der Gesamtkapazität, müssen ersetzt werden. Darüber hinaus müssen die Stromnetze ausgebaut werden.

Milliarden-Investitionen haben die Stromkonzerne geplant, zum Beispiel in den Neubau von 27 Kohlekraftwerken. Doch diese belasten die C02-Bilanz, vor allem jene Anlagen, die auf den Klimakiller Braunkohle setzen. Es ist auch ein Verteilungskampf. Würden stattdessen klimaschonende Gaskraftwerke gebaut, profitierten davon andere Energieversorger. Je dezentraler der Strom produziert wird, desto weniger Geld fließt insgesamt in die Kassen der vier großen Konzerne. Bei Sonne, Wind und Biomasse sind schließlich auch viele mittelständische Anbieter mit im Spiel.

Es geht bei dem Energiepoker also um die Deutungshoheit im energiepolitischen Diskurs sowie um die nicht ganz unwichtige Frage, wer am Ende wie viel verdient. Somit ist es kein Wunder, dass von einem drohenden Scheitern des Energiegipfels im Vorfeld vor allem diejenigen reden, die dabei am meisten zu verlieren haben: E.on, RWE, Vattenfall und EnBW. In den letzten Jahren haben die vier großen deutschen Stromkonzerne schließlich recht gut verdient. Sie haben ihre Quasi-Monopolstellung ausgenutzt und mit dem Strom aus überalterten sowie abgeschriebenen Kraftwerken Milliardenrenditen eingestrichen. Inzwischen allerdings schwant deren Managern, dass die Zeit des leicht verdienten Geldes vorbei sein könnte.

Die EU fordert mehr Wettbewerb im Stromnetz. Ab dem kommenden Jahr müssen die Konzerne zudem einen Teil ihrer CO2-Emissonsrechte ersteigern. Vor allem aber soll der Energiegipfel die Weichen stellen für eine Energiepolitik, mit der die Bundesregierung ihre ehrgeizigen Klimaziele erreichen kann. Der Acht-Punkte-Plan zur Vorbereitung des Energiegipfels, den Umweltminister Sigmar Gabriel vorgelegt hat, ist entsprechend ambitioniert. Von einem „Quantensprung in der Entwicklung der Industriegesellschaft“ spricht dieser, man könnte allerdings auch von der Quadratur des Kreises sprechen. Denn bei der zugesicherten Reduzierung von Treibhausgasen will dieser einerseits am rot-grünen Atomausstieg festhalten und weiter die dreckige Braunkohle nutzen. Andererseits will der Sozialdemokrat alles vermeiden, was in den Ohren der Wähler wie Verzicht klingt und auf drohenden Komfortverlust hindeuten könnte. Die Deutschen sollen das Klima retten, ohne weniger zu fliegen, seltener zu duschen oder langsamer Auto zu fahren.

Bundeskanzlerin Angela Merkel lässt ihren sozialdemokratischen Umweltminister gewähren, obwohl die Christdemokratin dem Atomausstieg eher skeptisch gegenübersteht. Doch alles andere würde auf einen veritablen Koalitionskrach hinauslaufen. Wirtschaftsminister Michael Glos (CSU) sagt allerdings deutlich, was er vom vereinbarten Abschalten aller deutschen Atomkraftwerke bis 2022 hält: nichts.

Gabriels Lösung hingegen heißt erstens Energieeffizienz. Diese soll in Deutschland bis zum Jahr 2020 verdoppelt werden. Dies bedeutet, der Wirkungsgrad von Endgeräten und die Wirtschaftlichkeit des gesamten Energieversorgungssystems müssen bis dahin jedes Jahr um drei Prozent gesteigert werden. Zweitens will der Minister den Anteil der erneuerbaren Energien an der Stromerzeugung von derzeit 10 auf mindestens 27 Prozent, den Anteil an der Wärmeerzeugung auf 14 Prozent steigern. Darüber hinaus setzt er unter anderem auf Kraft-Wärme-Kopplung, Gebäudesanierung sowie auf sparsame Autos, die Biosprit tanken.

In einer Studie hat die Bundesregierung berechnen lassen, dass die Klimaziele so erreicht sind. Zugleich legen die Wissenschaftler des Prognos-Instituts und das Energiewirtschaftliche Institut der Universität Köln in dieser Studie auch dar, dass der Kohlendioxidausstoß sogar noch stärker gesenkt werden könnte, würden die Laufzeiten der Atomkraftwerke verlängert (siehe Grafiken). Allerdings zeigt die Studie vor allem, dass die Diskussion über die Zukunft der Atomkraft zweitrangig ist, wenn es tatsächlich gelingt, die Energieeffizienz in Deutschland im geplanten Umfang zu erhöhen.

Der Widerstand gegen die Pläne der Bundesregierung ist jedoch massiv. Vor allem die großen Energiekonzerne laufen dagegen Sturm. „Unrealistisch“ seien die Ziele. Die Annahmen zur Steigerung der Energieeffizienz, die ihnen zugrunde liegen, „völlig willkürlich“. Diese lasse sich nicht so schnell steigern, und die Klimaziele seien deshalb nur erreichbar, wenn die Bundesregierung sich vom Atomausstieg verabschiede. E.on-Chef Wulf Bernotat wirft der Bundesregierung „konzeptloses Herumdoktern“ in der Energiepolitik vor. Und um ihren Forderungen Nachdruck zu verleihen, drohen er und seine Kollegen damit, die Strompreise deutlich zu erhöhen sowie Kraftwerke zukünftig im Ausland zu bauen und damit Milliarden-Investitionen aus Deutschland abzuziehen.

Auch der Bundesverband der Deutschen Industrie (BDI) glaubt nicht daran, dass sich die Energieeffizienz der Industrie jährlich um 3 Prozent steigern lasse, schließlich sei diese in den letzten 17 Jahren im Durchschnitt lediglich um 0,9 pro Jahr gestiegen, schon jetzt sei die Energieeffizienz in Deutschland Weltspitze. Dabei gehen Experten davon aus, dass sich die Energieeffizienz der Industrie durch intelligente Maßnahmen sogar vervierfachen lasse. Doch der Industrieverband scheut teure Investitionen und fürchtet explodierende Strompreise. In einer Erklärung wirft dieser der Bundesregierung vor, sie treibe stromintensive Industriebetriebe ins Ausland und nehme die „schleichende Deindustrialisierung“ Deutschlands in Kauf. Der Druck der Wirtschaft ist massiv. Der BASF-Chef Jürgen Hambrecht stellt gar den Klimawandel also solchen in Frage, spricht von „Angstmache“, fordert „Augenmaߓ bei der Energiewende und vor allem fordert er den Vorrang des wirtschaftlichen Erfolges.

Umweltminister Sigmar Gabriel wehrt sich gegen die Kritik, er wirft einigen Industrievertreten vor, nichts gegen den Klimawandel zu tun, sondern „nur abkassieren“ zu wollen. Energiegipfel hin oder her, im Herbst will der Minister Fakten schaffen. So will er zum Beispiel mit einer Milliarde Euro das Sparen von Energie in Industrie, Gewerbe und privaten Haushalten fördern. Zudem soll das CO2-Gebäudesanierungsprogramm von 1,4 auf 3,5 Milliarden Euro aufgestockt werden. Ob er dafür Geld von seinem Finanzminister bekommt, ist allerdings noch offen.

Frisches Geld fordert auch die Windenergie-Branche. Sie will die Bundesregierung bei der  Erreichung der Klimaziele unterstützen. Der Präsident des Bundesverbands Windenergie, Hermann Albers, ist natürlich davon überzeugt, dass diese erreichbar seien. Allein die Windbranche könne im Jahr 2020 einen Viertel des Strombedarfs decken, sofern in der Nordsee Offshore-Windparks gebaut würden. Doch ohne Subventionen geht bei den alternativen Energien bislang nichts, und so fordert Albers denn auch eine Novellierung des Erneuerbare Energien Gesetzes (EEG) sowie eine höhere garantierte Vergütung. Der Wunsch ist längst erhört worden. Von 9 auf 12 Cent pro Kilowattstunde soll diese nach Plänen des Umweltministeriums für Strom aus Windanlagen steigen.

Wenn es soweit ist, dann wollen sich auch die großen Energiekonzerne an den Investitionen auf hoher See beteiligen. Sie wissen längst, dass sich auch mit alternativen Energien gute Geschäfte machen lassen. Am kommenden Dienstag jedoch wird in erster Linie noch einmal über die alten Energien gestritten. Trotz der Kraftmeiereien im Vorfeld werden die Teilnehmer des Energiegipfels sich wohl freundlich unterhalten und abschließend dann mit allgemeinen Worten wieder ihren Dissens umschreiben. Und vermutlich haben nicht einmal CDU und SPD großes Interesse an einem sichtbaren Kompromiss. Denn dafür ist die Energie ein viel zu schönes Wahlkampfthema für die Bundestagswahl 2009.

 
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Leser-Kommentare

  1. gleich kommen wieder die ideologen die sich über kernkraft streiten.
    zuvor wollte ich die ruhe nutzen und sagen, wie es z.b. in bayern ist. der energiemix (schwankt ja ständig) ist in etwa so: 65% des stroms aus kernkraft, 18% aus erneuerbaren energien (vorallem wasserkraft) und der rest zugekauft aus dem deutschen und europäischen ausland. also besteht in bayern 83% des stroms aus nicht-klimaschädlichen quellen (fossile kraftwerke existieren in bayern schlicht keine). die restlichen 17% könnte man leicht durch energieffizient und weiteren ausbau der erneuerbaren energien (biomasse) schließen. ohne windräder, teure solaranlagen die beide ja auch noch nachts, oder bei ungünstigem wetter garkein strom liefern. atom, wasser und biomasse sind rund um die uhr verfügbar.

    so oder so ähnlich kann der energiemix auch im restlichen deutschland aussehen. und bei atom, die kernkraftwerke sind technologisch aus den 60ern und 70ern, keiner würde in ein solch veraltetes auto steigen und täglich in die arbeit pendeln über die autobahn. oder solarpanele und windräder aus den 70ern mit heutigen vergleichen. moderne kernkraftwerke (die ihre abfälle immer wieder recyclen) lassen sich technologisch noch effizienter machen und zb. in einem atombunker anlegen (nur das die strahlung eben drinnen anstatt draußengehalten wird) so das beim unnwahrscheinlichen GAU die strahlung nur lokal begrenzt frei wird. an den argumenten der anti-akw leute hat sich zwar seit 30 jahren nix mehr getan, an der technologie aber sehr wohl wie in jedem anderen bereich auch. die jetigen AKWs müssen sicherlich möglichst bald vom netz, die sind einfach veraltet und verschlißen.

    letzendlich können wir uns keine ideologie mehr leisten, die zeit haben wir nichtmehr.wir brauchen pragmatische abwägung, auch was das risiko einer kernschmelze ist im vergleich zu den folgen des klimawandels - unter berücksichtigung der tatsache das wir nicht aufhören werden computer, u-bahnen oder klimaanlagen zu benutzen (das wird nicht passieren) also weiterhin strom brauchen

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    "...
    letzendlich können wir uns keine ideologie mehr leisten..."

    ... und unser lieber flexton argumentiert völlig unideologisch und wertfrei ???

    Seine Betrachtungen zum - ich interprtiere: zu akzeptierenden - "Risiko einer Kernschmelze" kann ich einfach nur zynisch nennen; offenbar lebt er wirklich nicht in der Nähe von Hamburg (obwohl auch das letzten Endes egal ist) - oder er ist so betagt und kinderlos, daß ihm alles "wurscht" ist.

    Ich möchte ihn bitten, die gegenläufigen Meinungen in dieser Kommentarseite, etwa " Zwei Fragen", (selbst-) kritisch zur Kenntnis zu nehmen.

    Ergebnisreiches Nachdenken wünscht

    CHY

    PS:
    Feministinnen mögen sich von der von mir gewählten männlichen Anrede nicht (v)erschrecken lassen, dahinter steckt nur eine Vermutung - wenn diese falsch ist, bitte ...

  2. gibt es auch die Voraussagen des Mühlhiasl und des Alois Irlmaier (s. z.B. Wikipedia), die sehr nach schlimmen nuklearen Störfällen aussehen. Flexton, wohnen Sie in der Nähe von Straubing?

    Na ja, so sind sie halt, die Bayern. Glauben einerseits an höhere Dimensionen des Raumes und der Zeit und heizen auf der anderen Seite ihre schmucken Häuser mit Atomstrom.

    Vielleicht wäre Atomstrom gar keine schlechte Idee, wenn man die zig-tausend atomaren Sprengköpfe endlich sinnvoll, d.h. für die Energienutzung, einsetzte (statt für die potenzielle Zesrstörung der Welt). Dann könnte ruhig auch der Iran sein Öl im Boden lassen und Atomkraftwerke errichten. Vielleicht wollen ja die Amis einige ihrer Sprengköpfe dafür zur Verfügung stellen?

  3. Statt das Uran in den sicheren deutschen Atomkraftwerken zu verbrauchen, werden jetzt 40 neue in Russland gebaut. Wie das ausgeht, haben wir in Tschernobyl, Chelyabinsk usw. gesehen.
    Die 40 neuen AKWs können sich die Russen übrigens nur leisten, weil Russland riesige Gewinne mit dem Erdgas/Erdöl Geschäft bei uns macht. ( Stichworte Schröder, Gazprom)
    Wir bezahlen diese 40 Tschernobyls also sogar noch! Das alles ist Ergebnis Rot-Grüner Politik! Übrigens wird dank des Atomausstiegs auch noch verhindert das sichere deutsche AKWs exportiert werden. Das Export-Geschäft machen jetzt auch die Russen mit ihrer billigen Tschernobyl Technik! z.B. im Iran. Eine wirklich tolle Leistung von Rot-Grün. Sigmar Gabriel und Kurt Beck die zusammen immer noch weniger von Kernkraft verstehen als Knut, bemühen sich nach Kräften an diese dämliche Rot-Grüne Tradition anzuknüpfen. J.S.

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    "Das Export-Geschäft machen jetzt auch die Russen mit ihrer billigen Tschernobyl Technik! z.B. im Iran. Eine wirklich tolle Leistung von Rot-Grün. Sigmar Gabriel und Kurt Beck die zusammen immer noch weniger von Kernkraft verstehen als Knut, bemühen sich nach Kräften an diese dämliche Rot-Grüne Tradition anzuknüpfen. J.S."

    Also, J.S., ohne persönlich werden zu wollen, aber ich finde es ganz gut, daß Herr Gabriel zumindest mehr von der Thematik versteht als Sie. Was Knut betrifft... lassen Sie sich keinen Bären aufbinden, soviel versteht der auch nicht davon ;-)

    nix fia unguad,
    ngobiyane

  4. bayern lieben ihre heimat, sie würden sowas wie atomkraft nie unterstützen (nach wie vor tun sie das mehrheitlich) wenn es akute gefahren gäbe. die gefahr des klimawandels ist viel bedrohlicher, die gesamte alpenregion von südtirol bis südbayern wäre bedroht von austrocknung, ständigen überschwemmungen bei extremniederschlägen und murenabgängen, sterben der riesigen fichtenwälder etc. so das es hier im allgäu in 100 jahren wie in der spanischen sierra nevada oder italienischen toskana aussehen würde. so schön urlaub da sein mag, das wollen wir nicht. darum ists eine knallharte pragmatische risikoabwägung.

  5. Frage 1:
    Warum spricht keiner bei der Diskussion über die Atomkraft über den radioaktiven Dreck, den wir unseren Kindern und Kindeskindern hinterlassen? Wo bleibt eigentlich unsere Verantwortung für eine lebenswerte Welt nachfolgender Generationen?

    Frage 2:
    Warum dürfen Industrieunternehmen wie die Stromkonzerne mit erwarteten Gewinnen und Verlusten argumentieren, werden aber nicht an ihrer sozialen Pflicht für die Gesellschaft, die ihnen die Gewinne ermöglicht gemessen? Stehen Industrieunternehmen außerhalb unserer gesellschaftlichen Normen für das Miteinander?

    • 30.06.2007 um 20:07 Uhr
    • CHY

    "...
    letzendlich können wir uns keine ideologie mehr leisten..."

    ... und unser lieber flexton argumentiert völlig unideologisch und wertfrei ???

    Seine Betrachtungen zum - ich interprtiere: zu akzeptierenden - "Risiko einer Kernschmelze" kann ich einfach nur zynisch nennen; offenbar lebt er wirklich nicht in der Nähe von Hamburg (obwohl auch das letzten Endes egal ist) - oder er ist so betagt und kinderlos, daß ihm alles "wurscht" ist.

    Ich möchte ihn bitten, die gegenläufigen Meinungen in dieser Kommentarseite, etwa " Zwei Fragen", (selbst-) kritisch zur Kenntnis zu nehmen.

    Ergebnisreiches Nachdenken wünscht

    CHY

    PS:
    Feministinnen mögen sich von der von mir gewählten männlichen Anrede nicht (v)erschrecken lassen, dahinter steckt nur eine Vermutung - wenn diese falsch ist, bitte ...

  6. Unideologisch kann man feststellen das durch den Atomausstieg die Gefahr einer katrastrophalen Kernschmelze steigt und das langfristig sogar in Deutschland.
    Unsere Kinder werden auch Energie brauchen, aber das Know How um sichere Kernkraftwerke zu bauen, wird dank des Atomausstiegs nicht mehr vorhanden sein. Darüber hinaus werden unsere Kinder viel Geld für Energie aus dem Ausland ausgeben müssen. Also werden sich unsere Kinder die teuren aber sicheren AKWs nicht mehr leisten können und nicht mehr wissen wie man sie selber baut.
    Letztlich werden auch unsere Kinder mit billigen AkWs aus russischer Produktion vorlieb nehmen müssen. Tschernobyl lässt Grüßen! J.S.

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    Lieber JdotSdot,
    "Deutsche" KKWs gibt´s schon lange nicht mehr, und unsere Väter wissen schon nicht mal mehr, wie man sie baut, die hat Siemens nämlich alle schon in Frührente geschickt. Im Moment konstruiert auf deutschem Boden nur noch Areva KKWs, und die sind ja bekanntlich (?) aus Frankreich. Areva plant zumindest den nuklearen Teil - der Dampfteil wird von anderen Anbietern geliefert, u.a. Siemens.

    Und "teure KKWs aus dem Ausland", die man sich nicht leisten kann, halte ich für ein Gerücht. Erstens sind KKWs generell nicht ganz billig (so um die 5 Mill.), und zweitens haben wir eine Marktwirtschaft. E.On und Konsorten werden sich also von GE, AREVA, Toshiba und Mitsubishi HI Angebote einholen - im Fall der Fälle. Alle nicht sehr deutsch, aber auch nicht sehr russisch....

    Im Übrigen hoffe ich, dass "unsere Kinder" schlauer sein werden als deren Väter, und keine KKWs mehr benötigen werden.

    Gruß,
    ngobiyane

  7. .. sie vergleichen auch keinen bmw mit einem russischen auto, also amchen sie das bitte auch nicht mit den jeweiligen AKW.

    weiterhin ist der nukleare abfall schon da, die neueste kraftwerksgeneration kann diesen aber wiederverwenden (solange bis er nur noch schwachradioaktiv ist - so wie das natürlich vorkommende uran; spaltmaterial können wir ja nicht "herstellen" sondern nur im bergwerk abbauen und weiterverarbeiten)
    ich wohn eine halbe stunde vom KKW gundremmingen entfernt, das ist deutschlands größter reaktor. ist übrigens kein anzeichen von sachlichkeit leute persönlich anzufassen wenn einem die sachlichen argumente ausgehen. außerdem ist es nicht ideologisch was ich sage, ich behaupte nicht das erneuerbare energien schlecht sind und auch nicht das atomkraft per se "sicher" sei. risiken lassen sich aber minimieren und es ist eben wie gesagt die abwägung zwischen einem weiter so und zwischen realistischen (d.h. finanzierbaren und somit durchsetzbaren) alternativen. wenn man zum utopischen fantasieren anfängt wäre vieles wünschenswert.
    leute die sich solchen gedanken hingeben sind meiner meinung nach auch nicht aufrichtig. sie selbst wissen ja dass das unrealistisch ist, anstatt sich also mit den realitäten auseinanderzusetzen und einen mittelweg zu finden, was nicht leicht ist, beharren sie auf toll klingenden wohlfeilen positionen die man zumindest polemisch mit millionen argumenten verteidigen kann und sich dabei noch ganz toll und "gerecht" fühlen kann. aber wir sind hier weder am stammtisch noch in der uni mensa bei den politologie-studis

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    fuer mich ist der eigentliche kern des problems, dass bei der diskussion und beim entscheiden innerhalb der politik (egal welches thema), immer die wirtschaft - sprich das geld, sprich der insgesheime wille, selber gut und mit ein bischen mehr in der tasche, aus der sache rauszukommen - mit am tisch sitzt.
    ideal faende ich, auch wenn es utopisch ist, wenn politik eine reine, selbstlose und reflektierte wissensdiskussion mit notwendigen konsequenzen waere.
    wer weiss, wie gut es unserer umwelt ginge, welche sinnvollen technologien wir schon haetten, wie wenig kriege es gaebe etc..
    geld macht blind und unfaehig, richtige entscheidungen zu treffen. man argumentiert doch immer, man muesse alle interessen beruecksichtigen, doch fuer alle einen konsens finden. ich habe mittlerweile das gefuehl, dass mit "allen" gemeint ist: einmal der mensch und zum anderen unsere verknechtung an den kapitalismus und der sich im festen griff befindlichen politik.
    denn welcher mensch im reinen mit sich, plaediert fuer krieg , patentrechte auf arzneimmitteln, technologien, die nachhaltig ein problem erzeugen (atommuell)? eigentlich niemand. aber nehmen wir das geld hinzu, ticken wir aufeinmal anders. und jeder hat so seine vorstellung, mit welchen argumenten er seine unbewussten motivationen verschleiert.

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  • Von Christoph Seils
  • Datum 29.6.2007 - 14:57 Uhr
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