Donnerstagabend, ein beliebiges Multiplex-Kino in Deutschland. Das Filmangebot gleicht einem Zahlenlabyrinth: Im größten Saal läuft seit heute Die Hard 4.0 , der vierte Teil einer Actionfilmreihe, die nach zwölfjähriger Unterbrechung fortgesetzt wird. Gleich nebenan: Shrek 3. Wieder eine Tür weiter läuft Fluch der Karibik 3 . George Clooney und Brad Pitt sind in Kino 4 zu sehen: in der dritten Neuauflage einer Gangsterkomödie, Ocean’s 13 . Weiter hinten, ein Gruselschocker: Hostel 2 . Überall dazwischen stehen Pappfiguren mit Zauberumhängen. Sie weisen auf den Beginn des nächsten Blockbusters hin. Harry Potter , Teil 5, kommt im Juli.

Die Fortsetzungswelle rollt , und sie macht vor keinem Genre halt. Ganz gleich, ob Kinder- Action-, Horror- oder Liebesfilm: Jeder Stoff ist erweiterbar. Im Wochentakt laufen derzeit sogenannte Sequels an. Das amerikanische Branchenblatt Variety hat ausgerechnet, dass in der diesjährigen Kino-Hauptsaison ein gutes Drittel aller Filme Fortsetzungen sein werden, so viel wie nie. Was früher eine Ausnahme war, hat inzwischen Strategie. Es kann kein Zufall sein, dass innerhalb von wenigen Monaten Rocky , Rambo , Indiana Jones und all die anderen alten Helden nach langjähriger Leinwandabstinenz wiederkehren. Hat Hollywood einen Trend erkannt, wird er ausgeschlachtet.

Aber auch die deutsche Filmindustrie kopiert fröhlich sich selbst. In diesem Jahr starten: Die wilden Kerle 4, Neues vom Wixxer und Die wilden Hühner und die Liebe . Woher rührt nur der globale Film-Recyclingwahn?

Zunächst sind es materielle Gründe. Das Risiko minimiert sich, wenn eine erfolgreich getestete Vorlage wieder umgesetzt wird. Was einmal den Nerv des Publikums getroffen hat, tut es oft auch ein zweites Mal. Der verfilmte Stoff verfügt bereits über einen hohen Bekanntheitsgrad, muss sich die Aufmerksamkeit nicht erst erkämpfen. Zudem machen Fortsetzungen auch diejenigen neugierig, die schon einmal darüber gestolpert sind, die Originale aber verpasst haben.

Die zweiten Teile von Shrek , Fluch der Karibik oder Ice Age spielten im vergangen Jahr weit mehr Geld ein als die Originale. Bis heute zählen sie zu den erfolgreichsten Filmen überhaupt. Der beste Kinostart aller Zeiten gelang Sony in diesem Frühjahr mit dem dritten Teil von Spider-Man : Der Film spielte 148 Millionen am ersten Wochenende in den USA ein, bei der weltweiten Premiere etwas später 375 Millionen. In der Filmbranche gilt es inzwischen als ausgemacht, dass das Jahr 2005 nur deshalb ein Krisenjahr für das globale Kino gewesen ist, weil kein großer Fortsetzungsfilm anlief. Im Jahr 2006 polierten dann die zweiten Teile von Ice Age und Fluch der Karibik die Bilanz auf, ebenso wie der neue James Bond-Film, Casino Royale .