Internet Aufstand in den WohnzimmernSeite 2/2

Dass dies mit der Anmeldung ohne jegliche Identitätsprüfung gelingt, ist keine Frage. Allerdings gibt es längst Alternativen zu dem derzeitigen Verfahren oder gar der extrem aufwendigen Postidentifikation, mit der Banken arbeiten. In Spanien zum Beispiel überprüft Fon die Identität von Aliens per SMS . Nutzer senden dabei eine Nachricht an eine Telefonnummer und bekommen dann den Zugangscode aufs Handy geschickt, erst dann können sie das Fon-Netz nutzen. Auf diese Weise ist neben Namen und E-Mail-Adresse, die sich immer fälschen lassen, zumindest eine funktionierende Handynummer bekannt. Wieso ist das nicht auch in Deutschland von Anfang an eingeführt worden? „Wir probieren verschiedene Verfahren im Feldversuch aus und schauen, wie Nutzer auf den Service reagieren“, sagt Robert Lang. Mittlerweile reagiert das Unternehmen aber auf die Kritik aus den eigenen Reihen. In wenigen Wochen soll die SMS-Verifikation auch in Deutschland eingeführt werden.

Um die derzeitige Aufruhr an der Basis zu verstehen, muss man sich die Idee von Fon vor Augen führen. Das Unternehmen ist laut eigener Auskunft nicht nur die weltgrößte Gemeinschaft von WLAN-Betreibern, es versteht sich auch als soziale Bewegung im Web. Viele Foneros sind tief überzeugt von der altruistischen Ausgangsidee – teile mit anderen und sie werden mit dir teilen. Sie begreifen sich nicht als Kunden oder Nutzer, sondern als Teil dieser Bewegung – etwas, das im Übrigen auch von Fon eingefordert wird. Dass die Zentrale trotzdem und entgegen dieser Versprechungen immer wieder von oben herab entscheidet und ihre Bedenken und Kritik nicht ernst nimmt, kränkt die Foneros. Die laxen Standards bei der Anmeldung von Aliens sind vor diesem Hintergrund nicht nur ein Sicherheitsproblem, sie werden als Vertrauensbruch gesehen.

Fon wurde im Jahr 2005 in Madrid gegründet und hat mit Hilfe seiner Mitglieder mittlerweile ein weltweites Funk-Netz aufgebaut. Nach eigenen Angaben sind global 400.000 Nutzer registriert, 150.000 von ihnen betreiben einen eigenen Zugangspunkt. In Deutschland sollen es derzeit 25.000 Punkte sein, und jeden Monat kommen weitere hinzu. Noch ist das Netz zwar selbst in Städten wie Berlin oder Hamburg nicht flächendeckend, aber schon jetzt finden sich dort wesentlich mehr Fon-Hotspots als solche von Konkurrenten wie T-Com.

Die derzeitige Aufregung betrifft zwar fast ausschließlich den harten Kern der Foneros, die, die in den Foren aktiv und meist auch technisch versiert sind. Trotzdem wird der weitere Erfolg von Fon auch davon abhängen, ob es dem Unternehmen gelingt, diese aktiven und idealistischen Mitglieder mit einzubeziehen. „Viele Verbesserungsvorschläge bekommen wir aus der Community, wir nehmen das Feedback sehr ernst“, beteuert auch Robert Lang. Jetzt muss das nur noch glaubhaft an die Basis vermittelt werden.

 
Leser-Kommentare
  1. ohmann, eure überschriften werden auch immer dramatischer ;o)

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