Investmentclubs Von den Banken verlassen

Die Idee klingt verlockend: Anleger tun sich zusammen, um basisdemokratisch das gemeinsame Geld zu investieren. Doch die Banken verweigern die Zusammenarbeit. Ein Institut wittert darin seine Chance

Vielleicht muss man sich die Mitglieder eines Investmentclubs ein bisschen so vorstellen wie die Besucher eines Pferderennens kurz vor dem Start. Sie kommen zusammen, um darüber zu fachsimpeln, welches Tier wohl das leichtfüßigste ist, am schnellsten ins Ziel kommt oder den Hindernisparcours besonders gewandt überwindet. Auf den Favoriten setzen sie und fiebern, dass sein Sieg ihnen einen ausgiebigen Geldregen beschert. 

Zugegeben, ein wenig hinkt der Vergleich. Ganz so glamourös und elitär wie im britischen Ascot, wo Lords und Ladies sich anlässlich des traditionsreichen Derbys ihr Stelldichein geben, geht es in deutschen Investmentclubs sicher nicht zu. Vielmehr handelt es sich um ziemlich basisdemokratische Veranstaltungen, deren Reglement jede Caprice von vornherein ausschließt. Gewettet wird erst, wenn alle sich einig sind, auf welches Pferd zu setzen sei. Extratouren sind nicht erlaubt.

Anzeige

Konkret funktioniert das so: Der Club trifft sich, ob in der Gaststätte beim Bier, im Seminarraum einer Uni oder im Nebenzimmer der örtlichen Sparkasse, und debattiert, welche Geldanlage im Moment am aussichtsreichsten sein könne. Ob Aktien, Anleihen oder Zertifikate – alles ist möglich. Soll man das gemeinsame Kapital auf einen deutschen Autobauer setzen, einen französischen Stromversorger oder lieber einen asiatischen Handyproduzenten? Lieber einen breit streuenden Fonds kaufen, oder doch Staatsanleihen? Muss man nicht die Anteile jenes Konzerns, die gerade besonders stark gefallen sind, verkaufen, oder wartet man besser ab, bis sie sich wieder fangen? Mitreden und mitentscheiden darf jeder. Durchschnittlich sind es 20 bis 25 Kleinanleger, die sich in einem solchen Investmentclub einig werden müssen.

Man stellt sich lebhaft vor, wie kompliziert und langwierig das sein kann. Doch möglicherweise lohnt die Anstrengung: Wer einem Anlegerverein angehöre, könne aus den Diskussionen zusätzliche Informationen ziehen, die er als Einzelkämpfer nicht bekommen hätte, wirbt die Deutsche Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW), der Dachverband aller Investmentclubs. Er könne zudem sein Risiko streuen, ohne allzu viel Kapital einzusetzen, weil er ja sein Erspartes mit dem anderer zusammenlegt und sich dadurch quasi von selbst eine höhere Anlagesumme ergibt. Auch sollen die Debatten, sagt der DSW, unüberlegte Bauch-Entscheidungen verhindern.

Es sind gar nicht so wenige Anleger, die das attraktiv finden. Fast 7000 Investmentcubs gibt es in Deutschland. Ihre Mitglieder zählen durchschnittlich etwa 50 Jahre, doch Junge kommen ständig nach, etwa durch Neugründungen an Universitäten.

Selbst der Zusammenbruch der Börsen in den Jahren 2001 bis 2003 hat die Anziehungskraft der Clubs nicht geschmälert. Ihre Zahl blieb stabil und steigt seit einiger Zeit sogar wieder an. Seitdem auch die Kurse wieder klettern, könnte alles so schön sein – wenn nicht plötzlich manche der Banken, die die Vereinsdepots führen, Schwierigkeiten machten. Die Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW), der Dachverband der Investmentclubs, schlägt nun Alarm: Etliche der Kreditinstitute, vor allem Consors, die Citibank und die DAB-Bank, hätten ihren Clubkunden bereits die Depots gekündigt. Rund 3500 der Anlegervereine – das wäre die Hälfte – seien betroffen.

Schreiben Sie den ersten Kommentar!

    Bitte melden Sie sich an, um zu kommentieren

    Service