IWF & Weltbank Halbherzige Forderungen

Europa und die USA teilen die Leitung von IWF und Weltbank seit je her unter sich auf. Diese Postenschieberei passt jedoch nicht mehr in die heutige Welt. Ein Kommentar

Gerade ist der IWF-Chef Rodrigo de Rato „aus persönlichen Gründen“ zurückgetreten, da geht in Brüssel wie in Europas Hauptstädten das Geschachere um seinen Nachfolger los. Jüngste Wortmeldung zum Thema: „Ich favorisiere einen europäischen Kandidaten“, sagte am Freitag EU-Währungskommissar Joaquín Almunia gegenüber der ZEIT . Eine Wortmeldung, die manche für selbstverständlich halten – und andere für skandalös.

Beim Internationalen Währungsfonds (IWF) in Washington ist es eine jahrzehntealte Tradition, dass der Chef des IWF aus den Reihen der Europäer bestellt wird. Eine ungeschriebene Abmachung, ein Gewohnheitsrecht. Die Amerikaner besetzen dafür die Spitze der Weltbank. Kürzlich erst wieder, als der Amerikaner Paul Wolfowitz skandalumwittert zurücktreten musste und die Bush-Regierung gleich einen anderen Amerikaner, Robert Zoellick, auf seinen Posten setzte. Soweit also das Selbstverständliche an der Äußerung Almunias.

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Das Skandalöse hat damit zu tun, dass solche Postenschieberei nach der Ansicht vieler Kritiker nicht mehr in die heutige Welt passt. Die alten Industrienationen mögen die Vorherrschaft in solch mächtigen Institutionen unter sich aufgeteilt haben – aber eigentlich verschiebt sich das Gewicht der wirtschaftlichen Aktivität auf neue Länder in anderen Erdteilen. Da finanzieren Schwellenländer wie China zu einem wesentlichen Teil den Aufschwung in Amerika, da feiert Deutschland Exporterfolge, weil in Asien die Nachfrage boomt, da übernehmen russische Investoren immer mehr westliche Unternehmen. Die Zukunft der Weltwirtschaft - und leider auch des Energieverbrauchs und der Umweltvernichtung - liegt auf Dauer in Asien und in Lateinamerika, vielleicht eines Tages sogar in Afrika.

Daher haben Politiker aus Brasilien oder Indien schon bei der Besetzung der Weltbankspitze gefordert, mehr mitzureden, und sie tun es auch jetzt bei der offenen Führungsposition im IWF. Allerdings nur halbherzig, weil Schwellenländer sich von der Weltbank, vom IWF und anderen westlich dominierten Institutionen immer unabhängiger machen: Sie zahlen ihre letzten IWF-Schulden zurück (und müssen daher keinem Geheiß aus Washington mehr folgen), sie gründen eigene Entwicklungsbanken, sie treiben die wirtschaftliche Integration untereinander schneller voran, als jene mit den Ländern des Westens. Sie tun das wohl um so schneller, je mehr sich Europäer und Amerikaner verbarrikadieren.

Hat Almunia, der jetzt den Status Quo einfordert, wenigstens ein gutes Argument? Es klingt nicht so. „Erstens ist das gute Tradition“, sagte er am Freitag der ZEIT . „Und zweitens haben die USA gerade den Chef der Weltbank bestimmt“. ( Marc Brost, Sophie Büning, Thomas Fischermann )

 
Leser-Kommentare
  1. die niemand braucht, den was sie machen alles viel mehr Geld als anderen Banken kosten.

    Eine reine Schmarotzergesellschaft.

    Wer brauchte diese Zwillinge ausser ihren Angestellten und den Regierungen, die sie als "Dankbezahlung" heraussuchen?

    Eine richtige Schande!

    Jeder Staat, der "helfen" will irgendwo in der Welt, kann es besser, schneller, und billiger zu Stande bringen.

    Was nicht immer so war, als die Amerikaner allein standen um der Welt Hilfgelter zur Verfuegung stellten.

  2. Man kann so kommentieren wie es „wf38302g“ getan hat, aber ob dies zu einer Verbesserung der Diskussion beiträgt ist zweifelhaft.

    Multilaterale Kredite wie sie nur die Weltbank, IMF oder andere Multilaterale Institute wie z.b. Asian Development Bank an souveräne Staaten vergeben, sind im Vergleich zu Bilateralen Krediten, politisch neutral und werden erst nach strenger Prüfung vergeben.

    Welche Bank bzw. Staat würde Länder wie Rumänien dabei helfen, die Situation von tausenden obdachlosen Weisenkinder, mit zielgerichteten Krediten zu verbessern, nur um ein Beispiel zu nennen.

    Bilaterale Kredite sind in der Regel nie politisch neutral egal von welchem Land das geld auch kommt.

    Die USA vergibt schon Kredite/Hilszahlungen an bedüftige Länder, aber nur an solche die, die Aussenpolitik der USA auch aktiv unterstützen (z.B. Soldaten in den Irak oder Afghanistan entsenden). Oder die berühmte „Faith based Initiative“ was bedeuted dass nur Länder AIDS Hilfe bekommen wenn in diesem Land Abtreibung verboten ist. Wollen wir das?

    Jeder Kredit der Weltbank bzw. IMF ist an die Umsetzung von politisch neutralen Reformen gebunden, ansonsten drohen Auszahlungssperren, da die Kredite meist nur in mehreren Tranchen überwiesen werden.

    Natürlich kann man über die traditionelle Besetzung der Präsidentschaft der Weltbank/IMF diskutieren, aber man soll dabei bedenken das beide Institute bisher mit Ihren Amerikanischen bzw. Europäischen Präsidenten in den letzten 50 Jahren relativ gut besetzt wurden. Unser derzeitiger Bundespräsident Kohler, war vor seiner Wahl zum Bundespräsidenten, Präsident des IMF und hat seine Verantwortung beim IMF bestens gehandhabt.

    Was bei anderen Multlateralen Institutionen mit offenem Wahlverfahren herauskommt kann man bei der UN Menschenrechtskommission einfach erkennen. Der „Secretary General of UN Human Right Council“ ist Muhammad Shaaban welcher aus Egyten kommt, in einem Land das jede politische Opposition brutal unterdrückt. Wird der sich wirklich für die politisch Verfolgten tatkräftig einsetzen?

    Alle Vor und Nachteile abgewogen, kann ich mich mit dem bisherigen Auswahlverfahren für die Präsidentschaft von Weltbank und IMF gut leben.

    Die finanziellen Mittel welche der Weltbank und IMF zur Verfügung stehen kommen zum Grossteil aus USA und Europe.

    Ausserdem kostet die Weltbank (bis auf die Orginaleinlagen der einzelnen Mitgliedsländer) den Steuerzahler kein Cent. Die Weltbank verdient relativ gut, da sie durch Ihr AAA Kredit Rating auf dem Kapitalmarkt die besten Konditionen anbieten kann und trotzdem einen Gewinn macht, welcher für die laufenden Unterhaltskosten inkl. Gehälter aufkommt.

  3. Eine Frage: Sollen die Artikel in der Zeit oder die Kommentare dazu mehr der Verbesserung der Diskussion oder der heutigen Verhaeltnisse dienen?

    Eine Antwort zu "Wer wuerde Laender wie Rumanien helfen....."
    Das ist ein sonderbares Beispiel.

    Warum?

    Amerika zaehlt Rumanien als eines der wenigen Laender in Europa, mit dem es heutzutage (und der Zukunft) Interessen teilen. Das macht Washington einen ausgezeichneten Kandidat.

    Rumanien gehoert zu Europa. Genug gesagt?
    Die EU ist nicht wohlhabend genug, etwas zu tun, dass in ihrer Selbst-Interesse liegt?

    Sollte die EU versagen (wiedermal!), China und Japan interessieren sich an das Oel aus Rumania.

    Wen,was mehr kann man sich wuenschen?

    Weiter zu Ihrem Kommentar:

    Warum sollen Laender Geld zur Verfuegung stellen, das gegen ihre Interessen verwendet wird?
    Wenn die Welt von einer Regierung betreut wird, kann man daran denken, weil man sich dann ein "noetiges" Land vorstellen kann wie jetzt eine Person, die auf der Strasse lebt.
    Aber das ist eine ganz andere Sache. Sie hat damit zu tun, den Einwohnern um den "Homeless Person" herum, das Leben zu erleichtern, nicht nur um den armen Kerl eine neue Chance zu geben.

    GottseiDank haben wir keine Weltregierung. Bis dann ist es noch moeglich, dass Menschen mit ihren Fuessen waehlen koennen, mit wem und wo sie leben wollen. Diese Hoffnung zu beseitigen, waere eine richtige Schande, ein Verbrechen!

    Und, um an die Banken zurueckzukehren: Sie wurden "erfunden", jedenfalls eine davon", Deutschland auf die Beine zu helfen nach WW2. Und niemand wuerde behaupten, dass die wirtschaftlichen Kniee zu weich bleiben nach 60 Jahren!
    Ist es nicht Zeit als Gewachsener, nicht als "Kind" sich zu benehmen? Wenn ja, das haette das Ende dieser Aufgabe/dieser Bank bestimmt. Wie es sich gehoert.

    Nichts ist "fuer immer" ausser Unsinn. Ob die Beamten und Angestellten dieser 2 ueberfluesiigen Banken so tun oder nicht.

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