Kinderlose Ende einer DiskriminierungSeite 2/2
Köhler selbst glaubt dabei nicht recht an einen ideologischen Hintergrund für die bisherigen Blockaden. "Mit Familienbildern hatte die Ablehnung nie etwas zu tun", sagt Köhler. Vielmehr sei es den Ländern bei ihrem Nein zur Kinderfrage 2005 im Bundesrat vor allem um Kostensenkungen in der Statistik gegangen. "Vor allem Bayern und Baden-Württemberg hatten sich den Bürokratrieabbau auf die Fahnen geschrieben und wollten damit im Wahlkampf punkten", sagt Köhler.
Ähnlich sieht es auch Eckart Hohmann, Präsident des statistischen Bundesamtes in Hessen. "Ich glaube, dass der Druck aus der Forschung, aber auch in der Öffentlichkeit zum Umdenken bei der Politik geführt hat", sagt Hohmann. Insbesondere die Debatte über kinderlose Akademikerinnen habe hier letztlich Gutes bewirkt. Auch wenn die Diskussion selbst auf Sand gebaut gewesen sei, denn die tatsächlichen Zahlen könnten ja erst jetzt erhoben werden.
Die Auswirkungen der Gesetzesnovelle werden sich aber nicht auf die Zahl der Kinderlosen beschränken, glaubt der Statistiker Hohmann: "Eventuell ändern sich sogar die Bevölkerungsprognosen." Die Vorausberechnungen für die demografische Entwicklung unserer Gesellschaft beruhen nämlich ausgerechnet auf den nach Jahrgängen der Mütter geordneten Geburtenzahlen - die bisher falsch erfasst wurden. Erst in Zukunft werden die Standesämter das Alter aller Mütter zum Zeitpunkt der Geburten richtig notieren, und nicht mehr nur für die schrumpfende Gruppe von Frauen, die ihre Kinder innerhalb einer - lebenslang einzigen - Ehe bekommen.
Und das könnte tatsächlich von durchgreifender Wirkung sein. Eckart Hohmann erwartet, dass "einige Fragen in der Demografie-Debatte neu beantwortet werden müssen". Auch das Statistische Bundesamt erwartet Zahlen einer ganz neuen Qualität. Mit dem novellierten Mikrozensus lassen sich bereits ab dem kommenden Jahr weiterführende Fragen beantworten - zum Beispiel, wie die Kinderlosigkeit tatsächlich mit der Bildung oder dem Migrationshintergrund zusammenhängt, oder inwieweit Kinderreichtum wirklich ein Armutsrisiko ist.
Noch etwas freut die deutschen Demografen: Dass ihre Forschungsarbeiten künftig international vergleichbar sein werden. Bisher mussten sie den Zahlen ihrer Fachveröffentlichungen immer in der Fußnote anfügen, dass die Daten nur mit Vorsicht zu genießen seien.
Ähnliche Probleme wird es allerdings auch weiterhin geben. Der Mikrozensus fragt zwar nun die Frauen ganz richtig nach der Zahl ihrer leiblichen Kinder - nicht aber die Männer. Für die Demografin Kreyenfeld eine unverständliche Lücke, denn ohne diese Daten könne die Bedeutung der Väter für die Familiengründung nur eingeschränkt untersucht werden. Auch Kristina Köhler von der CDU hofft, dass die Qualität des Mikrozensus weiter steigt - nur mit guten Daten sei auch eine anständige Politik möglich.
- Datum 11.07.2007 - 14:17 Uhr
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- Quelle ZEIT online, 6.7.2007
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Bitte was ist eine kinderlose Problemfrau?
... wahrscheinlich die Gattin eines ahnungslosen Problemredakteurs.
... wahrscheinlich die Gattin eines ahnungslosen Problemredakteurs.
... wahrscheinlich die Gattin eines ahnungslosen Problemredakteurs.
Der Autor des Artikels offenbart ein rührendes Wunschdenken, was die zu erwartende demographische Entwicklung anbelangt. Wie nach einem dünnen Grashalm greift er nach den zu erwartenden neuen Statistiken.
Dies alles ist Augenauswischerei. Es ist vollkommen irrelevant, ob die durchschnittliche Deutsche 1,4 oder 1,6 Kinder bekommt. Eine erhebliche Alterung (mit allen Konsequenzen in bezug auf Städtebau, Berufsleben und Sozialversicherungen) ist in jedem Fall zu erwarten. Um's gleich vorweg zu nehmen: Diese Entwicklung ist keinesfalls durch erhöhte Zuwanderung ausgleichbar. Das statistische Bundesamt (www.destatis.de) schreibt:
"Das rasant wachsende Geburtendefizit kann nicht weiter von der Nettozuwanderung kompensiert werden."
Dabei wird von einer zukünftigen jährlichen Nettozuwanderung von 100000 bis 200000 Personen ausgegangen. Auf Grund der Deutlichkeit der Prognosen sollte man sich von Zahlenspielereien verabschieden.
Der Artikel von Herrn Schwentker zeigt, wie durch politisches Wunschdenken an den Fakten vorbeigeschrieben wird.
Bei allen demographischen Überlegungen steht zunächst die Fertilitätsrate im Vordergrund. Deshalb ist es unerheblich, ob Akademikerinnen noch kurz vor der Menopause ein Kind bekommen und dann über eine ähnlich niedrige Kinderlosenrate verfügen wie andere Gesellschaftsschichten. Entscheidend ist ihre Fertilitätsrate. Und die ist signifikant niedriger als die anderer Schichten. Das gilt übrigens für USA, Frankreich, Schweden und und und genauso.
Und das ist die eigentliche Katastrophe, weil hierdurch die Generationengerechtigkeit verletzt wird: Kompetenzen der vorangegangenen Generation können nicht ausreichend an die nächste weitergegeben werden.
"einige Fragen in der Demografie-Debatte neu beantwortet werden müssen"
Seit einer Woche liegt zumindest eine Antwort vor:
672.000
So wenig Kinder wie nie wurden voriges Jahr in Deutschland geboren.
Es ist müßig, sich mit dem Inhalt der Schwentkerschen Aufsätze auseinanderzusetzen. Zu klären wäre die Frage, unter welcher […].
Jedes Schulkind begreift, dass für die Reproduktion der Gesellschaft eine Frau 2 Kinder (exakt 2,1) kriegen muss. Wie Schwentker auf die Idee kommt (und in unzähligen Aufsätzen verbreitet), dass bei einer Geburtenrate deutlich unter 2 die Gesellschaft überleben könnte, dass würde interessieren. Unter welchen […] leidet er, dass er nicht mal die einfache Wahrheit zu begreifen fähig ist?
[Dieser Kommentar entsprach leider nicht den Regeln. Bitte unterlassen
Sie pauschale Herabwürdigungen. Die Redaktion / mst]
Zum diesbezüglich laufenden Gesetzgebungsverfahren sei angemerkt, dass der Bundesrat (http://www.bundesrat.de) in seiner 836.Sitzung Anträge beriet, das Gesetz zur Änderung des Mikrozensusgesetzes an den Vermittlungsausschuss zu überweisen (Beschlussempfehlung Innenausschuss; http://www.bundesrat.de/c...)
Eine zukünftig pikante Stelle sei hier aus einer Stellungnahme (http://www.bundesrat.de/c...) zitiert:
"[...] Vor diesem Hintergrund fordert der Bundesrat, dass jede künftige Erweiterung des Fragenkatalogs beim Mikrozensus - und mag sie für sich betrachtet auch noch so berechtigt sein - nicht zu einer Erweiterung des Erhebungsumfangs führen darf."
-->Bezieht sich auf das neue Item "Zahl im Haushalt lebender Kinder".
Somit ist keinesfalls sicher, dass diese Frage neu in den über 100 Seiten langen Fragebogen aufgenommen werden wird.
Mit freundlichen Grüßen
Diemo Schaller
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