Fast vier Monate lang, vom 9. Oktober 2006 bis zum 31. Januar 2007, hingen sieben Kameras im Mainzer Hauptbahnhof, gegenüber einer Roll- und einer festen Treppe, und nahmen die Vorübergehenden auf. Die elektronischen Augen waren auf der Suche nach 200 Freiwilligen unter den 23.000 Passanten, die täglich durch den Bahnhof strömten. Montiert hatte sie das Bundeskriminalamt (BKA), im Auftrag des Bundesinnenministeriums. Drei Hersteller hatten ihre Überwachungssysteme für den Test zur Verfügung gestellt.

Es ging um ein wichtiges Ziel für die Sicherheitsbehörden: Mit Hilfe von Gesichtserkennungssystemen, wie sie auch schon in Großbritannien erprobt werden, hoffen sie, Verdächtige identifizieren zu können, um sie zu fassen oder von gefährlichen Taten abzuhalten. Im Zuge der Terrorfahndung, wie etwa nach den gescheiterten Anschlägen in London und Glasgow, ist das für die Ermittler und Sicherheitsverantwortlichen noch dringender geworden. Denn die Bilder und Filme auszuwerten, die von den auch in Deutschland inzwischen zahlreich aufgestellten Videokameras aufgenommen werden, ist extrem aufwendig – wenn es von Menschen gemacht wird. Die Elektronik soll es ermöglichen, die Bilder automatisch mit digitalen Datenbanken abzugleichen, in denen etwa Terrorverdächtige gespeichert sind.

Die in Mainz erprobten Systeme bestanden grob gesagt aus drei Teilen: Den Kameras, einer mit ihnen verbundenen Datenbank sowie Computeralgorithmen, welche die frisch gefilmten Gesichter der Passanten innerhalb kürzester Zeit mit jenen der Freiwilligen abglichen, die in der Datenbank gespeichert waren. Mit ihrer Hilfe wollten die Ermittler herausfinden, ob elektronische Überwachungssysteme in der Lage sind, menschliche Gesichter auch in größeren Menschenmengen zu erkennen. Gelänge das, könnten Kameras künftig die Identifikation bekannter Gewalttäter oder Vermisster in einer Menschenmenge erleichtern.

An Freiwilligen, welche an dem Versuch teilnehmen wollten, herrschte kein Mangel, glaubt man dem BKA. Leicht hätte man die zehnfache Anzahl an Menschen gewinnen können, sagen die Beamten. Schon nach drei Tagen stellten sie ihre Anwerbeversuche im Mainzer Hauptbahnhof ein.

Um zu kontrollieren, ob die Versuchsteilnehmer den Bahnhof tatsächlich passierten, gab man ihnen einen Transponder mit – eine Art Chipkarte, durch deren Signale man registrierte, wann ein Freiwilliger die Treppen im Fokus der Kameras passierte. Zugleich mühte sich das BKA, den Kameras die Arbeit zu erleichtern. Den Mainzer Hauptbahnhof hatten die Ermittler als Ort des Tests erwählt, weil die Lichtverhältnisse dort besonders geeignet schienen. Positiver Nebeneffekt: Ein Viertel der Versuchsteilnehmer gewann man unter Mitarbeitern der Mainzer Behörden.