Videoüberwachung Trübe AugenSeite 2/2

Doch der Versuch, Menschen in einer Gruppe verlässlich zu identifizieren, misslang. „Als Ergebnis der Untersuchungen kann festgehalten werden, dass es prinzipiell möglich ist, gesuchte Personen in Menschenmengen automatisch wiederzuerkennen. Allerdings schwanken die Erkennungsleistungen in Abhängigkeit von den Rahmenbedingungen – und hier insbesondere von den Beleuchtungsverhältnissen – zum Teil stark“, teilte das BKA trocken mit. Soll heißen: Im Dämmerlicht und bei Dunkelheit, bei Gegenlicht und direkter Sonneneinstrahlung taugten die Aufnahmen der Kameras nur begrenzt zum biometrischen Vergleich mit der Datenbank.

Selbst bei Tageslicht, also unter besten Bedingungen, wurden nur 60 Prozent der Personen, welche die gefilmten Treppen benutzten, erkannt – eindeutig zu wenig, um Überwachungssysteme wie das beschriebene für die polizeiliche Arbeit zu nutzen. Nachts lag die Quote lediglich zwischen 10 und 20 Prozent. Auch wenn die Versuchspersonen sich bewegten, schränkte das die Wiedererkennung ein. Er werde Bundesinnenminister Wolfgang Schäuble dieses Mittel nicht empfehlen, sagte BKA-Präsident Jörg Ziercke als Fazit.

Die Technik müsse sich noch deutlich weiterentwickeln, bevor sie genutzt werden könne, sagten BKA-Vertreter. Bislang sei eine erfolgreiche Identifikation nur durch Frontalaufnahmen des Gesichts möglich, beispielsweise bei Einlasskontrollen. Selbst wenn die Computeralgorithmen perfekt sein sollten – an den Kameralinsen müssen die Hersteller noch arbeiten.

Weitere Versuche sind derzeit nicht geplant. Auch aus dem Ausland gebe es noch keine Erkenntnisse zur Überwachung mit gleichartiger Technik, heißt es beim BKA. Lediglich in Bulgarien werde ein ähnliches System angewandt, doch von dort lägen noch keine Daten vor. Und Pilotprojekte aus anderen Ländern seien nicht vergleichbar. All jene, die eine immer stärkere Überwachung des öffentlichen Raums fürchten, dürfte es freuen.

 
Leser-Kommentare
  1. Wieso "ernüchternden Ergebnissen"? Sind oder werden wir alle langsam "trunken" von dem uns umgreifenden,Geist und Verstand abwürgenden Sicherheitswahn?

    Freiheit von ..... - Freiheit für ......

    Sicherheit: wichtiger noch als die bürgerliche (die innere)
    erscheint mir die soziale ..........
    Beide verkörpern die beiden Seiten der Medaille aus dem uns obliegenden Auftrag aus Art. 1 Absatz 1 Satz 2 GG.

    Wir brauchen (neben den technisch-wissenschaftlichen) vor allem soziale Innovationen als Basisinnovation (Kondratieff), um den Gemeinschaftsgeist unserer Demokratie in das humane, nachhaltige 21.Jahrhundert zu retten, zu tragen. Dauerhaft!

    Diese Verantwortungsgemeinschaft wäre einzuüben in so genannten Bürgerkommunen, wie sie z.B. der CSU-Landrat Löhner bei der Eröffnung der SCHOOL OF GOVERNANCE im Frühjahr d.J. vorstellte.

    Eine solche Fortbildung der Demokratie würde auch mehr SICHERHEIT in die Straßen tragen, denn die Bürger würden sich den öffentlichen Raum, für den qua einer um sich greifenden Privatisierungswelle niemand mehr verantwortlich zeichnen möchte (Kultur des Wegschauens!),schrittweise wieder zurückerobern.

    Man sieht: Der Diskurs verläuft auf einer oberflächlichen digitalen Ebene - um soziale und bürgerliche Sicherheit zu schaffen reicht das nicht aus. Diesem komplexen Prozess müssen sich die Verantwortlichen in Staat, Land und Kommunen stellen - den Medien obliegt in der Vermittlung der Ziele einer nachhaltigen Bürgerkommune eine die Zukunftbeständigkeit sichernde Aufgabe.

    Das digitale AUGE schafft das nicht - es schafft nur unsere Freiheit ab.

    http://www.sdl-plankstett...

  2. Was notwendig ist: Wir wollen mehr Zivilcourage wagen.
    http://www.bpb.de/files/X...
    (Website Bundeszentrale für politische Bildung)

    • Tom030
    • 12.07.2007 um 16:24 Uhr

    ...und dann auch eingesetzt werden, das ist nur eine Frage der Zeit. Spätestens nach dem ersten, wirklich terroristischen Bombenanschlag in Deutschland werden alle kritischen Stimmen verstummen.

    Hoch und heilig werden sie die Verantwortlichen schwören, dies nur zur Terrorfahndung zu verwenden. In ein paar Jahren erinnert sich dann niemand mehr an diesen Schwur und diese Technik wird verwendet, um auch nach "politischen Straftätern" zu fahnden (Muslimextremisten, rechtsradikale Volksverhetzter, Scientologen, etc.). Wer ein politischer Straftäter ist, legt zuerst der Zeitgeist und dann der Gesetzgeber fest. Wer keine poltisch-mediale Lobby hat ist dann arm dran. Und da sich niemand wagen wird für solche Aussätzigen einzusetzen nimmt das Drama seinen LAuf.

    MAl sehen, ob ich mich irre...

  3. 4. Toll

    Ich finde es echt toll, wie sich immer wieder Lobbyisten, ihre Produkte in Szene setzen und den zuständigen Behörden jeden Mist aufschwatzen.

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