Sprache Das plappernde Geschlecht?Seite 2/2
Aber er hat sich angesehen, worüber Männer und Frauen reden und fand rollentypische Muster durchaus bestätigt: „Männer sprechen mehr über Technik, Sport oder Finanzen und Frauen mehr über Mode, Partner, Familie und Freunde.“ Offensichtlich sind Frauen im Durchschnitt tatsächlich eher beziehungs- und Männer eher sachorientiert. Diese Interpretation unterstützt auch die Tatsache, dass die bespitzelten Männer häufiger konkrete Zahlen nannten und die Frauen mehr Personalpronomen („ich“, „wir“, „er“, „sie“) benutzten.
Auch wenn der Paartherapeut falsche Zahlen verbreitet hat, mit der Analyse typischer Konfliktsituationen in Beziehungen hatte er Recht. Relativ gut erforscht ist nämlich ein Phänomen, das Psychologen „Demand-and-Withdrawl“-Verhalten nennen: Die Frau fordert ein Gespräch nach dem Muster, „Wir müssen darüber reden“. Der Mann dagegen zieht sich emotional und verbal zurück. Dieser Zusammenhang könnte, glaubt Matthias Mehl, auch das Märchen von der geschwätzigen Frau erklären. Aus „Meine Frau will ständig über unsere Probleme reden“, wäre dann das verkürzte „Meine Frau redet ständig“ entstanden.
Doch ist das nur Spekulation. So wie Mehl auch davor warnt, die empirisch nachgewiesenen Unterschiede überzubewerten, die es in den Themen gibt, über die Frauen und Männern reden. „Die Größe der Effekte ist doch eher bescheiden. Es gilt wieder: Männer und Frauen sind sich im Durchschnitt deutlich ähnlicher als es zwei zufällig ausgewählte Männer oder zwei zufällig ausgewählte Frauen sind. Aus irgendwelchen Gründen neigen Menschen dazu, Geschlechtsunterschiede gerne mit einem Vergrößerungsglas anzuschauen.“
Vielleicht müssen die Ratgeber nicht komplett umgeschrieben werden, aber sie sollten doch anerkennen, dass es auch ein paar Männer auf der Venus und ein paar Frauen auf dem Mars gibt.
- Datum 06.07.2007 - 07:16 Uhr
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...wurde gestern fast der gleiche Artikel veröffentlicht. Lustig dabei:
Am Anfang des SpOn-Artikels hat man darauf hingewiesen, dass die bisherigen Untersuchungen (die eben zum Schluss kamen dass Frauen viel mehr reden) eh sehr zweifelhaft waren, da die Gesamtanzahl der von Frauen bzw. Männer geredeten Worte pro Tag in diesen Untersuchungen teilweise krass voneinander abwich.
So weit, so richtig - dumm nur, dass man dann zum Gegenbeweis zwei Untersuchungen angeführt hat, die zwar zum Schluss kamen dass Männer und Frauen fast genauso viel reden - die Gesamtanzahl der geredeten Wörter pro Tag bei diesen Untersuchungen aber ebenfalls um satte 50 bzw. 100% voneinander abwich... ;-)
Mpfh, AHA!, Ähem, Ach!, Tätsachlich?, Is ja hoch interessant!
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