Kirchen Rom bleibt Rom ...
... und alle anderen Kirchen wären gar keine – wenn es nach dem Vatikan und seiner neuesten Erklärung ginge. Doch die Ökumene ist stärker.
Als Kardinal Joseph Ratzinger, der damalige Vorsitzende der römischen Glaubenskongregation, zum Papst gewählt worden war, glaubten manche, Züge einer neuen Aufgeschlossenheit, ja sogar ökumenischer Offenheit an ihm wahrzunehmen. Ganz abgesehen von der vermeintlichen Versöhnlichkeit gegenüber seinen alten Kritikern, etwa Hans Küng. Seit Dienstag, 12.00 Uhr, kann man solche Hoffnungen – oder Illusionen – getrost vergessen. Rom bleibt Rom, das ist die Botschaft der neuesten Erklärung aus der Glaubenskongregation. Und so wie bei der jüngst dekretierten Erlaubnis, die Messe wieder verstärkt in Latein lesen zu lassen, der Grundsatz angewandt wurde „Was damals Recht war, kann heute nicht Unrecht sein“, wurden nun Aussagen des Zweiten Vatikanischen Konzils auch zum Verhältnis zu den reformatorischen Kirchen auf den alten Zustand zurückgeführt.
Einen wesentlichen Unterschied allerdings gibt es zwischen den beiden Vorgängen: Während die Ordnung der Messliturgie allein innere Angelegenheit der römisch-katholischen Kirche ist, betrifft die Bestimmung des Verhältnisses zu den anderen Kirchen die Ökumene – und ist daher ein Skandal.
Zumal man es früher anders gehört hatte. Das Zweite Vatikanum hatte nämlich für dieses Verhältnis eine Formulierungsvariante gewählt, die viele hoffen ließ. Bis dahin hatte es geheißen, die Kirche Jesu Christi „ist“ die römisch-katholische Kirche. Man musste das einschlägige lateinische Verb „est“ so übersetzen: „ist nur“ die katholische Kirche. Das Konzil wählte nun die lateinische Formulierung „subsistit in“, und das konnte man so lesen: Die wahre Kirche lebt in der römisch-katholischen Kirche, aber (vielleicht) nicht nur dort.
Was immer dieser Unterschied letztlich bedeuten mochte – das jüngste Dokument aus Rom hebt ihn restlos auf: Zwischen „subsistit in“ und „est“ gibt es nämlich demnach gar keinen Unterschied. Ergo: Rom bleibt Rom. Was in der römischen Erklärung „Dominus Jesus“ aus dem Jahr 2000 mit ihren Seitenhieben auf die anderen Kirchen noch als Versehen betrachtet werden konnte, ist nun unter Papst Benedikt XVI. zu einer mit vollem Bewusstsein vollzogenen Rückwendung geworden. Und das hat weitreichende Folgen.
Denn mit diesem Dekret werden zum einen all jene diskreditiert und dementiert, die aus jenem verbalen Unterschied Zukunft für die Ökumene gewinnen wollten. Nicht zuletzt gilt dies für den römischen Kurienkardinal Walter Kasper, der immerhin schon einmal von „Kirchen anderen Typs“ denken und reden konnte. Zum anderen werden aber all jene Kritiker im Protestantismus nachträglich bestätigt, die seit der „Gemeinsamen Erklärung“ zur Rechtfertigungslehre vor zehn Jahren die Verständigungsbestrebungen zwischen protestantischen und katholischen Kirchenführern verurteilten, weil Rom sowieso nur an einer „Rückkehr-Ökumene“, also an einer bedingungslosen Unterwerfung der reformatorischen Kirchen, interessiert sei. Und wer drittens je auf ein gemeinsames, zwischen Rom und den anderen Kirchen verabredetes Abendmahl, gesetzt hatte, wenigstens auf Ökumenischen Kirchentagen, kann das nun getrost auf den St. Nimmerleinstag vertagen.
Roma locuta, causa finita? Der alte Spruch, wonach eine Akte geschlossen ist, wenn der Vatikan gesprochen hat, gilt aber nicht mehr. Nicht einmal mehr innerhalb der katholischen Kirche, jedenfalls nicht mehr effektiv – wie immer sie sich selber aus römischer Sicht definiert. Der ökumenische Geist, der an der Basis der Christenheit und in den Gemeinden nicht nur „subsistiert“, sondern lebt, lässt sich nicht mehr abtöten. Deshalb bleibt der Trost, dass der Heilige Geist nach biblischem Zeugnis weht, wo allein er, und nicht etwa die eine oder andere kirchliche Autorität, es will.
- Datum 11.07.2007 - 09:48 Uhr
- Quelle ZEIT online
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machtanspruch, gier, intoleranz und dogmatismus...
...es war ja nie anders und wird sich nie ändern.
nur wieso solche märchenerzähler mit ihren erträumten inhalten einen so wichtigen platz in der gesellschaft und ganz aktuell auch in der berichterstattung bekommen werde ich vermutlich nie verstehen können...
Na und. Hätte die katholische Kirche nur aus weltfremden Gutmenschen bestanden, dann hätte sie wohl kaum bis heute überdauert. Na, und über die Lebenskraft des deutsch protestantischen Pietismus, der sich schon seit dem alten Fritz jeglicher eigener Gestaltungskraft der Gesellschaft begeben hat, braucht man sich sowieso keine Illusionen zu machen. Aber die religöse Zukunft liegt sowieso weder bei Katholiken und noch weniger bei pietistischen Protestanten. Und eine Gesellschaft ohne Religion wird es nie geben, zumindest solange die Eliten mit nichts anderem beschäftigt sind, als in Krisenzeiten dem kleinen Mann/Frau den Brotkorb zum eigenem Nutzen höher zu hängen.
Na und. Hätte die katholische Kirche nur aus weltfremden Gutmenschen bestanden, dann hätte sie wohl kaum bis heute überdauert. Na, und über die Lebenskraft des deutsch protestantischen Pietismus, der sich schon seit dem alten Fritz jeglicher eigener Gestaltungskraft der Gesellschaft begeben hat, braucht man sich sowieso keine Illusionen zu machen. Aber die religöse Zukunft liegt sowieso weder bei Katholiken und noch weniger bei pietistischen Protestanten. Und eine Gesellschaft ohne Religion wird es nie geben, zumindest solange die Eliten mit nichts anderem beschäftigt sind, als in Krisenzeiten dem kleinen Mann/Frau den Brotkorb zum eigenem Nutzen höher zu hängen.
Warum sollte Rom an der Ökumene ein so überaus starkes Interesse haben?
Die Raison d'ètre der Kirche ist nach eigenem Selbstverständnis die Rettung der menschlichen Seelen. Strategie und Taktik haben sich danach auszurichten. Ein harmonisches Miteinander - die Gemeinschaft der Heiligen - ist im Heilsplan nicht für diese Welt vorgesehen, ist also von der Priorität her nicht an die erste Stelle zu setzen.
Man kann das ganze natürlich für Unsinn halten. (Wenn man nicht daran glaubt, muss man auch 'nicht mehr dran glauben'.) Aber konsistent verhalten sich die Herren im Vatikan schon, das muss man ihnen lassen.
Ich werfe dem Vatikan hier also nichts vor. Für mich ist das eher ein Indiz dafür, dass sie wirklich an das glauben, was sie sagen.
Herzlichst Crest
Scheiterhaufen?
Ein Haufen Scheitern.
Der Untergang Roms geht weiter.
Und was ist daran Sch...?
Dass es wieder mal ein Deutscher war.
Um der schleichenden Protestantisierung der katholischen Kirche entgegen zu wirken und um die Anzahl der Gottesdienstbesucher um nicht nennenswerte Prozentanteile zu erhöhen, hat Rom den 600.000 Traditionalisten- es riecht nicht mehr so gut in der katholischen Kirche- in ihren Reihen ein Angebot gemacht. In katholischen Kirchen darf wieder die Messe auf Lateinisch gelesen werden und der Priester darf der Gemeinde wieder den Rücken zukehren. Dann kann er auch nicht von den schönen Gottesdienstbesuchern bei seinen rituellen Handlungen abgelenkt werden. So war es schon vor dem II. Vatikanischen Konzil allgemeiner Brauch. Damit wird von den von Papst Johannes XXIII eingeführten Reformen wieder ein Stückchen zurückgedreht. Er würde wohl im Grabe rotieren, wenn er das wüsste.
Katholische Oberhirten schauen schon seit langem mit neidischen Blicken auf stetig wachsende muslimische Gemeinden in Deutschland, die Dank hoher Geburtenraten und zahlreicher Übertritte volle Moscheen zu verzeichnen haben. Es werden auch in Zukunft nicht weniger, sondern eher noch mehr werden. Eintritt ist zwar erlaubt, doch Austritt könnte gefährlich werden.
Was also tun? Bischof Mixa hat da schon mal durchblicken lassen, dass christliche Frauen, wie Muslima, gefälligst zu Hause zu bleiben haben, um den hoffentlich zahlreichen katholischen Nachwuchs groß zu ziehen. Katholische Frauen haben schon jetzt nicht viel in der katholischen Kirche zu sagen, in Zukunft dann eher noch weniger. Sie müssen dann auch, wie noch immer in einigen Hinterwaldgemeinden, vielleicht wieder in getrennten Bänken beim Gottesdienst sitzen. Ihre traditionalistischen Männer werden wieder die Bibel zitieren mit den schönen Sprüchen: ‚ die Frau sei dem Manne untertan’ und wer ‚seine Frau liebt der züchtigt sie’. Sie werden dann vielleicht auch verlangen, dass ihre Frauen drei Schritte hinter Ihnen hergehen und ein Kopftuch tragen. Merken Sie was? Wandel durch Annäherung. Wir bewegen uns auf eine Ökumene hin? Mit den Evangelischen? Nein, Gott bewahre. Mit Muslimen.
thammbe
Etwas mehr Bescheidenheit würde der Katholischen Kirche nicht schaden!
Wozu soll eigentlich "Ökumene" dienen? Entweder es gibt einen Dissens, dann bestehen Gründe für getrennte Konfessionen und Riten. Oder es gibt keinen Dissens, dann können die Protestanten ja wieder beitreten.
Gelobt sei Jesus Christus.
Latein, alles vergessen ?
Sistere = stellen, legen, setzen
sub = unten hin
subsistere = wörtlich: etwas am Boden lagern, haltmachen, zum Stillstand bringen. übertragen: standhalten, aufhalten
Ecclesia substitit in e. catholica = die Urform der Kirche (bestehend aus der christlichen Gemeinschaft) kam in Form der RK-Kirche in Bodennähe zu einem "Halt" iS einer Inaktivität. Die vatikanische Interpretation ist schon aus geschichtlichen Gründen falsch, denn die Orthodoxe Kirche bestand vor der RK.-Kirche und daß die Entwicklung weiterging, konnte der Kurie nicht verborgen geblieben sein.
Mit der Wiedereinführung der tridentinischen Messe wird Latein zu einer gängigen Fremdsprache, sodaß Fehldeutungen erschwert werden.
Am Anfang war das Wort, die Sprachverwirrung kam erst später.
"Rom" hat 2000 Jahre überstanden und wird auch weitere überstehen. Die künstliche Aufregung über Rom - besonders von Menschen die ihm fernstehen - ist legendär.
Überhaupt pflegen sich Leute über den (jeden) Papst aufzuregen, denen er eigentlich im Glauben nichts vorzuschreiben hat. Und das ist seltsam.
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