Radsport
Der unangenehme Favorit
Andreas Klöden zeigt zum Start der Tour de France eine Gala-Leistung. Über Doping will er nicht reden. Er sieht sich zu wenig gewürdigt – und verteidigt Jan Ulrich.
Man wird gewiss wieder sagen, das war ja nur der Prolog, das waren ja erst acht von 3500 Kilometern, das Ergebnis bedeutet noch gar nichts. Aber, kein Zweifel: Die Tatsache, dass Andreas Klöden am Samstag seinen Hauptgegnern um den Tour-Sieg zwischen 23 und 30 Sekunden abgenommen hat (die erste Etappe am Sonntag gewann im Massensprint der Australier Robbie McEwen), weist Klöden ohne Zweifel als überlegenen Favoriten in diesem Jahr aus.
30 Sekunden auf acht Kilometer – da darf man schon von Dominanz sprechen, zumal Klöden in den Bergen noch stärker einzuschätzen ist als bei einem kurzen Zeitfahren. Außer Klödens überragender Verfassung zeichnete sich in den vergangenen Tagen aber im Hinblick auf die kommenden Wochen noch etwas anderes ab. Andreas Klöden hat den Medien und der Öffentlichkeit den Krieg erklärt.
Als er nach dem Prolog stumm im türkisblauen Bus seiner kasachischen Mannschaft Astana verschwand, war dies nur die konsequente Fortsetzung seines übellaunigen Auftritts bei der Mannschaftspräsentation am Donnerstag. Mit tief in das Gesicht gezogener Baseballkappe gab er dort ungefragt bekannt, dass er nur über seine Form reden werde und dass er sich weigere, über „irgendwelche durchgeknallten Jaksches“ zu sprechen. Klödens Bockigkeit – auch gegenüber Jaksches Geständnis – ist keine Überraschung mehr. Im vergangenen Jahr stand er vor der anberaumten Pressekonferenz am Ruhetag vor dem T-Mobile-Hotel und plauderte mit Mechanikern seiner damaligen Mannschaft. Als er in den Saal gebeten wurde, um die Fragen der versammelten Kollegen zu beantworten, raunte er dem Mechaniker zu: „Ich muss jetzt diesen Scheiß machen.“
Klöden mag die Medien nicht. Aus seiner Sicht hat diese Abneigung allerdings auch einen guten Grund. Als er im Jahr 2004 Zweiter der Tour de France wurde, nahm kaum jemand davon Notiz. Wesentlich interessanter war damals, dass Jan Ullrich „nur“ Vierter wurde. Es war die Fortsetzung von Klödens Erfahrung, seit er 1998 als Neuprofi zum damaligen Team Telekom kam und schon 2000 mit dem Sieg beim Klassiker Paris-Nizza und mit seiner Olympia-Medaille sein großes Talent bewies. Verstärkt wurde Klödens Abneigung gegen die Medien, als die gleichen Leute, die sich vorher nur für Jan Ullrich interessiert hatten, sich nach den Enthüllungen über dessen Verstrickung in die „Operacion Puerto“ vehement gegen das einstige Idol wendeten.
Spätestens diese Entwicklung löste endgültig Klödens Unleidlichkeit aus, damals noch ein wenig gebremst durch die hochprofessionelle PR-Abteilung des Teams T-Mobile. Bei Astana scheint hingegen niemand zu sein, der ihn zu vorsichtigerem Auftreten ermahnt. Klödens Selbstdarstellung wirft freilich im jetzigen Klima des angebrachten Generalverdachts Fragen auf.
- Datum 13.7.2007 - 10:18 Uhr
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- Quelle ZEIT online, tso
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