Pakistan Musharrafs schwerste Krise
Pakistans Präsident kämpft an allen Fronten: Säkulare fordern seinen Rücktritt, Islamisten betreiben die Talibanisierung des Landes. Wie lange kann er sich an der Macht halten?
Pakistans Präsident Pervez Musharraf durchlebt derzeit die größte Krise seit seiner Machtübernahme im Jahr 1999. Schuld daran sind die Brüder Abdul Raschid Ghazi und Abdul Aziz Ghazi. Die beiden Mullahs haben die Rote Moschee im Herzen Islamabads in einen Brückenkopf der Taliban verwandelt. Und wie die Taliban sandten sie Studenten aus, um der „Amoralität“ in den Straßen Islamabads zu Leibe zu rücken.
Sie stürmten Bordelle, verhafteten Prostituierte, setzten Polizisten fest und drohten allen strenge Strafen an. Alles das geschah unter den Augen des Generals – sechs Monate lang hat er tatenlos zugesehen. Jetzt hat er sich entschieden, dem Spuk ein Ende zu machen. 12.000 Soldaten hat er um die Moschee aufmarschieren lassen; es gilt, seine Autorität wieder herzustellen.
Es ist klar, dass Musharraf einen Befreiungsschlag versucht, denn er ist in den vergangenen Monaten von allen Seiten unter Druck geraten. Seit er am 9. März dieses Jahres den Obersten Richter Iftikar Chaudry entlassen hat - er war ihm zu unbequem geworden -, kommt das Land nicht mehr zu Ruhe. Rund um Chaudry hat sich jetzt eine von hauptsächlich von säkularen Kräften getragenen Massenbewegung entwickelt, die Musharrafs Rücktritt fordert.
Gleichzeitig haben die islamistischen Extremisten im Land an Kraft gewonnen. Musharraf hat die Kontrolle über Teile der Stammesgebiete verloren. Selbstmordattentate, Bombenanschläge häufen sich im ganzen Land. Man redet von einer schleichenden „Talibanisierung“ des Landes — die Brüder Ghazi aus Islamabad galten dafür vielen als der beste Beweis.
Zu allem Überdruss ist Musharraf von seinen mächtigen Mentoren, den USA, zunehmend kritisiert worden, weil er angeblich nicht hart genug gegen die Taliban vorgeht. In diesem Kontext steht der Sturm auf die Moschee. Musharraf will den Amerikanern beweisen, dass er die Taliban nicht duldet, und den Säkularen und Extremisten gleichermaßen im eigenen Land will er zeigen, dass er der Herr im Hause ist. Das ist ein sehr riskantes Spiel. Wenn er Glück hat, kann er als starker Führer aus der Krise hervorgehen. Das aber hängt von dem Verlauf dieser Krise ab. Wenn viele Studenten sterben sollten, wenn sogar Studentinnen zu Toden kommen, und wenn Bilder der Toten auch noch in den Medien erscheinen sollten — dann wird Musharraf in den Augen vieler wie der Schlächter von Islamabad dastehen.
Der Hass, den er auf sich zieht, wird zu einer weiteren Destabilisierung des Landes führen. Selbst wenn er Glück haben sollte, und das ist möglich, wird ihm das nur kurzzeitig helfen. Denn Musharraf ist es gelungen, in acht Jahren absoluter Herrschaft, fast alle gesellschaftlichen Gruppierungen zu vergraulen. Nur die Armee hält noch zu ihm. Wie lange noch, ist äußerst ungewiss.
- Datum 06.07.2007 - 07:13 Uhr
- Quelle ZEIT online
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Der gesamten islamischen Welt ist mental der Weg zu Demokratie und Menschenrechten verwehrt. So auch in Pakistan. Also bleibt in allen diesen Ländern in ihrer engen Verquickung mit der islamischen Staatstheorie nur die Form der Diktatur. Sind es säkulare Diktatoren, so erscheint das milder, als wenn es thokratische Diktatoren sind.
Im Augenblick versucht die theokratische Fraktion den Aufstand. Auch um den Preis der Lächerlichkeit, wenn z.B. der oberste Theokrat in Frauenkleidern zu flüchten sucht.
Da kann der Westen schon froh sein, wenn es bei irgendeinem säkularen General bleibt. Egal, wie er heißen mag und fast egal, was er anstellt.
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