Pakistan Islamische Revolution

Aus Angst vor den Schiiten im Nachbarland Iran förderte Pakistan einst die islamistischen Kräfte im eigenen Land. Jetzt wenden die sich gegen den Staat, wie die Schlacht um die Rote Moschee zeigt

Noch vor wenigen Wochen war das Regime des Präsidenten Musharraf in handfesten Schwierigkeiten. Die Entlassung des Justizchefs und die protestierenden Anwälte in den größeren Städten des Landes, Stromausfälle in Karatschi und vor allem der Vorwurf, die Regierung kümmere sich nicht um die Opfer der Überschwemmungen in Sindh und Balutschistan, haben die Unterstützung Musharrafs in der Bevölkerung weiter sinken lassen.

Die Kämpfe um die Rote Moschee haben die Situation – zumindest für einen Augenblick – verändert. Musharraf wurde nun auch im Ausland für sein Vorgehen gegen die langsame „Talibanisierung“ und den Islamismus gelobt. Ob das so bleibt oder ob die Ankündigung Abdul Rashid Ghazis - dem Führer der in der Moschee verschanzten Islamisten -, das Volk werde angesichts der Bilder von Toten Rache an den Machthabern nehmen, bleibt abzuwarten.

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Die in Pakistan verbreitete Weisheit, das Land stehe seit Langem am Rand einer islamischen Revolution, scheint sich wieder einmal zu bewahrheiten. Denn die heutigen Probleme sind eigentlich hausgemacht. Die Geschichte um die Lal Masjid, die Rote Moschee, in der pakistanischen Hauptstadt begann mit der Islamisierungspolitik der Militärdiktatur unter Zia ul-Haq. Aus Angst vor einer iranischen Aggression gegen Pakistan im Zuge von Chomeinis islamischer Revolution von 1979 versuchte Zia mit aller Macht, ein Gegengewicht zu schaffen: Er suchte die enge ideologische und finanzielle Bindung an Saudi-Arabien, unterstütze die islamistische Kaderpartei Jama’at al-Islami und ihre radikale Agenda sowohl in Kaschmir als auch in Afghanistan, half bei der Entstehung von sunnitischen Gruppierungen wie der Sipah-e Suhaba und betrieb ehrgeizig den Bau von Koranschulen.

Besonders gelegen war ihm die Unterstützung anti-schiitischer und radikaler Kräfte. Einer dieser Hitzköpfen war der Geistliche Maulana Abdullah, der für eine der zentralen Moscheen Islamabads verantwortlich war: der 1966 gegründeten Lal Masjid, der Roten Moschee.

In den achtziger und neunziger Jahren engagierte sich allen voran die Lal Masjid mit Maulana Abdullah für den afghanischen Dschihad und später für die Taliban und al-Qaida. Abdullah schickte Kämpfer aus seinen Religionsseminaren an die Front, bildete afghanische Studenten aus und wachte über die Finanzquellen seiner Moschee. Und er behielt zeit seines Lebens die anti-schiitische Rhetorik bei, was ihm am Ende zum Verhängnis wurde. 1998 wurde er von Unbekannten erschossen – vermutlich von einer rivalisierenden schiitischen Gruppierung.

Nach seinem Tod übernahmen seine beiden Söhne, Abdul Aziz und der jüngere Abdul Rashid, die Leitung der Moschee und der beiden angeschlossenen Lernzentren. Abdul Rashid Ghazi, ebenfalls ein Veteran aus dem Afghanistan-Krieg, ist einer der glühendsten Anhänger der Taliban und Osama bin Ladens. Und er ist einflussreich: Er war es, der im September 2001 dafür sorgte, dass sich Präsident Musharraf nicht auf die Seite der USA im Kampf gegen die Taliban schlug.

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