Antiterror-Kampf Gezielt töten?

Innenminister Schäuble will die staatlichen Befugnisse gegen Terrorverdächtige stark ausweiten. SPD-Fraktionschef Struck warnt, das Klima in der Koalition weiter zu belasten

Die neuen Vorschläge von Bundesinnenminister Wolfgang Schäuble (CDU) zur Inneren Sicherheit belasten das Klima der Großen Koalition. Das sagte SPD-Fraktionschef Peter Struck am Montag. Schäubles Ziel es sei, die Sozialdemokraten als "unsichere Kantonisten" hinzustellen. "Das gehört sich nicht in einer Koalition."

Von den Plänen der Union für einen breiten Einsatz der Bundeswehr im Innern hält der Sozialdemokraten gar nichts: "Wir werden Bemühungen für eine solche Grundgesetzänderung ein klares Nein entgegensetzen. Die Kanzlerin weiß das."

Struck kritisierte auch die Vorfälle im Rahmen des G8-Einsatzes der Bundeswehr in Heiligendamm. Das teilweise massive Auftreten der Bundeswehr habe die Grenzen überschritten. "Wenn einige im Verteidigungs- und Innenministerium damit beabsichtigt haben, durch die Hintertür den Einsatz der Bundeswehr im Innern zu beginnen, dann wäre das ein schwerer Fehler", sagte Struck.

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Auch die jüngsten Pläne Schäubles trafen nicht auf die Zustimmung der Sozialdemokraten. Die Idee eines Handyverbots gegen Terrorverdächtige ließen sich nur in einem Überwachungsstaat durchsetzen, sagte Struck.
FDP-Innenexperte Max Stadler sagte: "Man muss Herrn Schäuble daran erinnern, dass er als Innenminister auch der Verfassungsminister ist. Als dieser sollte er das Grundgesetz wahren und nicht ständig über Änderungen schwadronieren." Stadler zeigte sich irritiert darüber, dass Schäuble eine Debatte über die gezielte Tötung von Terroristen entfache. "Ich weiß nicht, warum er diese Diskussion anzettelt. Es gilt ein Tötungsverbot in Deutschland. Und gesetzlich ist alles durch die Begriffe Notwehr und Nothilfe geregelt." Ähnlich reagierte die innenpolitische Sprecherin der Grünen, Silke Stokar. Sie sagte: "Schäuble versucht, eine Rechtsgrundlage für Guantánamo in Deutschland zu schaffen."

Am Wochenende hatte Schäuble dem Spiegel gesagt: "Man könnte beispielsweise einen Straftatbestand der Verschwörung einführen wie in Amerika." Weiter überlegte der Innenminister, ob man solche Gefährder wie Kombattanten (Kämpfer) behandeln und internieren könne. Auch sagte Schäuble, er denke an Auflagen für Gefährder, die nicht abgeschoben werden können, "etwa ein Kommunikationsverbot im Internet oder mit dem Handy".

Leser-Kommentare
  1. ... Todesfälle in der Vergangenheit anschaut, dann kann es eigentlich nur um die nachträgliche Legitimation gehen. Ich bin davon überzeugt dass schon längst liquidiert wird.

    Das Beispiel bin Laden ist einfach Quatsch. Außerdem gibt es bis zum heutigen Tag keinen Beweis für seine Urheberschaft bei den Anschlägen. Auf Geheimdiensinformationen und gefakte Tonbänder hin jemanden töten zu wollen halte ich für reichlich gewagt.

    Den Staatsorganen sind ca. 30.000 potentielle Terroristen bekannt, die kann man einfach in irgendeinen Gottesstaat ausweisen und Ruhe ist.

  2. 2. Feind?

    Was reitet denn den CDU - Innenminister Schäuble dass er sich hingibt irreale Vorstellungen öffentlich zu äussern?
    Für mich steht fest, dass der Minister, der auch unser Grundgesetz zu schützen hat, selber dieses Grundcgesetz permanent verletzt. Er ist ein offensichtlicher Verfassungsfeind. Andauernd will er unser Grundgesetz ändern und unsere grundgesetzliche Freiheiten und Rechte abschaffen, beschneiden und ändern.
    Ich fordere den Bundestag auf Schäubles Immunität aufzuheben, damit der Bundesanwalt gegen diesen offensichtlich bösartigen Menschen ermitteln kann.
    Der Mann ist eine Gefahr für unsere Demokratie.

  3. es stehen keine neuen Fragen im Raum, die man durch neue paranoide Überwachungsgesetze, verfassungswidrige Einschränkungen der Bürgerrechte, Bundeswehreinsatz im Inneren, gezielte Tötungen oder Internierungen in einem deutschen Guantanamo und rigorose Prävention beantworten müsste.

    Besonders wahnwitzig sind ihre Ideen zu gezielten Tötungen. Wenn morgen Osama Bin Laden in Deutschland auftaucht, muss er verhaftet werden. Wenn er dabei bewaffneten Widerstand leistet, hat die Polizei das Recht und die Pflicht, Gewalt anzuwenden. Dafür bedarf es keines einzigen neuen Gesetzes.

    In den letzten 15 Jahren gab es nach dem Ende der RAF 2 nicht explodierte Kofferbomben, das war der islamische Terrorismus in Deutschland. Dazu noch eine Hamburger Terrorzelle, die dank unfähiger Ermittler und Desinformation aus den USA nicht verhaftet wurde, sondern den 11.9. mit-organisierte. 1 Tag nach dem Einschlag der Flugzeuge waren sie komischerweise alle bekannt.

    Können sie sich eigentlich vorstellen, das ein Kanzler Helmut Schmidt oder die Innenminister Werner Maihofer und Hans Dietrich Genscher als Antwort auf die RAF einen solchen Mist unterschrieben hätten, wie sie ihn jetzt zum wiederholten Male fordern?

    Ich mache mir im Grunde genommen noch nicht mal grosse Sorgen, dass irgendetwas von ihren abstrusen Vorstellungen Gesetz werden könnte. Es gibt in Deutschland nämlich das Bundesverfassungsgericht, und das wird ihnen notfalls unter Verweis auf Artikel 79 das Grundgesetz um die Ohren schlagen.

    Da sie aber als Innenminister und damit auch Verfassungsminister fungieren, stellen ihre gegenwärtigen Aktivitäten einen Anschlag auf das Grundgesetz dar, der selbst die Gründe für die Einführung des Radikalen-Erlasses weit in den Schatten stellt.

    Daher fordere ich ihre sofortige Entfernung aus dem Amt. Das Mass ist voll! Treten sie zurück!

    • ErichH
    • 09.07.2007 um 13:40 Uhr

    hätte durch die Anwendung existiernder Gesetze gerettet werden m ü s s e n.

    Schon damals zeigte sich, dass viele Politiker über dem Geist und über dem Buchstaben des Gesetztes zu stehen scheinen.

    • Noffke
    • 09.07.2007 um 14:35 Uhr

    ..ist eine Gefahr für die Freiheit. Er stellt sich auf eine Stufe mit denen, die er zu bekämpfen vorgibt. Er denkt so wie sie und er will so handeln wie sie. Der Strafrechtsprofessor Jakobs hat schon vor drei Jahren diese verquasten Gedankengänge in ein wissenschaftliches Mäntelchen zu kleiden gesucht:
    http://www.hrr-strafrecht...
    Und jetzt lotet der Herr Schäuble aus, wie weit er hinter Jakobs hergehen kann. Wäre er nicht besser im Weißrussland des Lukaschenka aufgehoben als in dem Amt, das er jetzt innehat?

  4. Nachdem, was bekannt ist, wird sich Innenminister Schäuble mit seinen Plänen sowieso nicht durchsetzen können, doch seinen Wahlkampf für mehr Sicherheit wird er uns bestimmt noch lange aufführen.

    Denn die Union scheint sich jetzt offenbar auf die politischen Felder stürzen zu wollen, da sie bei den wirtschaftlichen Entwicklungen ja eventuell sogar schon auf dem Gipfel des Erfolges angekommen ist.

    Die dämmernde Erkenntnis, dass sich nach dem neoliberalen Siegeszug nämlich jetzt weltweit soviel Liquidität vielleicht sogar gegen deutsche Interessen wenden könnte, bereitet ja sogar Vorkämpfern wie Roland Koch langsam Bauschmerzen.

    Auch der Umstand, das man Ausländer nicht länger aussperren kann, macht der Union eigentlich zu schaffen. Da bieten Schäubles erneute Forderungen, an der Sicherheitsschraube zu drehen, willkommene Ablenkung. Koch, der nach acht Jahren Regierungszeit in Hessen seinen Wahlkampf nicht unbedingt nochmal über die Bundesebene aufziehen kann, denn Rot-Grün gibt es nicht mehr, wird allerdings nicht sicher sein können, dass ihm die Wahlkampfhilfe von Schäuble auch wirklich nützt.

    Denn so wenig Freiheit wollen die Deutschen noch lange nicht.

  5. ist abgeschafft." (Art. 102 Grundgesetz.) Daran hat sich Herr Schäuble verdammtnochmal ALS EINER DER ERSTEN zu halten. Als Innenminister ist er spätestens jetzt nicht mehr haltbar. Frau Merkel sollte sich gut (und vor allem: rechtzeitig) überlegen, ob sie den Werbeeffekt rechts für hinreichend stark hält, um die Verluste in der Mitte zu kompensieren.

    • Peter.
    • 09.07.2007 um 15:38 Uhr

    heißt Schäuble.

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