Tour de France Doping über allesSeite 2/2
Die Zuschauer scheinen sich für journalistische Qualität aber nicht zu interessieren. Für sie gibt es in diesem Jahr zwei Möglichkeiten: Aus Protest abzuschalten oder die eh bekannte Doping-Seuche zu akzeptieren. Im zweiten Fall bevorzugen die Zuschauer dann offenbar die Übertragungen bei Eurosport. Dort fallen die Worte Dopingsumpf, Epo-Sünder und Neuanfang weit aus weniger als bei ARD und ZDF. Die Folge: Der Sportsender konnte seine Zuschauerzahlen an den ersten Tourtagen im Vergleich zum Vorjahr verdreifachen.
Es könnte durchaus sein, dass die ARD- und ZDF-Kameras die Tour nicht bis zur Zieleinfahrt in Paris begleiten. Das hängt jedoch nicht von den schwachen Einschaltquoten ab, sondern vom Verlauf der Rundfahrt. Sollte ein weiterer Dopingfall bekannt werden, wollen die öffentlich-rechtlichen Sender aussteigen. So hieß es zumindest vor Tour-Start. "Ausschließen möchte ich das nicht," sagt Antwerpes nun. "Aber für solch ein Szenario müsste das gesamte Telekom-Team oder das Team Gerolsteiner wegen Dopings zurücktreten. Dann würden alle Verantwortlichen des Senders in einer Telefonkonferenz entscheiden."
Für den ARD-Mann gehören der deutsche Andreas Klöden und Alexander Winokurow vom Astana-Team zu den Favoriten. Auf die Frage, ob die beiden Astana-Fahrer wohl dopingfrei seien, zögert der Moderator: "Tja, das ist schwer zu sagen, ich habe die beiden nicht untersucht. Ich kann also nicht sicher sagen, ob sie momentan sauber sind." Solch eine Aussage hätten Moderatoren der vergangenen Jahre sicher nicht gemacht.
- Datum 13.07.2007 - 08:50 Uhr
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- Quelle ZEIT online, 11.07.2007
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Radsport und Doping
Es mag schon sein, dass nur die "negativen" Deutschen wieder einmal mit "Aufarbeitung" beschaeftigt sind.....fuer mich, die in Italien lebt eher ein Grund zu sagen "Bravo"! Endlich! Als die Deutschen vor 30 Jahren mit ihrem Oekogenoergele angefangen haben, haben auch nur alle gelaechelt und mit dem Kopf geschuettelt....wer will schon Solarenergie und warum? Manchmal sind die Deutschen mit ihrem "Riecher" vorn und was die allgemein akzeptierte und verbreitete "Drogeneinnahme zur Leistungssteigerung" angeht ist das auch gut so und ein Grund zur Zustimmung....
Der angebliche sportliche Tiefpunkt des Radsports ist der gleichzeitig der Tiefstpunkt der Medien und Funktionäre.
Weshalb angeblich sportlicher Tiefpunkt? Weil Öffentlichkeit und Medien jahrelang die Augen vor dem Thema Doping verschlossen haben. Weil zur Medienhatz erst geblasen wurde als der Ewigverdächtige Nr. 1 nicht mehr angetreten ist.
Weshalb Tiefstpunkt der Medien? Weil die gleichen Kommentatoren, die früher den gedopten Stars auf der Suche nach Geschichten nachgehechelt sind, heute die sittsamen Ankläger spielen. Die Journalisten sind die Hyänen des Radsports, die Fernsehreporter die Aasgeier der Berichterstattung. Denn auch die Medienvertreter tun für Geld alles. Heute Claquere, morgen schreiben sie den Verriss für die gestern bejubelten Stars. Zu allem Überdruß wird heute das langsame Tempo der Tour beklagt!!!
Ja geht´s denn noch verlogener, liebe Angestellte und Freischaffende von der Presse, Funk und Fernsehen?
Weshalb Tiefstpunkt der Funktionäre? Weil ein Swimmingpool-Minister heute den Sittenwächter über den Radsport geben darf.
Es ist nicht so, daß der Autor dieser Zeilen das Übel des Doping schönreden möchte. Aber der vielgescholtene Jan Ullrich hatte nicht unrecht. Zabel und Rijs wurden mit Bedrohung ihrer Existenz zu beschämenden Selbstkritiken erpreßt. Bei den Pressekonferenzen hätten stalinistische Richter ihre Freude gehabt. Jaksche hat anscheinend aus seiner Not eine Tugend gemacht und sein Tagebuch verkauft.
Andere dürfen sich heute als Saubermänner gerieren, obwohl allen Beteiligten klar ist, daß auch ihre Wäsche mindestens einen Grauschleier hat.
Bedrückend sind aber nicht die Geständnisse der Fahrer, die sich mit dem "System" arrangieren mußten. Noch bedrückender ist der Einfluß der Außenwelt, die diese Gemengelage aus Heuchelei und Verlogenheit ermöglichen. Die Medienvertreter und Funktionäre höchstselbst.
korfstroem
Für den Wechsel der Zuschauer von ARD und ZDF zu Eurosport gibt es noch eine andere Erklärung. Vielleicht ist das die Rache der Zuschauer, die sich belogen fühlen? Von einem Privatsender wie Eurosport erwartet man keine kritische Berichterstattung. Wenn aber die öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalten, die mit ihrem angeblichen "Bildungsauftrag" immer höhere Gebühren rechtfertigen, jahrelang den Journalismus verweigern und die Jubelperser für einen Haufen Sportbetrüger geben, ist das ein Skandal. Ich kann verstehen, dass die Zuschauer keine Lust haben, ein solches Verhalten auch noch mit hohen Einschaltquoten zu honorieren.
Es ist nicht ganz korrekt zu behaupten, dass die Zuschauer der ARD & ZDF nichts mehr über Doping hören möchten. Es kommt, wie so oft, auf die richtige Mischung an.
Was sich die Kommentatoren allerdings für unverschämtheiten alleine beim Prolog erlaubt haben ist den Zuschauern nicht zuzumuten. Deswegen schalten viele ab oder um - zu Eurosport. Man muss nicht in jedem zweiten Satz das Wort "Doping" erwähnen, alle Fahrer als miese Betrüger verdächtigen und Unwahrheiten zum Thema Andreas Klöden und seinen Aussagen verbreiten.
Wenn einem als Zuschauer andauernd ins Gesicht gesagt wird wie mies, verlogen und betrügerisch die ganze Veranstaltung angeblich sei, dann hat man darauf nach ein paar Tagen keine Lust mehr und wählt die Berichterstattung die sich dem sportlichen Inhalt widmet und Emotionen rüberbringt. Ich schaue mir die Tour an um Radrennsport zu sehen und nicht um andauernd mit den selben, inhaltslosen Floskeln belehrt zu werden.
Im SPON war ein Zitat zu lesen, dass es ganz gut trifft. Das ging in etwa so:
Die Tour bei ARD & ZDF zu schauen ist in etwa so, als schaue man Fussball gemeinsam mit seiner Frau die einem dabei andauernd erzählt wie primitv und sinnlos der Sport sei.
eurosport macht seit jahren kompromisslos sportübertragungen mit einem angenehm zurückhaltenden kommentar: der sport bzw. das sport-event steht im mittelpunkt, personen und nationalitäten wirken zweitrangig.
ganz anders die grossen tv-gesellschaften mit sport-sponsoring seit *jahrzehnten*: tennis mit boris, tourdefrance mit jan, skispringen mit den dsv-adlern, zuerst schmidt, dann hannawald, dann nichts mehr, boxen mit maske, schulz, klitschko....
jetzt sollte die tourdefrance eben mittels dopingskandal an den zuschauer gebracht werden (weil die rechte für 2007 bereits lange gekauft waren?), welche einschaltquote hatten die *sondersendungen* zu den beichten der telekom-fahrer? in wahrheit garantiert doch der gedopte sieger höhere quoten solange er ein spektakulärer einzelfall bleibt. flächendeckend gedopter sport ist so wenig interessant und vermarktbar wie wrestling. das ahnen alle sportfuntionäre, deswegen jetzt die jugendolympiade als geldmaschine? im nachlassenden interesse der zuschauer liegt die gefahr für die tv-sender nicht im doping an sich. wie verlogen waren beide intendanten in den interviews nach den beichten: das übertragen der doping-tourdefrance ist ein öffentlich-rechtlicher auftrag unter vorbehalt, wir berichten unvoreingenommen und fragen jetzt nach.
es ist nicht der sport, sondern die sensation die dort seit jahren immer unverschämter vermarktet wird. das das dem letzten zuschauer jetzt klar wird und er sich mit grausen abwendet, ist doch nicht überraschend, oder?
nein, ich bin nicht enttäuscht von unseren medien. halten sie uns deutschen doch ununterbrochen das thema doping vor augen. sind sie doch in geradezu vorbildlicher art und weise engagiert und richten dabei einen fahrer nach den anderen, um letztendlich zum großen streich "dem radsport im allgemeinen" auszuholen. und wie dankt uns das ausland? es kümmert sich einfach nicht! doping in der internationalen presse? fast gänzlich fehlanzeige! und was musste ich heute bei der bergetappe sehen? zuschauer - zuschauer - zuschauer! wie soll das denn erst bei den großen bergankünften werden? ja sieht denn das ausland wieder einmal nicht die gefahr die auf sie zurennt - erkennt sie denn nicht unsere deutsche rolle - wie wir wieder etwas von etwas zu befreien versuchen? mit der besten absicht natürlich!
und jetzt das: nicht genug, dass sich der zabel (dieser doping...) erdreistet, ins grüne trikot zu fahren (nachdem was im vorfeld alles passiert ist und vor allem in seinem alter!) -
nein, nun gewinnt ein gewisser herr gerdemann die etappe und fährt morgen zu allem überfluss auch noch in gelb.
ist das denn das alles allein mit jugendlicher unwissenheit zu entschuldigen. was sollen denn jetzt bitte schön die medien reagieren? nun sprich der herr gerdemann auch noch von "neuanfang".
gott sei dank wurde er dann auch in der stunde seines größten triumphes sofort zum thema doping befragt. aber reicht das alleine aus? er ist noch so jung, da könnte man doch noch... wie soll denn nun morgen die berichterstattung bitteschön aussehen? nachdem was heute passiert ist, kann man doch nicht einfach zur tagesordnung übergehen. die internationale presse lacht ehe schon über uns deutsche. aber die werden schon noch sehen! mir ist jedenfalls nach dem heutigen tag die tour de france nichts mehr wert. wo soll das alles nur enden?
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