LeichtathletikSprinter ohne Unterschenkel

Erfolgsgeschichte oder „Technodoping“? Mit Prothesen ist ein behinderter Läufer so schnell wie die Weltspitze

Die Definition des Deutschen Sportbundes ist eindeutig: „Doping ist Leistungssteigerung durch die Anwendung von verbotenen Substanzen.“ Bleibt zu klären, was sind verbotene Substanzen? Testosteron? Klar. Andere Muskelaufbaupräparate wie Anabolika? Logisch. Und Epo? Spätestens seit Jan Ullrichs Rücktritt auch bekannt. Aber wie verhält es sich mit etwa 80 Zentimeter langen Fiberglasprothesen, die ein Läufer statt seiner Unterschenkel trägt? „Cheetahs“, auf deutsch Geparden, werden die 30.000 Euro teuren elastischen Metallgebilde genannt. Wenn sie ins Gespräch kommen, benutzen Kritiker das Wort „Technodoping“.

Am Wochenende wird ein 20-jähriger Südafrikaner mit diesen „Geparden“ Sportgeschichte schreiben. Oscar Pistorius lebt seit seiner Geburt ohne Wadenbeinknochen und seine Unterschenkel wurden im Alter von elf Monaten amputiert. Er wird als erster behinderter Mensch bei einem Hauptrennen eines offiziellen Sportereignisses für nicht-behinderte Sprinter teilnehmen. Am Freitag tritt Pistorius zunächst in Rom beim Golden-League-Meeting an, am Sonntag misst er sich in Sheffield mit den weltbesten 400-Meter-Sprintern. Er ist der schnellste Läufer ohne Unterschenkel, und nach eigener Aussage möchte er die Lücke zwischen gesunden und behinderten Sportlern schließen.

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Etwa fünf Zentimeter sind seine am Fußende wie Skispitzen gebogenen Geparden länger als durchschnittliche Unterschenkel. Experten behaupten, durch die Länge verschafft Pistorius sich mit jedem Schritt einen Reichweitenvorteil. Außerdem federn seine elastischen Geparden bei jedem Schritt stärker als ein regulärer Fuß. In der Behindertenklasse hält er mit ihnen die Weltrekorde über 100 (10,91 Sekunden), 200 (21,58 Sekunden) und 400 Meter (46,34 Sekunden). In der Nicht-Behindertenklasse muss er seine Bestzeit über 400 Meter noch um eine Dreiviertel Sekunde verbessern, dann dürfte er mit dem südafrikanischen Team zu den Olympischen Spielen nach Peking fahren – wenn der Leichtathletik-Weltverband IAAF ihn starten lässt.

Gutachten der Universität Miami und die Leistungen Pistorius an diesem Wochenende sollen dem Verband als Entscheidungsgrundlage dienen. Die Organisatoren befürchten einen Wettbewerb unter künstlich aufgerüsteten Athleten. Wie viel Prothese hilft einem Behinderten, um gesund zu leben? Wie viel Prothese wirkt bei einem Sportler wie Doping? „Ich will mich nicht auf unfaire Weise mit anderen messen. Wenn jemals Beweise gefunden werden, dass ich durch die Prothesen Vorteile habe, würde ich sofort aufhören“, sagt Pistorius.

 
Leserkommentare
  1. Reinhard Bimashofer, Journalist, Laxenburg, Österreich

    "Brave Mädchen kommen in den Himmel, böse überall hin", so lautet ein schmissiger Buchtitel. Darf dieser Sportler, soll er in die Domäne der glücklich Gesunden eintauchen. Ja, unbedingt. Es wird sich wohl kaum einer den Fuß amputieren lassen, um in den gigantischen Vorteil der Prothese zu kommen. Beim 'Tennis gibt es überlegene Spieler, die anderen eine 'Vorgabe gewähren. Also einen Start mit 0:30 etwa. Auch dieser Südafrikaner sollte so eine Vorgabe bekommen. Aber er will sie gar nicht. Das ist nachahmenswert und keine Sekunde verwerflich. Jubeln wir mit ihm, wenn er in der Weltspitze landet. Es ist ein Stoff für einen Film. Nein, noch schöner: Im Himmel wird ihn einmal niemand fragen, ob er mit beiden Beinen im Leben gestanden ist. Wir können uns ein Beispiel an ihm nehmen. An Einsatz, an Kampfeswillen und an Verzicht auf Ausreden. Dieser Sportler ist schon deshalb ein Glücksfall. Auf die Plätze, fertig, los!

  2. 2. bravo

    ein Sieg der Technik und des menschlichen Willens,allen Handikaps zum Trotz.Ein Zeichen auch für alle sich übelegen fühlenden hoffentlich.

  3. Natürlich freue ich mich über jeden behinderten Menschen, der in den vorderen Reihen mitkämpfen kann. Gönnerhaft applaudieren ist mir aber hier zu simpel. Die bionische Prothetik in dieser Preisklasse erinnert schon an die Materialien im Wintersport. "Ein Sieg der Technik ..." - genau das. Es ist vorstellbar, dass ein jahrelang hart trainierender Niemand durch eine Amputation nach einem Unfall oder einer Diabetes zum prominenten Sportler mit millionenschweren Werbeverträgen aufsteigt und den Konkurrenten, die ohne bionisch technische Körperteile antreten keine Chance lässt. Das ist der Stoff für einen Film! Wir sollten anfangen, das zu beobachten solange Menschen ohne bionisch technische Ersatzteile noch mit auf dem Treppchen stehen.

  4. naja, nicht ganz.

    Aber vielleicht sollten die Forscher und Techniker nachher auf dem Siegertreppchen stehen.

    Was hat der Mann bei den olympischen Spielen zu suchen? Werden diese Spiele bald so eine Art Robocup sein?

    Der Einwand wird sein, dass die Ersatzteile des Sportlers keinen eigenen Antrieb haben. Aber das hat ein Fahrrad auch nicht. Dann wird man sagen, ein Fahrrad sieht nicht aus wie Beine. Aber diese Ersatzbeine sehen auch nicht aus wie Beine. Wo lässt sich da noch genau eine Grenze ziehen?
    Kann dieses Ersatzbein plötzlich einen Wadenkrampf bekommen?

    Ich sehe die olympischen Spiele völlig pervertiert.

  5. scheint mir hier ein Pferdefuß dabei zu sein?

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